Was Schweizer Retailbankern den Schlaf raubt

(Bild: bark, flickr.com)

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Das Geschäftsumfeld der Schweizer Retailbanken wird von vielen Seiten bedroht. Eine neue Studie hat die grössten Herausforderungen zusammengetragen. Davon stechen vier ins Auge.

Im Swiss Banking hat sich die Wetterlage deutlich eingetrübt. So nehmen die steigenden Regulierungskosten oder das anhaltende Tiefzinsniveau immer bedrohlichere Züge an. Und die Fintechs – vor wenigen Jahren noch ein als harmlos betrachtetes Wölklein – schieben sich als Wolkentürme vor die Sonne.

Die etablierten Banken müssen sich anpassen, Geschäftsmodelle überdenken und neue Wege gehen, wollen sie ihren Platz an der Sonne weiterhin sichern.

Die diesjährige «Retail Banking-Studie» (bezahlpflichtig) des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ hat in einer schweizweit angelegten Umfrage den Schweizer Instituten den Puls gefühlt und sie unter anderem nach ihren grössten Sorgen befragt. Insgesamt wurden Antworten von 220 Retailbanken analysiert.

Kunden werden zum Unsicherheitsfaktor

Der Kundenloyalität wird aktuell von fast allen Finanzinstituten als sehr bedeutend eingestuft (siehe Grafik). Treue Kunden sind denn auch der Garant für nachhaltige Einnahmen – im derzeit schwierigen Marktumfeld eine Komponente von unschätzbarem Wert.

IFZ A 500 

Umso alarmierender ist die Prognose, dass fast 60 Prozent der Befragten von einer erodierenden Kundenloyalität in Zukunft ausgehen.

Eine Erklärung hierfür bietet die erhöhte Preissensitivität bei Aktiv- und Anlageprodukten. Während früher die Gebühren von Anlageprodukten für Investoren ein Buch mit sieben Siegeln war, ist heutzutage die Preistransparenz weit höher und die Auswahl an Produkten diverser Anbieter grösser. Kunden fällt es heute einfacher, kostengünstige Produkte auszuwählen.

Dieser Trend wird sich gemäss den Studienteilnehmenden in Zukunft deutlich verschärfen und damit die Margen der Banken weiter nach unten drücken.

Haupteinnahmequelle wird zum Rinnsal

Die Sorge erodierender Margen spiegelt sich auch in der folgenden Grafik. Demnach rechnen fast 70 Prozent mit schwindenden Erträgen im Anlage- und Wertschriftengeschäft und vier Fünftel mit kleineren Zinsmargen im Kreditgeschäft. Letzteres ist besonders brisant, da das Zinsdifferenzgeschäft die Haupteinnahmequelle der Schweizer Retailbanken bildet.

IFZ B 500 

Bislang konnten die Banken ihre Zinsmargen durch Volumenausweitungen im Hypothekarbereich mehr oder weniger verteidigen oder in einzelnen Fällen gar leicht erhöhen. Doch auf Dauer lässt sich diese Vorgehensweise aus Risikoüberlegungen nicht beliebig fortsetzen. Um sich wieder mehr Spielraum bei der Hypothekarvergabe zu verschaffen, hat nun die Raiffeisen verschiedentlich die Tragbarkeitsregeln kritisiert. So will sie den aus ihrer Warte viel zu konservativ berechneten kalkulatorischen Zinssatz von 5 auf 3 Prozent senken.

Andere Finanzinstitute versuchen die Abhängigkeit aus dem Zinsdifferenzgeschäft abzumildern, indem sie neue Ertragsquellen aufbauen. Dies macht zum Beispiel die Glarner Kantonalbank durch die Lizenzierung ihres digitalen Hypothekenvertriebs, den Hypomat, wie auch finews.ch berichtete.

Datenschutz und Bankgeheimnis verlieren an Bedeutung

Insbesondere aus Schweizer Warte interessant ist der Faktor «Schutz der Privatsphäre von Kunden sowie dem Bankgeheimnis» (siehe Grafik). Zwar spricht die Mehrheit der Retailbanken dem Bankgeheimnis und dem Schutz der Privatsphäre derzeit noch eine hohe bis sehr hohe Bedeutung zu. Für knapp einen Viertel hingegen ist dieser Faktor kaum mehr von Belang – eine Entwicklung, welche sich in Zukunft noch akzentuieren wird. Davon ist fast die Hälfte überzeugt.

IFZ C 500

Dieser Umfragewert überrascht, gilt doch die Schweiz international als Hochburg des Datenschutzes. Nicht zuletzt deswegen haben US-Firmen wie die Bitcoin-Börse Xapo ihren Sitz von den USA in die Schweiz verlagert.

Was die Aufrechterhaltung des Bankgeheimnisses betrifft, hat jüngst die amerikanische Citigroup (Schweiz) Schlagzeilen gemacht. Die Bank fordert ihre Klientel auf, ganz aufs Bankgeheimnis zu verzichten. Die Reaktion der Kunden auf den Vorschlag sei im Grossen und Ganzen positiv ausgefallen, hiess es. 

Geschäfte gehen an Dritte oder werden geteilt

Im technologischen Bereich werden Themen wie Digitalisierung der Geschäftsbereiche, Datensicherheit und Prävention gegen Hackerangriffe oder Einsatz neuer Technologien in der Kundenberatung allesamt als bedeutend gesehen – sowohl aktuell als auch in Zukunft (siehe Grafik). 

IFZ D 500

Augenscheinlich ist die Erwartung von rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer, dass die Wertschöpfungstiefe künftig weiter abnehmen wird. Mit anderen Worten: Retailbanken werden den Erwartungen gemäss zunehmend von Drittanbietern wie Fintechs aus Geschäftsfeldern gedrängt oder teilen diese im Rahmen von Kooperationen. 

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Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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