Rothschild: Krieg unter Cousins

Seit rund einem halben Jahr herrscht offener Krieg innerhalb der vornehmen Rothschild-Famile. Kurioserweise geht es darum, wer den Namen geschäftlich verwenden darf. Die Schweiz spielt in dieser Fehde eine zentrale Rolle.

Denn grosse Teile der beiden verfeindeten Familien-Gruppe sind hierzulande entweder domiziliert oder arbeiten von hier aus. Doch worum geht es wirklich?

Im vergangenen April kündigte der britisch-französische Teil der Rothschild-Familie unter David de Rothschild an, die bislang als Paris Orléans firmierende Holding in Rothschild & Co. umzubenennen. So solle der Name besser zum Ausdruck kommen, hiess es damals.

Angst vor Konfusionen

Das stiess Benjamin de Rothschild sauer auf, der in Genf die Bankengruppe Edmond de Rothschild betreibt, benannt nach seinem Vater, und die auch an der Schweizer Börse kotiert ist.

Weil sich beide Seiten unnachgiebig zeigen, herrscht spätestens seit letzter Woche ein offener Krieg zwischen den beiden Parteien, wie finews.ch auch schon früher berichtete. Dieser Tage gab die in Genf domizilierte Rothschild-Bank nun bekannt, sie werde die Umbenennung der Paris-Orléans-Holding aufs Schärfste bestreiten. Offenbar hat man in Genf das Gefühl, eine zweite Rothschild-Finanzgruppe würde unnötig für Konfusionen sorgen.

Verhärtete Fronten

Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn die Genfer Edmond de Rothschild-Gruppe ist mit knapp acht Prozent selber an der Paris-Orléans-Holding beteiligt. Und umgekehrt hält Paris Orléans respektive Rothschild & Co. 8,4 Prozent an der Edmond-de-Rothschild-Gruppe.

Dabei sind eigentlich schon diverse Vertreter der Rothschild-Familienmitglieder in der Finanzwelt aktiv. Allen voran David de Rothschild, der vor drei Jahren den französischen und den britischen Teil der Bank in die Paris Orléans einbrachte. Das Unternehmen ist von London aus vor allem im Investment- und Merchant-Banking tätig, aber auch – vor allem über seinen Ableger in Zürich – in der Vermögensverwaltung aktiv, wie finews.ch verschiedentlich berichtete.

Das Erbe des Vaters

Das Unternehmen erzielt Erträge von rund 1,4 Milliarden Euro. Alexandre de Rothschild, der Sohn von David, arbeitet mittlerweile auch für die Gruppe und soll den Generationenwechsel in den nächsten Jahren vollziehen. Vor diesem Hintergrund ist es offensichtlich wichtig, dass das Unternehmen unter seinem wirklichen Namen firmiert und nicht als – wenig aussagefähige – Paris Orleans.

Dem widersetzt sich Benjamin de Rothschild, der in der Nähe von Genf lebt und in den 1990er-Jahren die Bank seines verstorbenen Vaters Edmond de Rothschild weiterführt. Das Institut ist zwar an der Schweizer Börse kotiert, sorgt ansonsten aber für geringe Publizität.

Organisatorische Veränderungen

Lange Zeit unter der Führung von Claude Messulam vollzog die Bank in den vergangenen Jahren tiefgreifende organisatorische Veränderungen, wobei die Gattin von Benjamin, Ariane de Rothschild, heute eine tragende Rolle – als Verwaltungsrätin und Mäzenin – in dem Unternehmen spielt. Die Bank verwaltet heute rund 140 Milliarden Euro an Kundengeldern.

Daneben gibt es noch eine ganze Menge anderer Rothschild-Angehörige, die ebenfalls im Geldgewerbe aktiv sind. Jacob Rothschild etwa, der nach seinem Ausstieg bei der damaligen Firma NM Rothschild die RIT Capital Partners gründete, eine Investmentgesellschaft, die seit 1988 an der Londoner Börse kotiert ist und gute Resultate erzielt. Jacobs Sohn Nathaniel «Nat» de Rothschild ist ebenfalls in der Branche tätig, unter anderem mit einem Hedgefonds sowie mit Engagements in der Energieindustrie.

Am Economist beteiligt

Evelyn de Rothschild – in diesem Fall ein Mann – spielte lange Zeit auch eine zentrale Rolle in der britisch-französischen Rothschild-Gruppe (neben David de Rothschild), bevor er 2003, zusammen mit seiner dritten Ehefrau, Lynn Forester, die Investmentfirma E.L. Rothschild gründete.

Damit ist er unter anderem auch an der Economist-Gruppe beteiligt, die das gleichnamige Magazin publiziert. Gleichzeitig ist Lynn Forester zunehmend gesellschaftlich aktiv, namentlich in der Coalition for Inclusive Capitalism, einer Organisation, die sich für eine massvolle wirtschaftliche Entwicklung stark macht.

Auswirkungen auf die Schweiz

Der Zwist der beiden Rothschild-Gruppen wirkt sich auch auf die Schweiz aus. Bezeichneten sich die beiden Institute (Edmond de Rothschild sowie die Rothschild Bank in Zürich) in der Vergangenheit gerne als Cousins, so ist heute nicht mehr davon die Rede. Vielmehr gehen die beiden Institute auf direkte Konfrontation zueinander.

Das äusserte sich jüngst auch darin, dass die Genfer Bank mit einem deutlich erhöhten Personalbestand nun auch aktiv von Zürich heraus tätig ist und so in direkter Konkurrenz zum einstigen Vetter steht.

Allerdings ist die Zürcher Rothschild Bank auch schon seit Jahren in Genf vertreten und baut diesen Standort nun – unter der Führung von Laurent Gagnebin, dem Sohn des in der Branche bestens bekannten Bankmanagers George Gagnebin – zielstrebig aus – wohl kaum zur Freude von Benjamin de Rothschild, der dieser Tage unmissverständlich erklärt hat, alles zu unternehmen, um die Umbennenung der Paris-Orleans-Holding zu verhindern.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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