Jauch entdeckt: Den soeben lancierten Dom Pérignon 2017
Dom Pérignon gehört zu den bekanntesten Champagnermarken der Welt, und für viele ist der Name gleichbedeutend mit Luxus. Kaum eine andere Cuvée bewegt sich so selbstverständlich zugleich in der Weinwelt, in der Gastronomie, in der Popkultur und als Statussymbol.
An Dom Pérignon lässt sich gut ablesen, wie konsequent der Konzern LVMH Markenaufbau versteht und über Jahrzehnte betreibt.
Ein Mönch als Namensgeber
Die Geschichte der Marke reicht allerdings weit vor LVMH zurück. Namensgeber ist der Benediktinermönch Pierre Pérignon, der 1668 als Kellermeister und Verwalter in die Abtei von Hautvillers kam. Dort arbeitete er 47 Jahre lang daran, die Qualität der Weine zu verbessern.
Die verbreitete Erzählung, Dom Pérignon habe den Champagner erfunden, gehört eher ins Reich der Legenden. Seine Bedeutung lag vor allem in der Arbeit mit Assemblagen, Erträgen und Selektion.
Eine Marke als Mitgift
Die Marke, wie wir sie heute kennen, entstand viel später. 1894 sicherte sich das Champagnerhaus Mercier die Rechte am Namen. Als Francine Durand-Mercier 1927 Paul Chandon-Moët heiratete, ging die bis dahin ungenutzte Marke als Mitgift an Moët & Chandon. 1930 wurde sie ins Markenregister eingetragen.
Der erste Jahrgang stammt aus dem Jahr 1921, auf den Markt kam er jedoch erst 1936, als 100 Kisten nach New York verschifft wurden. Bereits ein Jahr zuvor hatte Moët für seinen britischen Importeur Simon Bros. 300 Flaschen einer speziellen Cuvée abgefüllt. Die Resonanz war offenbar so gut, dass daraus wenig später die Marke Dom Pérignon entstand.
Seit 1987 bei LVMH
In den 1970er-Jahren übernahm Moët & Chandon das Haus Mercier, und seit der Gründung von LVMH 1987 gehört Dom Pérignon zum Konzern.
Neunzig Jahre nach der Markteinführung ist daraus eine eigenständige globale Luxusmarke geworden, die nun den Jahrgang 2017 lanciert.
Zum Auftakt in Lausanne
Ich durfte den neuen Jahrgang bereits bei einigen Verkostungen und Events geniessen. Besonders gut in Erinnerung geblieben ist mir ein Mittagessen im Mai im «La Table» des Lausanne Palace. Dort kochte Küchenchef Franck Pelux gemeinsam mit Amaury Bouhours vom Pariser «Le Meurice Alain Ducasse», der auch als Botschafter von Dom Pérignon auftritt.
Zum Start wurde der Dom Pérignon Vintage 2017 serviert. Mich interessierte dieser Champagner vor allem wegen seines Jahrgangs.
2017 war alles andere als einfach
Das Jahr begann trocken. Im März folgten einige Frostnächte, danach kamen ein sehr warmer Mai, ein heisser Juni und eine ebenfalls warme erste Julihälfte. Die Trauben reiften schnell, insbesondere beim Chardonnay.
In der zweiten Augusthälfte schlug das Wetter um, und es setzte Regen ein. Grauschimmel (Botrytis) breitete sich aus, beim Pinot Noir trat zusätzlich Sauerfäule auf. Die Lese begann am 28. August und damit so früh wie selten in den fünfzig Jahren davor. Früher geerntet wurde lediglich 2003, 2007 und 2011.
Kein Jahrgang ohne Selektion
Für Dom Pérignon ist das besonders relevant. Die Marke produziert ausschliesslich Jahrgangschampagner, und wenn ein Jahr nicht überzeugt, verzichtet das Haus auf einen Vintage. 2017 wurde produziert, allerdings nur dank einer ziemlich konsequenten Selektion.
Auch die Assemblage fällt aus dem üblichen Rahmen. Chardonnay spielt beim Vintage 2017 eine besonders starke Rolle. Dom Pérignon selbst verweist auf Parallelen zu 1970 und 2005, zwei Jahrgängen, in denen die weisse Rebsorte ebenfalls stärker dominierte. Danach reifte der Wein fast neun Jahre auf der Hefe.
Knappheit mit Begründung
Dazu kommt eine weitere Besonderheit: Dom Pérignon bezeichnet 2017 als die bislang am stärksten limitierte Auflage seiner Geschichte. Bei Luxusprodukten ist Knappheit oft Teil der Kommunikation, hier lässt sie sich zumindest sehr konkret erklären.
Ein erheblicher Teil der vorhandenen Trauben schaffte es gar nicht erst in die Auswahl. Vielleicht wird deshalb in diesen Tagen bereits auch Dom Pérignon 2018 vorgestellt. Das ist aber eine andere Geschichte.

Gelbe Frucht und kandierte Zitrusschale. (Bild: zVg)
So schmeckt Dom Pérignon 2017
Der erste Eindruck ist klar von der Reife geprägt. In der Nase zeigen sich gelbe Frucht und kandierte Zitrusschale, dazu florale Noten und später etwas Erdiges und Mineralisches. Dom Pérignon geht in seiner Verkostungsnotiz noch einen Schritt weiter und nennt Petrichor. Der Geruch ist uns allen bestens vertraut: Gemeint ist der erdige Duft, der aufsteigt, wenn Regen auf trockenen Boden oder Asphalt fällt. Ich halte das für eine treffende Ergänzung der Aromatik.
Richtig interessant wird der Wein für mich am Gaumen. Er beginnt grosszügig, mit Substanz und reifer Frucht, bevor Säure, Salzigkeit und eine feine Bitterkeit hinzukommen. Diese Bitterkeit gefällt mir besonders, denn sie gibt dem Wein Kontur. Dadurch bleibt der 2017er trotz seiner Reife straff und hallt lange nach.
Champagner ist Wein
Der Mittag in Lausanne hat mir noch einmal gezeigt, wie gut dieser Dom Pérignon am Tisch funktioniert. Serviert wurde er zum Auftakt, ich hätte ihn aber problemlos durch das ganze Menü getrunken. Er hat genügend Struktur für Krustentiere, kräftigen Fisch, Geflügel, Kalb oder geröstetes Gemüse.
Mit Röstaromen kommt die reife Frucht gut zurecht, während Säure und leichte Bitterkeit ihn gastronomisch interessant machen. Ich sehe Champagner ohnehin als Wein und begleite Dinners gerne komplett mit einer passenden Champagner-Auswahl.
Öffnen oder lagern
Der Vintage 2017 ist heute schon sehr zugänglich und wirkt gleichzeitig jung genug, um ihm problemlos weitere Jahre zu geben. Besonders gespannt bin ich auf die Entwicklung des Chardonnays: Bei diesem Reifegrad und seiner Rolle in der Assemblage dürfte sich dort in den kommenden 10 bis 15 Jahren noch einiges tun.
Wer eine Flasche besitzt, kann sie öffnen. Wer mehrere hat, sollte einige liegen lassen.
Genuss-Tool:
… Temperatur: 10 bis 12 °C.
… Glas: Tulpe oder Weissweinglas.
… Timing: Nach dem Einschenken 10 bis 15 Minuten Zeit geben.
… Essen: Krustentiere, Steinbutt, Geflügel, Kalb, Pilze oder geröstetes Gemüse.
… Keller: Schon heute sehr gut, einige Flaschen lohnt es sich für die nächsten 10 bis 15 Jahre zurückzulegen.
Jauch-Fazit
Der Dom Pérignon 2017 ist reif und präsent, hält dank Säure, Salzigkeit und Bitterkeit aber seine Balance. Die ungewöhnlich starke Rolle des Chardonnays sorgt für ein helleres Aromenprofil, das sich in den kommenden Jahren weiter entfalten dürfte. Dass es diesen Jahrgang überhaupt gibt, verdankt er einer strengen Auslese in einem schwierigen Jahr.
«Jauch entdeckt»: Die zweiwöchentliche finews-Kolumne, in der Peter Jauch Champagner und andere Getränke für Geniesser präzise einordnet und mit Praxis-Tipps ergänzt.












