Wolke sieben: Kempinski Palace Engelberg
Bevor es St. Moritz gab, gab es Engelberg. In den 1920er-Jahren zog es Europas goldene Gesellschaft hierher, um schlecht Ski zu fahren und dabei hinreissend auszusehen. Die Top-Destination jener Zeit: Klein-Versailles, ein Palast im Herzen Engelbergs, geführt von der Familie Cattani. Ein Jahrhundert später steht der Palast noch immer. Heute als Kempinski Palace Engelberg.
Ankunft zwischen Bergen und Blüten
Ich komme im späten Frühling an. Der Bergort liegt eingebettet zwischen Titlis und Hahnen. Krokusteppiche, blühende Wiesen wie mit Sternen übersät, eine bescheidene Holzhütte und die Wiederkehr jenes Gefühls, das nur die Alpen hervorrufen können. Ich stelle mir vor, es ist dem ähnlich, was Julie Andrews empfand, als sie einst in The Sound of Music sang: «The hills are alive». Ähnlich wie im Film entstand Engelberg rund um das Leben eines Klosters und trägt einen naiven Charme.

Das Hotel liegt eingebettet zwischen Titlis und Hahnen. (Bild: Kempinski Palace Engelberg)
Grandezza der Belle Époque
Im Zentrum steht das Grand Hotel, das nicht in die Jahre gekommen wirkt, sondern mit Selbstbewusstsein gereift ist. Es trägt die Seele alter Grandezza und die kühle Eleganz modernen Luxus’ in sich. Die Architektur ist Belle Époque: eine geschwungene Marmortreppe, ein Ballsaal, den jeden Sommer das Luzerner Sinfonieorchester bespielt, Decken, die einen geneigten Nacken verlangen, und Stuckarbeiten, gefertigt mit beinahe unmöglicher Geduld. Bei meiner Ankunft werde ich mit frischen Erdbeeren und zarten Macarons empfangen, versehen mit dem eingravierten Kempinski-Emblem.
Luxus mit Aussicht
Die Suiten sind grosszügig und luxuriös, die Badezimmerböden aus elegantem, schwarzem Stein beheizt. Ich laufe die nächsten drei Tage barfuss. Natürlich verfügen alle Zimmer über Balkone, auf denen Gäste Champagner auf Schaffellen geniessen. Manche sind mit goldenen Teleskopen ausgestattet, andere bieten etwas wirklich Besonderes: Von den Park Suiten aus lässt sich jeden Dezember der FIS Skisprung-Weltcup direkt vom Balkon verfolgen.

Grosszügige und luxuriöse Suiten – manche sind mit goldenen Teleskopen ausgestattet. (Bild: Kempinski Palace Engelberg)

Beheizt aus elegantem, schwarzem Stein. (Bild: Kempinski Palace Engelberg)
Es ist erwähnenswert, dass diese Plätze olympisch werden könnten. Engelberg wurde schliesslich als Schweizer Kandidat für die Winterspiele 2038 in Skispringen, Langlauf und Nordischer Kombination nominiert.
Die Palace Bar
Der Barraum aus dunklem Holz entfaltet eine dunkle, atmosphärische Lounge-Ästhetik, begleitet von exotischen Drinks. Er wirkt in seiner Vintage-Originalität wie verloren in der Zeit. Die Palace Bar selbst ist ein goldener Halbmond, marmoriert wie das Gesicht des Jupiter. An Winterabenden ist dies der Ort, an dem Gäste mit Skiern über der Schulter, vom Schnee bestäubt, nach dem Pistenfahren hereindrängen, bevor sie sich einen begehrten Platz am lodernden Kamin sichern. Ich verweile bei Kaviar Tagliatelle mit Zitrusnote und spritzigem Weisswein. Später folgt ein experimentelles Gericht: ein Trio aus Crème brûlée, darunter Varianten mit Matcha und Brownie.

Palace Bar (Bild: Kempinski Palace Engelberg)
Das Spa
Vor dem Frühstück am nächsten Tag besuche ich das Spa: ein Tempel aus schwarzem, glänzendem Marmor. Es ist Morgen, und das Wasser schimmert in dunklem Saphir. Der Infinity-Pool öffnet den Blick auf ein Panorama. Die Szenerie ist filmisch: eine majestätische Bergwand mit schneebedeckter Präsenz, deren Spiegelung das Wasser fast überstrahlt. Es hat etwas Erneuerndes, hier im Licht seine Bahnen zu ziehen. Ein luxuriöser Indoor-Whirlpool blickt auf die Gipfel hinaus und vollendet das Erlebnis: warmes Wasser vor weiter alpiner Stille. Die Spa-Behandlungen sind selbstverständlich ein Muss.

(Bild: Kempinski Palace Engelberg)
Die Therapien umfassen eine isländische Algen-Detox-Behandlung, alpine Kräuter-Vitalitätsrituale, Hot-Stone Massagen und vieles mehr. Natürlich gibt es auch eine finnische Sauna und Bio-Aroma-Dampfbäder.
Wilde Romantik
Rund um das Kempinski Engelberg öffnen sich zahlreiche Wege, die es zu entdecken gilt. Im Sommer fahren Gäste über kurvige Strassen und überqueren wilde Schluchten. Als Naturliebhaber folge ich selbstverständlich ins umliegende Terrain. Die Wildnis entfaltet sich in lebendigem Grün: dramatische Täler, ein Geflecht aus Dickicht und immergrünen Wäldern. Die Wanderung von Wagenleis nach Lachengrätli führt durch Wolken, die wie Dampf aufsteigen, über sattgrüne
Berggipfel, die prähistorisch anmuten.
Feenbrücken und Käsepfade
Die Aaschlucht bietet eine Brücke, die wie eine Feenbrücke aus Schottland über einen aquamarinblauen Fluss führt. Etwas näher liegt die Rundwanderung am Trübsee, gefolgt vom Wasserfall Rundweg. Für Geniesser gibt es zudem einen alpinen Käsepfad.
Die Magie der Alpen
Bei all der wilden Schönheit ist kaum vorstellbar, dass der wahre Zauber im Winter liegt, wenn Skifahrer durch verborgene Pulverschneefelder gleiten. Selbstverständlich bietet das Kempinski ein vollständiges Wintersportportfolio,
vom klassischen Skifahren bis zum Eisfischen und Schneeschuhwandern. Eine Besonderheit des Hotels ist eine Wanderung zum neuen Frutt Mountain Resort, bei der die Hoteliers persönlich das Gepäck für eine Übernachtung liefern.

Atemberaubende Aussicht auf die Alpen (Bild: Kempinski Palace Engelberg)
Der neue Titlis
Erwähnenswert ist auch, dass der Titlis bald eine neue Gipfelstation erhält. Die neue gläserne, geometrische Struktur auf 3'000 Metern wird Fine Dining und spektakuläre Ausblicke bieten. Von dort können Besucher einen Cliff Walk über
Europas höchste Hängebrücke überqueren und weiter zum Ice Flyer Gletscher-Sessellift fahren. Das Erlebnis beinhaltetauch einen Abstieg in eine 5'000 Jahre alte türkisfarbene Gletscherhöhle.
Das Catani Restaurant
Die Küche im Kempinski Engelberg ist kunstvoll inszeniert. Der neue griechische Küchenchef Stefanos Ioannidis prägt sie mit kreativer Handschrift und feinem Gespür für Geschmack. Der Fokus liegt auf lokalen Produkten, doch die Karte spannt sich über kulinarische Welten. Mir wird ein wunderschönes Arrangement aus Rote Bete und zarten Sprossen auf einem Bett aus lokalem Odermatt-Ziegenkäse serviert. Das Gericht ist mit Eichenhonig gezeichnet und wirkt beinahe floral.

Catani Restaurant (Bild: Kempinksi Palace Engelberg)
Von Hummer bis Pavlova
Später eine Hummersuppe mit Sommertrüffel, gekrönt von einer kunstvollen Hummer-Tuile. Das Dessert erscheint als Erdbeer-Grand-Marnier-Orangen-Pavlova, die wie eine kleine architektonische Skulptur aussieht. Das Restaurant selbst ist modern und durch Kirschblütenbäume im Inneren sanft gestaltet. Eine Besonderheit: Das Catani hat seinen eigenen lokalen Winzer und präsentiert seine neue Kollektion saisonal. Bevor ich das Hotel verlasse, wird mir nahegelegt, die Abtei zu besuchen. Das Benediktinerkloster ist atemberaubend und eine Freude für die Augen.
Als ich durch seine grossen Tore trete, schenkt mir eine Frau einen perlmuttfarbenen Rosenkranz zum Schutz. Ich vermute, ich brauche ihn nicht. Im Kempinski Palace Engelberg habe ich vielleicht bereits den Himmel gefunden.















