Was plant China wirklich?

Die jüngsten Ereignisse an Chinas Börsen haben die Glaubwürdigkeit Pekings zutiefst erschüttert. Sofern es der Regierung nicht gelingt, ihre wirklichen Absichten offen zu legen, droht ein weiteres, scharfes «Sell-Off».

Von Andreas Ruhlmann, Marktanalyst bei der IG Bank

Am 3. September 2015 wird China dem 70. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs gedenken. Am vergangenen Donnerstag unterstützte die Regierung ein weiteres Mal den lokalen Aktienmarkt, anscheinend um sicherzustellen, dass die Turbulenzen an den Aktienmärkten nicht von der wichtigsten Parade ablenken würden.

Bedeutet dies, dass die Interventionen nach den Gedenkfeiertagen wieder eingestellt werden? Wenn ja, dann müssten sich die Investoren auf ein weiteres, scharfes «Sell-Off» der chinesischen Aktien und möglicherweise auch der globalen Aktien einstellen. Darüber hinaus scheint die Geschichte rund um den Renminbi noch nicht überstanden zu sein.

China Intervention 2 500

Kommt es zu einer längeren Baisse?

Alle diese Ereignisse haben Pekings Glaubwürdigkeit getrübt, und sofern die Regierung der Welt nicht ihre wirklichen Absichten offenlegen kann, werden die Anleger alle weiteren Aktionen Chinas mit grossem Misstrauen betrachten. Dies bedeutet gleichzeitig, dass die Volatilität an der Börse in den nächsten Wochen und Monaten anhalten wird.

Während die Sorgen um China die Märkte weiter belasten, gibt es auch positive Aspekte, vor allem in den westlichen Industrieländern. Das zerstreut vorerst einmal allfällige Befürchtungen, wonach ein längerer Bärenmarkt einsetzen könnte.

In Europa beispielsweise lassen die Unternehmensgewinne auf eine überzeugende und breite Erholung schliessen; zudem wird die Europäische Zentralbank (EZB) wahrscheinlich weiterhin akkommodierend einwirken; des Weiteren wirken sich niedrigere Öl- und Rohstoffpreise wie eine Steuersenkung für die Konsumenten aus; daher erwarten wir, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder an Fahrt gewinnen sollte.

Es gibt noch Luft nach oben in den USA

In den USA bleibt der Arbeitsmarkt robust, was am nächsten Freitag mit den neusten Zahlen zu den nicht-landwirtschaftlichen Gehältern bestätigt werden dürfte. Auch die Aktivität am Wohnungsmarkt erreicht wieder die Hochstände von 2007 – und es gibt sogar noch Luft nach oben. Die lang erwartete erste Zinserhöhung der Federal Reserve, die Investoren einige Sorgen bereitet, sollte jedoch eher allmählich geschehen.

Die Schweizer Wirtschaft, die im zweiten Quartal unerwartet zulegte, sollte ebenfalls von einem verstärkten Wachstum in Europa und den USA profitieren.

Höhere Volatilität überstehen?

China wird ein Risiko bleiben. Daher sollten Anleger defensive Blue-Chip-Titel wie Nestlé, Novartis oder Roche bevorzugen. Aktien, die stark mit China und anderen Schwellenländern verbunden sind, sollten im Gegensatz dazu eher gemieden werden.

VIX 2015 500

Der Volatilitätsindex (VIX) stellt auch ein Instrumentarium dar, das einen guten Schutz vor einem Beben an den Finanzmärkten bietet. Er erreichte am Montag, 24. August, einen Höchststand von 53,29 und ist jetzt auf 27 zurückgefallen. Auch ein Kauf von Put-Optionen auf einen breiter gefassten Index kann als Schutz für ein Portfolio dienen.

 

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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