Luxusgüter: Sogar Ferrari verkauft weniger in China

Der Luxusgigant LVMH hat im dritten Quartal 18,5 Milliarden Euro umgesetzt. Organisch, also bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte, ergibt das ein Plus von 1 Prozent, nach 3 Prozent im zweiten Quartal. Der Konzern verweist auf ein weniger dynamisches Umfeld in China. Die USA, Europa und Japan seien dagegen gut gewachsen.

Im Kerngeschäft Mode und Lederwaren ging der Umsatz organisch um 5 Prozent zurück. Laut einer Analyse der Bank of America (BofA) sanken die Ausgaben chinesischer Kunden im mittleren zweistelligen Prozentbereich, auf dem chinesischen Festland um rund 20 Prozent.

Günstig oder zu Recht günstig?

An der Börse ist die Aktie gemäss BofA Global Research so tief bewertet wie seit 2016 nicht mehr: beim 16,7-fachen geschätzten Gewinn 2027, gegenüber einer historischen Spanne von 20 bis 25. Die BofA hält an ihrer Kaufempfehlung fest und setzt damit auf eine Rückkehr der chinesischen Kundschaft.

Die Deutsche Bank erwartet dagegen kurzfristig keine Wende. Ob die tiefe Bewertung eine Chance ist oder einen dauerhaften Bruch widerspiegelt, hängt an der Frage, ob China zurückkommt. Andere Luxushersteller haben sich dazu bereits eine Meinung gebildet.

Porsche plant ohne China

Am konsequentesten richtet sich Porsche auf die neue Lage ein. In den ersten neun Monaten lieferte der Sportwagenhersteller in China 21'493 Autos aus, ein Drittel weniger als im Vorjahr. 2020 stammte noch gut ein Drittel des Absatzes aus China, heute sind es weniger als 10 Prozent (finews berichtete).

CEO Michael Leiters sprach im Vorfeld des Capital Markets Day von einem «selbstzerstörerischen Preiskrieg» in China. Porsche verkleinert sein Händlernetz dort bis Ende Jahr von rund 150 auf 75 bis 80 Betriebe. Die neue Gewinnschwelle von unter 200'000 Autos pro Jahr beruht ausdrücklich auf einer «sehr konservativen» China-Planung.

Ferrari lenkt um

Selbst Ferrari verkauft in China weniger. Im zweiten Quartal gingen 185 Autos nach China, Hongkong und Taiwan, nach 274 im Vorjahresquartal. Gleichzeitig lieferte Ferrari in Europa, Nahost und Afrika 210 Autos mehr aus.

Der Hersteller kann seine knappen Autos offenbar ohne Weiteres in andere Märkte umleiten. Die Zahlen zum dritten Quartal folgen am 3. November.

Swatch: Boutiquen ja, Händler nein

Die Swatch Group steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr zu konstanten Wechselkursen um 8,5 Prozent auf 3,12 Milliarden Franken. In den eigenen Boutiquen in China, Hongkong und Macau legten die Verkäufe um 9 Prozent zu. Die Bestellungen der Dritthändler bezeichnete der Konzern dagegen als «bescheiden».

Für die ganze Uhrenbranche bleibt China ein Problem. Die Schweizer Uhrenexporte dorthin sanken laut dem Uhrenverband FH im Juni um knapp 17 Prozent, womit China aus den sechs wichtigsten Absatzmärkten fiel. Ein wenig Hoffnung macht das im August modernisierte Freihandelsabkommen, das die verbleibenden Zölle auf Uhren schrittweise abbauen soll.

Positiver Ausreisser: Schmuck bei Richemont

Ein differenzierteres Bild zeigt Richemont. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27, das von April bis Juni dauerte, stieg der Umsatz zu konstanten Wechselkursen um 20 Prozent auf 6,33 Milliarden Euro. In China, Hongkong und Macau wuchs der Konzern insgesamt zweistellig, getragen von den Schmuckhäusern wie Cartier und Van Cleef & Arpels, die weltweit um 24 Prozent zulegten.

Bei den Uhren sieht es anders aus. Die Verkäufe der Uhrenmarken, zu denen IWC, Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin gehören, gingen in China, Hongkong und Macau zurück. Ob sich das Bild seither verändert hat, zeigen die Halbjahreszahlen am 13. November.

Kering: Die nächste Probe folgt 

Kering kam im ersten Halbjahr auf einen Umsatz von 7,22 Milliarden Euro, auf vergleichbarer Basis 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Das chinesische Festland blieb laut dem Gucci-Mutterhaus herausfordernd, wenn auch mit verbesserten Trends.

Kering veröffentlicht seinen Q3-Umsatz am Mittwochabend. Finanzchefin Armelle Poulou hatte im September vor einem schwierigen dritten Quartal gewarnt, unter anderem wegen China.