Andreas Ruhlmann: «Was, wenn die Kraft der Zentralbanken nachlässt»

(Bild: Shutterstock)

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Die geldpolitischen Massnahmen der Zentralbanken verlieren an Wirkung. Davon sind vor allem die Devisenkurse betroffen. Was heisst das für die Anleger?

Von Andreas Ruhlmann, Marktanalyst bei der IG Bank

Der Devisenhandel (Foreign Exchange Market, Forex) ist der grösste Finanzmarkt der Welt. Rund um die Uhr wird an fünf Tagen der Woche ein gigantisches Transaktionsvolumen bewältigt. Devisen können in der Regel zu jeder Zeit gekauft werden, da es immer jemanden gibt, der zum Verkauf bereit ist – und umgekehrt.

Im Grunde genommen sind wir alle daran beteiligt. Zum Beispiel, wenn wir ins Ausland reisen. Doch die meisten Transaktionen werden heutzutage von Spekulanten durchgeführt. Diese kaufen und verkaufen je nach Fluktuation der Kurse innerhalb eines Tages.

Währungspaare kaufen

Die Devisenkurse sind immer paarweise angeordnet. Das liegt daran, dass man beim Kauf einer Währung gleichzeitig eine andere Währung verkauft. Angenommen, Sie gehen davon aus, dass der Dollar im Vergleich zum Franken aufgewertet wird (respektive dass der Franken abgewertet wird). In diesem Fall kaufen Sie das «Paar» USD/CHF. Dabei kaufen Sie Dollar und verkaufen Franken. Das wird als «long gehen» oder «long sein» bezeichnet.

Wenn Sie hingegen glauben, dass der Franken gegenüber dem Dollar steigen wird, verkaufen Sie das Währungspaar und gehen «short». Die Richtung erkennt man daran, welche Währung zuerst genannt wird (in diesem Fall USD), die resultierende Währung erkennt man an der zweitgenannten Währung (CHF).

Die Rolle technischer Analysen

Technische Analysen spielen beim Devisenhandel eine wichtige Rolle, auch bei Strategien, die sich auf die Grundlagen stützen. Bei der Erkennung von Trends, Momentum und Einstiegs- und Ausstiegspunkt sowie des Risiko-Ertrags-Verhältnisses sind sie von wesentlicher Bedeutung.

Eine Grafik ist dabei wie eine Karte, die Aufschluss über Angebot und Nachfrage und über das Zusammenspiel aller Marktteilnehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt.

Die Hauptakteure

Exporteure, Investmentfonds, Zentralbanken, private Trader... Die Reihe der Teilnehmer ist lang. Und jeder von ihnen hat eigene Ziele, Investmentpläne, Risikotoleranzen und Herangehensweisen, was die unterschiedlichen Märkte anbelangt.

Nochmals: Die Analyse der Kursentwicklung anhand von Grafiken ist ein effektives Mittel zur Rationalisierung dieser Vorgänge. Man sollte sich nicht auf die eigene Intuition oder Vernunft verlassen – denn damit liegt man häufig falsch.

Währungen beeinflussende Faktoren

Jede Währung reagiert anders und ist mehr oder weniger «empfindlich», was die nachfolgend dargelegten Faktoren angeht.

  • Kurzfristige Faktoren: Risikobereitschaft, Volatilität, Rohstoffpreise, Zinsentwicklung, Volumen und Entwicklung der spekulativen Positionen
  • Mittelfristige Faktoren: Leistungsbilanz (-überschuss), Finanzpolitik, geopolitische Risiken, Anleihenrenditen (Spanne), relatives Wirtschaftswachstum
  • Langfristige Faktoren: Kaufkraftparität, Terms of Trade, Fremdwährungsbestände

Je nach Volatilität

Die Volatilität ist ein besonders wichtiger Aspekt, da er sich direkt auf die Investitionsstrategie und das Risikomanagement auswirkt. Bei einer erhöhten Volatilität steigt die Nachfrage nach Währungen von Ländern, die zum jeweiligen Zeitpunkt einen Leistungsbilanzüberschuss aufweisen, wie der Yen, der Franken oder der Euro. Diese Länder sind Nettogläubiger und führen ihre Mittel in Krisenzeiten in die Heimat zurück.

Bei einer niedrigen Volatilität halten sich die Trader hingegen an Währungen mit hohem Ertragspotenzial, wie den australischen Dollar, den neuseeländischen Dollar und die Währungen der Schwellenländer.

Der so genannte Carry Trade ist eine Strategie, bei welcher der Trader einen Kredit in einer Währung mit niedrigem Zinsniveau aufnimmt, um Zinspapiere in einer Währung mit hohem Zinsniveau zu kaufen.

Bloss keine Gefühle

Die Forex-Strategien sind breit gefächert und richten sich nach makroökonomischen oder fachlichen Analysen oder einer Kombination aus beidem. Häufig werden Transaktionen mit Hebel-Effekt durchgeführt: Man muss Fehler akzeptieren und sich davon abwenden.

Emotionen sind der Performance äusserst abträglich. Es ist absolut wichtig, einem konkreten Fahrplan zu folgen.

 

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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