Dieser Palazzo stiehlt den grossen Villen die Schau
Das Leading Hotel of the World «Palazzo Venezia» befindet sich am Comer See. Trotzdem verspüre ich gleich bei meiner Ankunft ein gewisses venezianisches Flair: Das Hotel liegt direkt am Wasser, und seine elegante Fassade mit den feinen Spitzbogenfenstern erinnert mich an die bekannten Paläste Venedigs.
Como ist spätestens seit den 1970er-Jahren ein beliebter Treffpunkt für Prominente und Künstler: Anfangs kamen hier die Modedesigner und Models der Milano Fashion Week zusammen. Mittlerweile verbringen Weltstars wie Madonna, Julia Roberts und Brad Pitt regelmässig ihre Ferien am Lago di Como.
George Clooney besitzt hier ein 300 Jahre altes Anwesen, die Villa Oleandra. Ohne die Clooney-Villa von innen zu kennen, würde ich behaupten: Der «Palazzo Venezia», in dem ich übernachte, kann es damit locker aufnehmen.

In der Rooftop-Bar des Hotels gibt es erstklassige Cocktails, leckere Snacks – und einen grandiosen Ausblick auf den Comer See. (Bild: zVg)
Kleines Boutiquehotel mit viel Liebe zum Detail
Das Hotel befindet sich im Herzen Comos, auf der Piazza Cavour, umgeben von Restaurants, Bars, Cafés und vielen Shopping-Möglichkeiten. Erst vor wenigen Monaten wurde die elegante Residenz aus dem 19. Jahrhundert, die bereits vorher schon ein Hotel war, von «Villa d’Este La Collezione» übernommen. Zur Hotelmarke gehören weitere Häuser: die «Villa d’Este», die «Villa la Massa» und die «Miralago Luxury Apartments».
Der «Palazzo Venezia» ist viel kleiner als das Hotel «Villa d’Este», das in Cernobbio, gegenüber von Como, liegt. Während jenes ein klassisches Grand Hotel ist, erinnert mich der «Palazzo Venezia» viel mehr an ein Boutiquehotel. Das Haus hat 18 Zimmer und jedes Detail ist perfekt, zum Beispiel die freistehende Badewanne aus Marmor, in der ich am Nachmittag ein Bad nehme, während sich draussen die Sonne im Comer See spiegelt.
Einziges kleines Manko: Um morgens ins Fitnessstudio zu gehen oder abends den Spabereich zu nutzen, muss ich die «Villa d’Este» aufsuchen. Doch um dorthin zu gelangen, werde ich per privatem Boot-Shuttle über die stillen Wasser des Sees gefahren. Somit wird aus dem vermeintlichen Manko ganz nebenbei einer meiner persönlichen Höhepunkte der Reise.

Die gelungene Inneneinrichtung verleiht dem «Palazzo Venezia» viel Klasse und zeitlose Eleganz. (Bild: zVg)
Was den «Palazzo Venezia» von anderen 5-Sterne-Hotels abhebt
Ich verbringe weit über 300 Nächte im Jahr in Hotels – die meisten davon 5-Sterne-Häuser. Bäder aus Marmor, endlos grosse Spabereiche, teure Kunst an den Wänden: Das sieht man überall, und es verliert irgendwann seinen Glanz.
Im «Palazzo Venezia» ist es etwas anderes, das hängen bleibt. Die Frühstücksfee Francesca begrüsst mich mit einer Herzlichkeit, die fast familiär wirkt. Barbara Gibellini, die charmante Direktorin, kennt jeden Gast beim Namen. Hier arbeiten Mitarbeiter, die Menschen sind.
Das Haus ist über 150 Jahre alt, und die lange Geschichte ist an jeder Ecke, in jedem Flur spürbar. Kurz: Der «Palazzo Venezia» hat Charakter – und hebt sich damit von vielen anderen Hotels am Comer See ab.
Gastronomie auf Michelin-Niveau
Eines meiner Highlights an jedem Italienurlaub – ob auf Sizilien oder in Südtirol, ob in Rom oder Neapel – ist für mich das Essen. Und im Hotelrestaurant «Altariva» finde ich eine Küche vor, die bereits mit dem Amuse-Bouche (Bignè mit Parmigiano Reggiano und einem Hauch Balsamico) meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Auch das Brot ist ein Erlebnis; es wurde als das beste Italiens ausgezeichnet. Küchenchef Alessandro Rinaldi erzählt mir, der Sauerteigstarter wird in seiner Familie bereits seit vier Generationen weitergegeben.
Auch die Hauptgänge (Hummer und Fisch) sind grandios, vor allem in der Präsentation. Der Babà genannte Nachtisch, ein typischer Rumkuchen aus Neapel, ist dann der krönende Abschluss. Die zwei Stunden, die ich im «Altariva» sitze und mich durch die Aromen der Region und ganz Italiens probiere, vergehen wie im Flug. Die Bedienung ist äusserst gut informiert und beantwortet alle meine Fragen ohne Zögern.
Das lichtdurchflutete Rooftop-Restaurant ist mit seinen Parkettböden und den edlen Teppichen ausgesprochen gemütlich. Dazu noch der Blick auf die umliegenden Hügel und den See, auf die Jachten und Segelboote, auf die Ufer mit ihren bunten und unbezahlbaren Villen – ein Spektakel! Das «Altariva» ist eines der besten italienischen Gourmet-Restaurants, in denen ich in den letzten Jahren gespeist habe. Meiner Meinung nach hätte sich Küchenchef Alessandro Rinaldi seinen ersten Michelin-Stern mehr als verdient.

Das Restaurant «Altariva» ist ein erstklassiges Gourmet-Restaurant, das mich auf ganzer Linie überzeugt hat. (Bild: zVg)
«Palazzo Venezia»: Bodenständiger Luxus am Comer See
Como gehört zu den touristischsten Orten Italiens. Der Massentourismus hat schon so manches Paradies entzaubert: Es spriessen neue, oft sterile «Luxus»-Hotels aus dem Boden, die keinerlei Bezug zum Ort und seiner Geschichte haben. Umso schöner ist es, dass ein 5-Sterne-Hotel wie das «Palazzo Venezia» bewusst auf Tradition und Ortsverbundenheit setzt. Das spüre ich in der Gastronomie, dem Service, in der Inneneinrichtung. Somit ist das Hotel eine willkommene Ergänzung in Como.
Als früherer Grandhotelier und Betreiber des Hotel Rankings «101 beste Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.











