DWS macht die Schweiz zur globalen Drehscheibe für Family Offices


Herr Württemberger, die DWS führt im November die neue globale Markenidentität Deutsche Asset Management ein. Weshalb braucht ein etablierter Vermögensverwalter plötzlich einen neuen Namen?

Wir machen diesen Schritt aus einer Position der Stärke heraus. Die DWS ist in unseren Kernmärkten eine gut etablierte Marke, aber ihre Bekanntheit ist international vergleichsweise begrenzt. Deutsche Asset Management vermittelt klarer, wofür wir stehen und was wir weltweit anbieten. Das Rebranding ist Teil der langfristigen Positionierung unseres Asset-Management-Geschäfts. 

Mit der neuen Dachmarke wollen wir unsere globale Präsenz stärken und gleichzeitig unsere europäischen Wurzeln unterstreichen. 

Die Gruppe bezeichnet sich künftig als «Gateway to Europe» für internationale Investoren. Was bedeutet das konkret?

Europa verändert sich derzeit grundlegend und gewinnt für internationale Investoren an Bedeutung. Mit unserer starken europäischen Verwurzelung, lokaler Expertise und globalen Investmentplattform  wollen wir für internationale Investoren ein zentraler Ansprechpartner sein und sie dabei unterstützen, die Chancen der europäischen Märkte zu nutzen 

«Gerade bei institutionellen Kunden sehen wir weiteres Wachstumspotenzial.»

Gleichzeitig wollen wir unsere Kompetenzen weltweit noch stärker bündeln und unseren Kunden über Regionen und Anlageklassen hinweg zugänglich machen.

Gerade bei institutionellen Kunden sehen wir weiteres Wachstumspotenzial. Eine international verständliche Markenidentität und eine Organisation, die sich konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden orientiert, unterstützen diesen Anspruch.

Verschwindet damit die Marke DWS?

Nein, ganz im Gegenteil. Deutsche Asset Management wird unsere globale Dachmarke. Die etablierten Produktmarken bleiben bestehen.

DWS steht weiterhin für das europäische Privatkunden-Geschäft mit aktiven Fonds, Xtrackers für ETFs und passive Mandate. RREEF bleibt die Marke für unsere US-Immobilienexpertise.

Künftig werden diese Marken durch den Zusatz «by Deutsche Asset Management» stärker mit der globalen Plattform verbunden.

Was verändert sich für die Kunden konkret?

Die bestehenden Fonds- und Produktnamen bleiben unverändert. Auch unsere Anlagekompetenzen und Investmentprozesse bestehen weiter.

Für institutionelle Kunden sowie für Dienstleistungen im Bereich Private Markets wird Deutsche Asset Management künftig direkt als Marke verwendet.

Die Einführung erfolgt schrittweise ab Anfang November 2026 und soll bis März 2027 abgeschlossen sein.

Der neue Name erinnert stark an die Deutsche Bank. Rücken Sie damit auch organisatorisch näher an die Bank heran?

Wir bleiben in unseren Anlageprozessen und unserer Governance unabhängig. Gleichzeitig wollen wir die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe gezielter entlang der Wertschöpfungskette unserer Kunden  nutzen.

Das betrifft insbesondere institutionelle Kunden wie zum Beispiel auch Family Offices. Wenn beispielsweise ein Familienunternehmen verkauft oder an die Börse gebracht wird, können verschiedene Bereiche ihre jeweiligen Kompetenzen gezielt zusammenbringen .

Das Investment Banking übernimmt die Finanzierung oder Transaktion, die Privatbank betreut die Kundenbeziehung und Fragen der Nachfolgeplanung, und wir als Asset Manager strukturieren die daraus entstehenden Vermögen aus einer institutionellen Anlageperspektive, von der strategischen Asset Allocation und dem Liquiditätsmanagement bis hin zu Public und Private Markets.

Sie wollen insbesondere im institutionellen Geschäft wachsen. Was verändert sich konkret?

Wir haben unsere Vertriebsorganisation stärker nach Kundengruppen aufgeteilt. Das Private-Wealth-Team betreut unter anderem Banken, Vermögensverwalter und Neobroker.

Das institutionelle Team konzentriert sich auf Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen, Family Offices und Staatsfonds.

Bei diesen Kunden wollen wir uns noch stärker vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter entwickeln. Das bedeutet, zunächst ihre Anlageziele, Verpflichtungen, Liquiditätsbedürfnisse und Risikobudgets zu verstehen und daraus passende Anlagelösungen abzuleiten.

Das behaupten inzwischen praktisch alle grossen Asset Manager. Was bedeutet das bei Ihnen konkret?

Nehmen wir eine Versicherung. Sie beschäftigt sich mit regulatorischen Anforderungen, ihrer Bilanzstruktur, dem Durationsmanagement und der Frage, wie sich ihre Anlagen effizient bewirtschaften lassen. Da reicht es nicht, das passende Produkt anzubieten. 

«Mit der globalen Koordination des Family-Office-Geschäfts können wir Erfahrungen aus dem Schweizer Markt international skalieren.»

Wir wollen diese Herausforderungen ganzheitlich analysieren und entsprechende Lösungen anbieten. Unser Ansatz beginnt nicht mit dem Produkt, sondern mit der konkreten Situation des Kunden und seinen Zielen. Das kann beispielsweise bedeuten, Asset Allocation, Duration, Liquidität, regulatorisches Kapital und Renditeziele gemeinsam zu betrachten und daraus eine massgeschneiderte Lösung über liquide und illiquide Anlageklassen hinweg zu entwickeln.

Sie sind neben Ihrer Funktion als CEO der DWS Schweiz bereits für das institutionelle Geschäft in Europa ausserhalb Deutschlands verantwortlich. Nun übernehmen Sie zusätzlich die weltweite Koordination des Family-Office-Geschäfts. Weshalb wird diese Aufgabe ausgerechnet in der Schweiz angesiedelt?

Die Schweiz ist einer der wichtigsten Family-Office-Standorte Europas und spielt auch international eine zentrale Rolle. Deshalb ist es sinnvoll, die globale Koordination dieses Geschäfts von hier aus zu übernehmen.

Wir wollen die verschiedenen Kompetenzen innerhalb der Gruppe stärker miteinander verbinden und Family Offices umfassender betreuen. Dabei geht es insbesondere darum, unsere institutionelle Investmentkompetenz mit den Bedürfnissen von Family Offices entlang ihrer gesamten Vermögens- und Investmentstruktur zu verbinden.

Was bedeutet diese zusätzliche Verantwortung für den Schweizer Standort?

Die Schweiz gewinnt innerhalb unserer internationalen Aufstellung weiter an Bedeutung. Wir sind hier bereits in einem stark institutionell geprägten Markt tätig und verfügen über einen engen Zugang zu anspruchsvollen Investoren.

Mit der globalen Koordination des Family-Office-Geschäfts können wir diese Position weiter stärken und gleichzeitig Erfahrungen aus dem Schweizer Markt international skalieren.

Family Offices gelten als besonders anspruchsvolle Kunden. Wie verändern sich deren Bedürfnisse?

Wir beobachten mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Geopolitische Veränderungen beeinflussen die Kapitalströme und Anlageentscheidungen. Hinzu kommt der Generationenwechsel innerhalb vieler vermögender Familien.

Dadurch verändern sich auch die Entscheidungsträger und ihre Erwartungen. Viele grosse Family Offices verstehen sich heute zunehmend selbst als professionelle Asset Manager und öffnen sich neuen Anlageklassen und Strategien. Damit nähern sich ihre Anforderungen zunehmend denen institutioneller Investoren an, etwa bei Asset Allocation, Risikomanagement, Liquidität und dem Zugang zu öffentlichen und privaten Märkten.

Was bedeutet das für Deutsche Asset Management?

Ein Family Office lässt sich nicht allein mit einzelnen Anlageprodukten umfassend betreuen. Wir müssen vielmehr die Gesamtstruktur des Vermögens verstehen, von Anlagezielen und Risikobudgets über Liquiditätsanforderungen bis zur strategischen Asset Allocation.

Entscheidend ist, dass man die gesamte Wertschöpfungskette anbieten kann: vom Investment Banking über das Corporate und Private Banking bis zum Asset Management. Auf der Investmentseite reicht das von Public und Private Markets über individuelle Mandate bis zu strukturierten und massgeschneiderten Lösungen.

Genau darin sehen wir einen wichtigen Vorteil unserer Aufstellung. Wir können diese Kompetenzen verbinden und Family Offices mit einer institutionellen Perspektive auf ihr Gesamtportfolio begleiten.

Die DWS will auch im Geschäft mit alternativen Anlagen wachsen. Dazu passt die angekündigte Übernahme von Peakside Capital Advisors mit Sitz in Zug. Was versprechen Sie sich davon?

Immobilien sind für uns ein wichtiger strategischer Geschäftsbereich. Mit Peakside Capital Advisors ergänzen wir unsere bestehenden Kompetenzen um Value-Add-Strategien und erweitern damit das Spektrum unterschiedlicher Risiko-Rendite-Profile, dass wir Investoren anbieten können.

Bisher waren wir im Immobiliengeschäft stärker im klassischen Core-Segment positioniert. Durch die Akquisition können wir unser Angebot erweitern und zusätzliche Bedürfnisse institutioneller Investoren abdecken.

Peakside sitzt zwar in Zug, konzentriert sich aber auf den deutschen Immobilienmarkt. Was bringt die Übernahme dem Schweizer Geschäft?

Es gibt zahlreiche Schweizer institutionelle Investoren, Pensionskassen und Family Offices, die sich für den deutschen Immobilienmarkt interessieren.

Für diese Kunden können wir künftig zusätzliche Anlagemöglichkeiten anbieten. Gleichzeitig stärkt die Übernahme unsere Kompetenz im Geschäft mit alternativen Anlagen.

Neben alternativen Anlagen beschäftigen Sie sich intensiv mit künstlicher Intelligenz. Die DWS hat dazu eine Untersuchung bei Investoren durchgeführt. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

Wir haben über den Sommer mit mehr als 50 Kunden gesprochen, sowohl mit institutionellen Investoren als auch mit Kunden aus dem Private-Wealth-Bereich.

«AI ist letztlich nur so gut wie die Datenbasis, auf der Modelle und Prozesse aufsetzen.»

Dabei wollten wir verstehen, wie sie künstliche Intelligenz in ihren Anlage- und Geschäftsprozessen einsetzen, wie sich dadurch ihre Arbeitsweise verändert und welche Anforderungen sie künftig an Asset Manager stellen.

Was hat Sie dabei besonders überrascht?

Eine zentrale Erkenntnis ist die wachsende Bedeutung von Datenqualität und Datenmanagement. AI ist letztlich nur so gut wie die Datenbasis, auf der Modelle und Prozesse aufsetzen.

Wenn immer mehr Prozesse automatisiert werden und unterschiedliche Systeme direkt miteinander kommunizieren, müssen die zugrunde liegenden Daten zuverlässig und entsprechend aufbereitet sein.

Gleichzeitig stellt sich eine strategische Frage: Wie können sich Banken und Asset Manager künftig voneinander unterscheiden, wenn Informationen immer breiter verfügbar werden? Differenzierung entsteht dann weniger durch den Zugang zu Information allein, sondern stärker durch proprietäre Daten, deren Interpretation und die Fähigkeit, daraus investmentrelevante Erkenntnisse abzuleiten.

Verliert damit das klassische Research an Bedeutung?

Die Rolle von Daten und Analysen wird sich verändern. Proprietäre Daten und die Fähigkeit, daraus einen Mehrwert zu schaffen, werden wichtiger.

Gleichzeitig bleibt das menschliche Urteilsvermögen entscheidend. Gerade institutionelle Kunden erwarten weiterhin eigenständige Einschätzungen, auch wenn diese von der allgemeinen Marktmeinung abweichen.

Könnte künstliche Intelligenz das Geschäftsmodell traditioneller Asset Manager grundsätzlich infrage stellen?

Die Anforderungen an uns werden sich verändern. Bisher haben Asset Manager vor allem Fonds, Mandate und Anlagelösungen angeboten.Künftig könnte stärker hinzukommen, dass wir auch technologisch in die Systeme und Prozesse unserer Kunden eingebunden werden müssen. Die Schnittstelle zum Kunden wird damit zunehmend digitaler und datengetriebener: Informationen, Portfolioanalysen und Investmentlösungen müssen sich perspektivisch stärker in die Prozesse des Kunden integrieren lassen.

Wir beschäftigen uns derzeit damit, welche konkreten Anwendungsfälle sich daraus ergeben. Für mich ist AI deshalb weniger eine Frage einzelner Tools als eine Frage, wie sich die Wertschöpfungskette zwischen Investor und Asset Manager verändert.

Wo steht die DWS bei dieser Entwicklung?

Wir haben die Erkenntnisse aus den Kundengesprächen zusammengeführt und daraus erste strategische Schlussfolgerungen abgeleitet. Nun definieren wir konkrete Anwendungsfälle.

Es geht darum, herauszufinden, welche Dienstleistungen institutionelle Investoren, Versicherungen oder digitale Vertriebspartner künftig tatsächlich von uns benötigen.