Julius Bär: Klage mit Millionenhebel

In Sachen Rechtshändel war 2015 kein gutes Jahr für Julius Bär. Das zeigt der Geschäftsbericht, den die Zürcher Privatbank am Montag publiziert hat. Demnach stiegen gegenüber Vorjahr die Rückstellungen für rechtliche Risiken auf 571,9 Millionen Franken. Ende 2014 hatten die Rücklagen beim Traditionshaus insgesamt noch 89,5 Millionen Franken betragen.

Wohl wahr: Der massive Anstieg ist zum grössten Teil der deutlich höher als erwarteten Busse im US-Steuerstreit geschuldet, wie auch finews.ch berichtete. Allerdings kamen auch 2015 diverse Klagen von Kunden gegen die Bank hinzu – zumal eine Forderung, die überraschende Details enthält.

Wie Julius Bär im Geschäftsbericht ausführt, wurde im Oktober 2015 in Zürich eine Teilklage gegen das Institut über 1 Million Franken plus seit dem Jahr 2008 aufgelaufene Zinsen eingereicht. Der Kläger, ein ehemaliger Kunde der Bank, machte damit Schadenersatz für entstandene Verluste in Zusammenhang mit Devisengeschäften geltend.

Massive Erhöhung vorbehalten

Insbesondere bezichtigt der Kläger Julius Bär, Sorgfalts-, Aufklärungs- und Informationspflichten verletzt zu haben, was bei ihm schliesslich zu einem Verlust von insgesamt rund 441 Millionen Franken geführt haben soll.

Und: aufgrund des mutmasslichen Schadens behält er sich zudem eine massive Erhöhung der Klagesumme vor. Diese könnte auf rund 121 Millionen Franken steigen, wie es heisst.

Julius Bär bestreite die Forderung und habe Massnahmen zum Schutz der eigenen Interessen getroffen, fügt das Institut an. Gegenüber finews.ch kommentierte Julius Bär die Forderungen nicht.

Aus dem Umfeld der Bank ist zu vernehmen, dass diese dem Fall gelassen entgegensehe.

Schlagzeilenträchtiger Umsatztreiber

Dennoch darf angenommen werden, dass jener «Klage-Hebel» Julius Bär durchaus schmerzen könnte – gleichzeitig rückt er das Handelsgeschäft der Privatbank ins Rampenlicht.

Die Sparte erweist sich als zuverlässiger Ertrags-Treiber für die Bank, so auch im abgelaufenen Jahr 2015. Demnach stieg der Erfolg dort unter Eindruck des Frankenschocks vom vorletzten Januar und den hohen Volumina im Devisenbereich um 33 Prozent; einschliesslich höherer Dividendenerträge warf das Handelsgeschäft gar 44 Prozent mehr oder 575 Millionen Franken ab, wie Julius Bär letzten Februar berichtete.

Die guten Ergebnisse im Handel kommen jedoch mitunter zu einem Preis: Zuletzt geriet die Sparte in Zusammenhang mit den (undeklarierten) Devisen-Spekulationen des ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeness in die Schlagzeilen, wie auch finews.ch berichtete.

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NEWS GANZ KURZ

VP Bank

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat das «A–»-Rating für die VP Bank bestätigt und erhöht den Ausblick von «Negative» auf «Stable». Damit würden die operativen Fortschritte der VP Bank und die Bewirtschaftung der Risiken sowie die starke Kapitalausstattung und die erfolgreiche Integration der Centrum Bank berücksichtigt, hiess es.

Clientis Bank im Thal

Die Regionalbank hat den Halbjahresgewinn im Vergleich zum Vorjahr deutlich um über 30 Prozent auf 385'000 Franken gesteigert. Dazu beigetragen hat das gute Zinsengeschäft mit einem Plus von 11,4 Prozent auf 2,1 Millionen Franken.

Crealogix

Das Bankenberatungszentrum St. Gallen und Crealogix haben eine Partnerschaft für die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Finanzbereich beschlossen: Mit der Lösung «I know! Banking» bieten die beiden Unternehmen eine Cloud-Lösung mit digitalen Lerninhalten zu den wichtigsten Themen im Banking an.

Compagnie Financière Tradition

Das Lausanner Brokerhaus hat im ersten Semester 2016 einen stabilen Ertrag von 425 Millionen Franken erzielt. Zu konstanten Wechselkursen entspricht dies allerdings einem Rückgang um 1,6 Prozent.

Urner Kantonalbank

Das Finanzinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 trotz besserem Geschäftsgang weniger Gewinn gemacht. Dieser sank um 7,5 Prozent auf 8,5 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte die Bank ausserordentlich vom Verkauf ihrer Swisscanto-Beteiligung profitiert. Im Zinsengeschäft gab es ein Plus von 13,8 Prozent auf knapp 17 Millionen Franken. Per Ende Jahr erwartet das Management ein Ergebnis über Vorjahr.

UBS

Die Grossbank UBS ist noch vor dem IT-Riesen Google der beliebteste Arbeitgeber für Schweizer Hochschul-Absolventen, wie das Beratungsunternehmen Trendence berichtete. Die Banken bleiben die beliebteste Branche der Wirtschafts-Wissenschaftler: Neben der UBS befinden sich die Credit Suisse, die Schweizerische Nationalbank und Julius Bär unter den Top 20 der gesuchtesten Arbeitsadressen.

Schwyzer Kantonalbank

Im ersten Halbjahr sank der Gewinn des Innerschweizer Finanzinstituts um 3,4 Prozent auf knapp 33 Millionen Franken. Unter anderem belasteten höhere Wert-Berichtigungen auf Beteiligungen das erste Halbjahr. Dank einer substanziellen Volumenzunahme kam das Zinsengeschäft mit einem Brutto-Erfolg von gut 91 Millionen Franken in etwas auf Vorjahres-Niveau zu liegen. Für das 2016 rechnet die Bank mit einem Jahresergebnis leicht unter Vorjahr.

Bank Coop

Die Bank Coop hat im ersten Halbjahr 2016 einen leichten Gewinnrückgang auf 22,7 Millionen Franken erlitten. Die Bank erklärt dies mit höheren Investitionen für verschiedene digitale Projekte, Umbauten sowie einer höheren Zuweisung an die Reserven für Bankrisiken. Im Zinsengeschäft konnte Bank Coop leicht zulegen, warnt jedoch vor dem anhaltenden Margendruck.

Fonds

Die «Brexit»-Turbulenzen haben auch bei den in der Schweiz gehandelten Fonds Spuren hinterlassen. Laut dem Schweizerischen Fondsverband Sfama verminderten sich die verwalteten Vermögen um 17 Milliarden Franken. Die Netto-Mittelabflüsse betrugen knapp 2,3 Milliarden Franken.

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