Elektrifizierung als Herzstück der Energiewende

Herr Lang, beginnen wir mit der aktuellen makroökonomischen Perspektive: Wie ordnen Sie die jüngsten geopolitischen Entwicklungen – insbesondere im Nahen Osten – und deren Einfluss auf die Energiewende ein?

Thiemo Lang: Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten haben sehr deutlich gemacht, dass Energiesicherheit nach wie vor ein zentrales Element jeder Wirtschaftspolitik darstellen muss. Grösstmögliche Energieautonomie ist eine geopolitische Notwendigkeit, insbesondere für Industrienationen. Zwar erscheint die Passage durch die Strasse von Hormus aktuell im Rahmen einer vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe grundsätzlich wieder möglich, doch wir werden sehen, inwieweit tatsächlich eine langfristige, tragfähige Lösung gefunden werden kann.

Der aktuelle Konflikt verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit, den Übergang hin zur Energieautonomie durch konsequente Elektrifizierung und Dekarbonisierung zu beschleunigen. Investitionen in resiliente Energiesysteme behalten ihre oberste Priorität bei. Demzufolge bleiben auch die fundamentalen Aussichten für die Kernbestände des Portfolios, die sich mit der Elektrifizierung des globalen Energiesystems befassen, sehr robust.

Die Dekarbonisierung ist ein langfristiger Trend. Was sind die wichtigsten Treiber und Herausforderungen?

Lang: Bereits vor Jahrzehnten wurde in Industrienationen die Dekarbonisierung als gesamtgesellschaftliches Ziel definiert, CO2-Emissionen durch Umstieg auf CO2-freie Stromerzeugung und Energieeffizienzmassnahmen zu reduzieren. Dekarbonisierung und Elektrifizierung der Endmärkte sind eng miteinander verknüpft. Wir gehen davon aus, dass sich die globale Stromnachfrage bis 2050 etwa um das 2,5-Fache steigern wird. Politische Unwägbarkeiten können sicherlich kurzfristig Volatilität verursachen, insbesondere in Bereichen wie Subventionsregelungen, Handelsbeschränkungen oder Lieferketten für kritische Rohstoffe. Unser Fonds konzentriert sich jedoch auf Unternehmen, deren Wachstum von langfristigen strukturellen Trends getrieben wird, welche somit eher resistent gegenüber kurzfristig induzierten politischen Einflüssen sind.

Dekarbonisierung muss jedoch auch erschwinglich bleiben. Kostengünstiger Strom ist essenziell für Industriestandorte, und gleichzeitig der Treiber zentraler Wachstumstrends, darunter Elektromobilität, Wärmepumpen, industrielle Automatisierung, KI-Rechenzentren und in Zukunft auch humanoide Robotik. Wir haben in den letzten Jahrzehnten bezüglich kostengünstiger Bereitstellung von CO2-freier Stromerzeugung grosse Fortschritte gemacht. Die grössten Herausforderungen liegen heute vor allem in der Integration sauberer Energie in bestehende Systeme, unter Zuhilfenahme von Speicherlösungen.

Wo sehen Sie aktuell die interessantesten Anlagemöglichkeiten im Smart-Energy-Bereich?

Lang: Die vielversprechendsten Chancen ergeben sich derzeit aus dem Zusammentreffen von stark steigender Stromnachfrage und begrenzter Infrastruktur. Besonders deutlich wird das im Bereich der KI-Rechenzentren. Diese Anlagen haben einen enormen Energiebedarf. Aufgrund von Ineffizienzen in der Stromübertragung, Umwandlungsverlusten und dem hohen Kühlbedarf ist der tatsächliche Strombedarf etwa doppelt so hoch wie derjenige, welche tatsächlich für die Rechenleistung verbraucht wird. Das führt zu einer stark steigenden Nachfrage nach energieeffizienter elektrischer Infrastruktur, Leistungshalbleitern und innovativen Kühllösungen – alles Bereiche, in denen der Fonds signifikant investiert ist.

Neben dem Ausbau von IT-Energieinfrastruktur investieren wir in den Megatrend «electrify everything» («alles elektrifizieren»). Dies beinhaltet weitgehende Investitionen in die Elektrifizierung von Transport, Gebäude und Industrie. Für das Jahr 2026 zeichnet sich eine breit gefächerte Belebung der Nachfrage in Industriebereichen ab, welche auf Strom angewiesen sind. Dies sollte unseren Herstellern von Leistungshalbleitern für Industrieanwendungen zugutekommen.

Welche Rolle spielen Energiespeicher und neue Technologien wie humanoide Robotik?

Lang: Energiespeicher sind ein entscheidender Bestandteil moderner Energiesysteme. Für 2026 erwarten wir ein Kapazitätswachstum von rund 40 Prozent für stationäre Batterien. Sie ermöglichen die Integration erneuerbarer Energien, stabilisieren die Netze und eröffnen neue Einnahmequellen durch Dienstleistungen wie Frequenzregulierung.

Die humanoide Robotik entwickelt sich derzeit besonders dynamisch: Fortschritte in der KI und sinkende Hardwarekosten treiben die Marktentwicklung, so dass für dieses Jahr erste grössere kommerzielle Anwendungen erwartet werden. Einsatzfelder werden sich mittelfristig über die Industrie hinaus auf Dienstleistungen und Privathaushalte ausdehnen. Mit zunehmender Verbreitung rückt auch der Energiebedarf dieser Systeme in den Fokus. Ähnlich wie bei Rechenzentren oder Elektrofahrzeugen wird Energieeffizienz zu einem entscheidenden Faktor für die Wirtschaftlichkeit.

Wie setzen Sie diese Trends konkret im Fonds um?

Lang: Unser Anlageuniversum besteht aus vier Investmentclustern, welche die gesamte Wertschöpfungskette hin zur Elektrifizierung der verschiedenen Endmärkte abdecken: angefangen von der sauberen Stromerzeugung, der Energieübertragung, Verteilung und Speicherung, bis hin zum möglichst effizienten Stromverbrauch in der Endanwendung.

Innerhalb dieser Cluster investieren wir in unterschiedliche Technologien, Regionen und Marktsegmente, um eine breite Diversifikation zu gewährleisten. Dadurch reduzieren wir eine zu einseitige Technologieabhängigkeit und erhöhen die Resilienz gegenüber regulatorischen Änderungen.

Die Portfoliokonstruktion erfolgt auf Basis fundamentaler Bottom-up-Analysen, wobei Nachhaltigkeitsanalysen vollständig in den Investmentprozess integriert sind. Die Gewichtung der Einzelwerte spiegelt Überzeugung, Liquidität und Risikobeitrag wider und stellt sicher, dass kein einzelnes Thema bzw. keine einzelne Aktie die Gesamtperformance des Portfolios dominiert.

Wie hat sich das Anlageuniversum verändert?

Lang: Unser Anlageuniversum umfasst rund 250 Unternehmen. Wir prüfen dieses Universum ständig auf Aktualität, und ergänzen es jährlich um rund 20 bis 25 Titel. Im gleichen Zug scheidet eine ähnliche Anzahl an Unternehmen aus, da sie die Investmentkriterien nicht mehr erfüllen, oder etwa übernommen wurden. So bleibt die Gesamtanzahl der Titel über die Zeit hinweg stabil, was sehr erwünscht ist. Für unser aktives Portfolio selektieren wir etwa 40 bis 60 Titel aus dem Anlageuniversum. Der Schwerpunkt liegt derzeit klar auf Energieeffizienz, gefolgt von Energiemanagement, sowie Energieübertragung und -verteilung.

Wie wichtig ist die regionale Diversifikation?

Lang: Regionale Diversifikation ist sehr wichtig. Sie ermöglicht es, spezifische Schwerpunkte in unterschiedlichen Märkten zu setzen. Wir suchen in einer Vielzahl von Teilsektoren die Weltmarktführer, und diese sind in der Regel auch weltweit verteilt. Derzeit haben wir ca. 40 Prozent in Nordamerika, 30 Prozent in Europa und 30 Prozent in Asien investiert, sind also sehr global aufgestellt.

Der Fonds wird bald fünf Jahre alt. Was hat diesen Zeitraum geprägt?

Lang: Die ersten fünf Jahre haben die Renditechancen von Investitionen in saubere Energien bestätigt. Der Zeitraum war wieder einmal geprägt von Marktrotationen und sich wandelnden politischen Rahmenbedingungen. Dabei wurde die Wichtigkeit von aktivem Fondsmanagement, beruhend auf fundamentaler Analyse und Diversifizierung entlang der Wertschöpfungsketten, erneut deutlich. Unsere Fokussierung auf Technologieführer im Bereich Energieeffizienz und Energiemanagement hat sich dabei als besonders erfolgreich erwiesen.

Wie sehen die nächsten fünf Jahre aus?

Lang: Der globale Trend zur Elektrifizierung wird sich weiter beschleunigen. Infrastrukturausbau, Effizienzsteigerungen und Systemoptimierung werden vielfältige Anlagemöglichkeiten hervorbringen. Der heute schon enorme Druck von KI-Rechenzentren hin zu einem effizienteren Ausbau der Energieinfrastruktur wird zunehmen. Aktuell wird über Rechenzentren im All nachgedacht, da diese ohne komplexe Flüssigkeitskühlung auskommen, und ihren Energiebedarf durch permanent sonnenausgerichtete Solarmodule decken können.

Auch die Kernenergie erfährt eine gewisse Renaissance, da ihre Grundlastversorgung optimal zum 24-h-Energiebedarf von Rechenzentren passt. Fortschrittliche Reaktorsysteme verfügen hierbei über passive Sicherheitssysteme, welche eine automatische Abschaltung ermöglichen, und neue modulare Lösungen versprechen die Herstellungs- und Installationskosten zu senken.

Parallel dazu schreitet die Elektrifizierung des Verkehrssektors sowie der verstärkte Einsatz von elektrischen Wärmepumpen insbesondere in Regionen wie Europa und Asien voran. Die Geschwindigkeit, mit der physische KI – etwa in Form humanoider Roboter, autonomer Fahrzeuge und anderer intelligenter mobiler Geräte – Einzug halten wird, ist derzeit noch die grosse Unbekannte. Klar ist jedoch, dass auch hier Energieeffizienz eine entscheidende Rolle für die Entwicklung wettbewerbsfähiger Produkte spielen wird.


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