Sechs Fragen zur Bank Vontobel – und die Antworten dazu

Die Privatbank Vontobel hat 2014 gezeigt, dass sie mit ihrer diversifizierten Strategie ansprechende Resultate liefern kann. 2015 soll es im gleichen Takt weitergehen – und noch mehr: Die Wachstumsinitiativen sollen verstärkt Früchte tragen. Es stellen sich aber einige Fragen.

1. Ist Vontobel noch eine Privatbank?
Zugegeben, das ist – auch angesichts der Besitzerstruktur – eine provokative Frage. Aber angesichts des Fakts, dass in den vergangenen Jahren das Private Banking bezüglich Kundengelder und Wachstum kaum vom Fleck kommt, soll sie erlaubt sein. 2014 war weiterhin keine Trendwende: Der Nettoneugeldzufluss von 1,1 Milliarden Franken war bestenfalls Mittelmass. Unterm Strich wuchsen die Kundenvermögen nur um 500 Millionen auf 31,9 Milliarden Franken an.

Die Relationen: Gesamthaft verwaltet Vontobel Kundenvermögen von 190,7 Milliarden Franken. Der Ergebnisbeitrag aus dem Private Banking lag tiefer als 2013. Es ist mittlerweile die schwächste Division nach dem Asset Management und Geschäft mit Strukturierten Produkten.

Vontobel stellt in Aussicht, dass die Investitionen ins Personal in den kommenden Jahren Früchte tragen werden. Das Private Banking solle organisch wachsen, heisst es nun, nachdem CEO Zeno Staub früher immer auch die Möglichkeit von Akquisitionen ins Feld geführt hatte.

2. Motor Asset Management - und wenn er stottert?
Mit ihrer Boutiquen-Strategie hat Vontobel in den vergangenen Jahren das Asset Management zum mit Abstand wichtigsten Ertragspfeiler aufgebaut. Gerade 2014 hat gezeigt, dass das Wachstumsmomentum bereits wieder abflacht. Der Neugeldzufluss von 4,6 Milliarden Franken war der schwächste seit 2011.

Zu Beginn von 2014 war es aus Emerging-Market-Anlagen zu massiven Abflüssen gekommen. Vontobel gelang rasch die Trendwende, erhielt aber einen Geschmack davon, dass das im Prinzip stabile Asset Management durchaus sehr volatil sein kann.

Kommt dazu, dass Vontobel das bisherige Wachstum vor allem einen wenigen Star-Fondsmanagern verdankt wie Rajiv Jain. Dieses «Klumpenrisiko» versucht die Bank zu vermindern, indem sie ihre Produktekategorien rasch ausweitet, zuletzt vor allem im Bonds-Bereich.

3. Lässt die neue Frankenstärke Vontobel tatsächlich kalt?
Von der Schweizerischen Nationalbank Knall auf Fall aufgehobenen Kursuntergrenze ist auch Vontobel betroffen. Doch seien die Wechselkursveränderungen dank des starken Wachstums der letzten Jahre gut aufgefangen worden, heisst es lapidar. Von Kostensenkungsmassnahmen oder der Einführung eines Negativzinses ist keine Rede. Andere Banken wie Julius Bär sahen sich gezwungen, zu reagieren.

Die Währungsdiversifikation bei Vontobel ist auch nicht so breit, dass die Frankenaufwertung keine Spuren hinterlässt. Rund 70 Prozent der Kosten der Bank werden in Franken verursacht, während knapp die Hälfte der Einnahmen in Dollar und Euro anfallen.

Es ist möglicherweise nur eine Frage der Zeit, bis stärker auf die Kostenbremse getreten werden muss. Nicht zuletzt deswegen, um das Effizienzziel (Cost-Income-Ratio von weniger als 75 Prozent per 2017) zu erreichen. Vontobel weist für das Geschäftsjahr 2014 eine Quote von etwas über 80 Prozent aus.

4. Dividendenerhöhung aus Alternativlosigkeit?
Obwohl Vontobel an den Gewinnerwartungen vorbeigeschlittert ist, plant das Bankhaus, die Dividende um rund 20 Prozent auf 1,55 Franken je Titel anzuheben. Höhere Ausschüttungen haben in der Regel drei Motive: ein ausserordentlich gutes Jahresergebnis, Besänftigung der Aktionäre nach einem verhaltenen Jahresergebnis oder Mangel an Akquisitionsoptionen.

Auf Vontobel dürfte auch das letzte Motiv zutreffen. So redet Vontobel-CEO Zeno Staub seit zwei Jahren davon, das Private Banking durch Akquisitionen stärken zu wollen. Akquisitionsobjekte gab und gibt es auf dem Schweizer Finanzplatz genug, seit die Konsolidierung eingesetzt hat.

Vontobel liess bislang aber noch jeden Kelch an sich vorbeiziehen. Kürzlich wurde in den Medien das Gerücht lanciert, Vontobel wolle Raiffeisen der Tochter Notenstein Privatbank entreissen.

Doch Vontobel machte nun mit den freien Mittel etwas ganz anderes – sie führte Teile davon an die Aktionäre zurück.

5. Was kann Vontobel aus ihrer Technologie schöpfen?
Die Zürcher Privatbank verfügt über hervorragende IT-Systeme. Die Avaloq-Plattform, über welche auch die Wertschriftenabwicklung läuft, ist hochmodern und stösst noch lange nicht an Kapazitätsgrenzen. Das wird sich mit dem Ende der Raiffeisen-Kooperation ab 2017 noch akzentuieren.

Beratungsdienstleistungen sind bereits seit 2011 durch IT-Systeme stark unterstützt. Diesen Ansatz will Vontobel mit mobilen Private-Banking-Dienstleistungen weiter ausbauen.

Zweites Filetstück ist deritrade, die Technologie-Plattform für Strukturierte Produkte. Vontobel reklamiert hier Technologieführerschaft für sich. Das ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen, gelingt es der Bank doch immer mehr, Drittemittenten von Strukturierten Produkten auf ihre Plattform zu ziehen.

Vontobel will deritrade in Deutschland und in Singapur etablieren. Noch schlägt sich der Ausbau in den Ergebnissen nicht deutlich wieder: Der Betriebsertrag der Einheit wuchs 2014 nur 3 Prozent. Worauf wohl auch Investoren warten, ist das Einsetzen der Skaleneffekte durch den Ausbau von deritrade.

6. Ist Herbert Scheidt der Gewinner des Jahres?
Seit 2002 gehört Herbert Scheidt zur «Vontobel»-Familie. Bis 2011 war er CEO der Privatbank, seither leitet er die Geschicke als Verwaltungsratspräsident. Der Deutsche interpretiert seine Rolle recht aktiv, wird so oft im Hause gesehen, dass man meinen könnte, er übe auch operative Funktionen aus.

Zudem ist er der Vertrauensmann von Hans Vontobel, der zusammen mit der Familienstiftung die Kontrolle über die Bank hat. Scheidt ist ein «Alpha-Tier», der sich in den vergangenen Jahren einen erbitterten Streit mit einem anderen «Alpha-Tier», Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz, geliefert hatte.

Der Streit führte zum Ende einer lange währenden Partnerschaft zwischen der noblen Privatbank und der ländlichen Genossenschaftsbank. Zunächst schien es Vincenz gewesen zu sein, der den Sieg davon getragen hatte und Vontobel im Regen stehen liess.

Doch nun hat sich der Bündner überraschend entschieden, nächstes Jahr als Raiffeisen-CEO zurückzutreten. Scheidt hingegen lässt sich an der kommenden Generalversammlung für vier weitere Jahre als Verwaltungsratspräsident wählen.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

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Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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