Maserati: «Massgeschneidert für die Schweizer»
Bei Maserati ist die Stimmung wie ausgestauscht: Seit beim Mutterkonzern Stellantis eine neue Führung am Ruder ist, ist man zuversichtlich und wieder in der Offensive.
finews trifft Emanuele Checcaglini, den neu ernannten General Manager von Maserati Schweiz. Es ist ein Tag, der für die neue Aufbruchstimmung steht. Denn am Abend führt die Marke gleich zwei Anlässe im Land durch, einen in Zürich, einen in Genf.
Herr Checcaglini, erstmals seit längerer Zeit hat Maserati wieder einen General Manager für die Schweiz. Was steckt hinter dieser Neuorganisation?
Maserati richtet sich strategisch neu aus. Wir wollen wichtigen Märkten mehr Eigenständigkeit geben, damit Entscheide schneller und näher am Kunden gefällt werden können. Die Schweiz ist einer dieser Märkte. Als einzige reine Luxusmarke innerhalb von Stellantis braucht Maserati naturgemäss eine engere Beziehung zu Kunden, Partnern und Händlern.
Der Schweizer Markt ist eher klein. Weshalb führen Sie ihn neu eigenständig?
Er ist klein, aber sehr international. Und er spricht dieselbe Sprache wie Maserati. Die Menschen hier begeistern sich für Autos, für die Geschichte der Marke, für die italienische Kultur und Lebensart. Wenn Schweizer an Italien denken, sehen sie einen Ort, an dem sie abschalten, das Leben geniessen und sich etwas Besonderes gönnen können – immer mit einem Hauch Eleganz im Hintergrund. Hinzu kommt die Schweizer Vorliebe, gesehen zu werden, aber nicht zu sehr. Genau in diesem Geist gestalten wir unsere Marke: mühelose Eleganz, Luxus für den Alltag. Beim Marktanteil liegt die Schweiz weltweit meist auf Rang zwei oder drei. Der eigenständige Auftritt ist deshalb auch ein Bekenntnis von Maserati zum Schweizer Markt, zum Händlernetz und zu den Maserati-Enthusiasten im ganzen Land.
«Beim Marktanteil liegt die Schweiz weltweit meist auf Rang zwei oder drei»
Was bedeutet die Rolle als einzige reine Luxusmarke im Konzern für die Modellpalette?
Wir haben einen separaten, eigenen Industrieplan. Im Mai fand der Investor Day für sämtliche Stellantis-Marken statt – mit Ausnahme von Maserati. Wir halten unseren eigenen im Dezember ab, bei uns zu Hause in Modena. Eine reine Luxusmarke mit einer derart starken Geschichte und Tradition verlangt nach einem eigenen Ansatz.
Hat der Grecale als Einstiegsmodell in der Luxusstrategie noch Platz?
Unbedingt. Der Grecale spielt als Einstiegsmodell eine Schlüsselrolle, erst recht jetzt mit dem neuen Nettuno-V6 mit 390 PS. Für die Schweiz ist das besonders interessant: ein kraftvoller V6 für den Alltag, zu einem attraktiveren Preis als der Grecale Trofeo. Der Vierzylinder kam gut an, aber ich erwarte, dass der Nettuno-V6 im Modellmix zunehmend an Bedeutung gewinnt. In anderen europäischen Märkten dominieren die Versionen mit 250 und 300 PS, in der Schweiz hingegen entscheidet sich ein deutlich höherer Anteil der Kunden für den V6. Mein Eindruck ist, dass der Grecale im Unternehmen weiterhin hohe Aufmerksamkeit geniessen wird.
Wie laufen die Bestellungen für die überarbeiteten Modelle GranTurismo, GranCabrio und Grecale?
Sehr gut. Die Händler durften zuerst bestellen, haben den Mehrwert sofort erkannt und im ganzen Netz sehr kräftig geordert. Die ersten Fahrzeuge kamen im September auf den Markt, jetzt sind wir mitten in der Hauptphase der Lancierung. Die Rückmeldungen der Kunden sind bereits ausgesprochen positiv.

Präsentation des neuen Grecale (links), GranCabrio und GranTurismo im italienischen Triest. (Bild: Maserati)
Trotzdem liegen Ihre Neuzulassungen leicht unter dem Vorjahr.
Das stimmt, aber der Gesamtmarkt liegt rund 16 Prozent unter dem Vorjahr. Wir sind im gleichen Ausmass geschrumpft. Unsere Performance ist also stabil. Und jetzt beginnt eine sehr wichtige Phase: Die ersten Fahrzeuge des Modelljahrs 2027 sind da, die Lancierung läuft auf vollen Touren. Früher planten wir drei oder vier Maserati-Anlässe pro Jahr für ganz Zentraleuropa. Heute sind es allein in der Schweiz vier im vierten Quartal. Gemeinsam mit unseren Händlern ziehen wir eine äusserst ambitionierte Lancierung durch.
In der Schweiz wurden dieses Jahr erst zwei MC Pura und zwei GT2 Stradale neu zugelassen. Weshalb so wenige?
Diese Fahrzeuge werden per Definition in kleiner Stückzahl gebaut, und praktisch alle Bestellungen sind Fuoriserie. Fuoriserie heisst aber nicht einfach, ein paar individuelle Details hinzuzufügen. Es ist ein viel tieferer Einstieg in Design und Entstehung des Autos. Gemeinsam mit unseren Teams vom Centro Stile und von Fuoriserie begibt sich der Kunde auf eine einzigartige Reise, die mit einer massgeschneiderten Session in Modena beginnt. Unser Anspruch ist es, an unserem historischen Hauptsitz ein umfassendes Erlebnis zu bieten und den Kunden direkt ins Herz von Maserati zu führen. Ich glaube, wir sind einer der ganz wenigen Luxushersteller, bei denen ein Kunde direkt mit Ingenieuren, Designern und Stylisten ein Auto entwickeln kann, das wirklich sein eigenes ist.
Sie haben Ihre Maserati-Karriere selbst in der Personalisierung begonnen.
Ja, dort hat mein Weg bei Maserati eigentlich angefangen. Damals gab es dafür noch keine eigene Abteilung. Alles lief auf Anfrage, und ich wurde zur zentralen Anlaufstelle – aus Leidenschaft, nicht weil es in meinem Pflichtenheft stand. Sobald der Markt weiss, dass man solche Wünsche erfüllen kann, ergeben sich weitere Wünsche und Möglichkeiten. Der Umsatz in diesem Bereich wuchs Jahr für Jahr dreistellig. Daraus haben wir uns weiterentwickelt: Wir begannen, Sonderserien aufzulegen und von uns aus Einzigartiges vorzuschlagen, statt nur auf individuelle Anfragen zu reagieren. Dann kam die nächste Stufe: das Einzelstück, die Gelegenheit, sein eigenes Traumauto zu gestalten. Heute kann man sagen: Fuoriserie ist Maserati.
Wie gross ist die Nachfrage nach Fuoriserie in der Schweiz?
Sehr gross, angefangen bei unseren Händlern, die unsere ersten Kunden sind. 55 Prozent aller Maserati, die dieses Jahr in der Schweiz verkauft wurden, weisen mindestens ein Fuoriserie-Element auf. Damit gehört die Schweiz weltweit zu den führenden Fuoriserie-Märkten.
Was macht für Sie persönlich den Reiz von Maserati aus?
Maserati ist vor allem eines: Italien. Unsere Autos sprechen alle Sinne an – die Formen, der Duft des Leders, die Materialien unter den Fingern, der Klang. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Maserati durchs Val d’Orcia, und um Sie herum entfaltet sich diese aussergewöhnliche Landschaft. In einem Maserati ist man dort zu Hause. Mit einer anderen Marke ist man bloss Tourist. Dieses Gefühl der Zugehörigkeit macht den italienischen Luxus so besonders. Luxus kann heissen: besitzen, zeigen, zur Schau stellen. Italienischer Luxus dagegen lebt von Gefühlen und Erinnerungen: vom Geschmack eines Weins, von der Schönheit eines Ortes, vom Understatement wahrer Eleganz.
«Mit einer anderen Marke ist man bloss Tourist»
Dieses Verständnis wurde innerhalb von Stellantis in den vergangenen Jahren infrage gestellt. Unter der neuen Führung scheint man Maserati wieder stärker als besondere Marke zu begreifen.
Absolut. Das Top-Management von Stellantis sieht Maserati als besondere Marke. Für mich müssen uns zwei Dinge leiten: unsere Kunden und unsere Wurzeln. Wir müssen den Kunden ins Zentrum stellen, weil sich die Gewohnheiten rasend schnell ändern – und gleichzeitig uns selbst treu bleiben. Die Auto- und Luxuswelt verändert sich grundlegend. Wer einfach mit dem Strom schwimmt, riskiert, seine Identität zu verlieren. Und wer sich auf Terrain begibt, das nicht das eigene ist, verliert das Wertvollste: seine Geschichte, sein Erbe, seine DNA und seinen Platz in den Köpfen der Kunden. Auch deshalb ist Fuoriserie so wichtig.
«Wer einfach mit dem Strom schwimmt, riskiert, seine Identität zu verlieren»
Das grösste Imageproblem von Maserati in der Schweiz dürfte die Qualität sein. Viele erinnern sich noch an die Probleme von vor zehn bis 15 Jahren.
Lassen Sie mich Ihnen etwas zeigen. Das ist die Trophäe des Sales Customer Satisfaction Award 2025, den Maserati Schweiz gewonnen hat. Er beruht auf Kundenfeedback, Qualitätskennzahlen, Terminen und Auslieferungen. Er steht für eine ganz klare Ausrichtung: Qualität und Kundenzufriedenheit haben absolute Priorität. Das ist nicht unsere eigene Wahrnehmung. Das sagen uns unsere Kunden.
Maserati ist Partner des Zurich Ball, des neuen Gesellschaftsanlasses im Dolder. Weshalb?
Das ist genau das Umfeld, in das Maserati gehört. Es ist die erste Ausgabe und eine hervorragende Gelegenheit, mit einigen unserer wichtigsten Zielkunden in Kontakt zu treten. Und es ist keine klassische Werbemassnahme. Früher hiess Luxuskommunikation: Kampagnen schalten und die Leute in die Showrooms holen. Heute geht es meiner Meinung nach immer stärker um Begegnungen und Erlebnisse. Deshalb haben wir im Juni auch die Gran Toscana Tour durchgeführt, damit Kunden und Interessenten die Marke erleben konnten, vom Werk in Modena bis in die toskanischen Hügel. Es geht darum, Menschen in die Welt von Maserati einzuladen, damit sie entdecken, wer wir sind und wofür die Marke über das Auto hinaus steht.

Individualisierung mit Fuoriserie: Maserati GT2 Stradale Tribute to MC12. (Bild: Maserati)
Unsere Leserinnen und Leser arbeiten in der Finanzbranche. Wo überschneiden sich die Maserati-Gemeinde und diese Community?
Ich sehe eine starke Verbindung in der Denkweise: Beständigkeit, Stabilität und eine langfristige Perspektive zählen. In der Schweiz wachsen Marken in stabilen Phasen. In Zeiten wie diesen warten die Leute eher ab. Beständigkeit heisst für uns, neue Produkte auf einem soliden Fundament zu entwickeln, dem treu zu bleiben, was man von Maserati und seiner Positionierung erwartet, und den Kunden stets ins Zentrum zu stellen. Es heisst auch, nicht um jeden Preis Verkäufe zu jagen, sondern unsere Marktposition zu stärken und den Wert der Marke langfristig zu schützen.
Emanuele Checcaglini ist seit September 2026 General Manager von Maserati Schweiz. Zuvor war er für den Schweizer Markt als Head of Sales & Marketing (2024 bis 2026) und Sales Manager (2022 bis 2024) tätig. Vor seinem Wechsel nach Zürich arbeitete er mehrere Jahre am Maserati-Hauptsitz in Modena, wo er das Personalisierungsprogramm Fuoriserie aufbaute und weltweit entwickelte und später Verkaufsplanung und -abwicklung für die Region Europa, Nahost und Afrika verantwortete. Seine Laufbahn begann er im Supply-Chain-Management bei Ducati Motor Holding in Bologna. Er hat einen Master in Wirtschaftsingenieurwesen der Universität Bologna.














