Während sich die bekannten Crossborder-Hubs in Europa zunehmend auf grosse Marktteilnehmer konzentrieren, positioniert sich Liechtenstein erfolgreich in der Nische der Private-Label-Fonds.

Von David Gamper, Geschäftsführer des LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband

Weit über 80 Prozent aller in Liechtenstein ansässigen Fonds gehören zur Kategorie der Private-(White)-Label-Fonds. Dieses Segment zeichnet auch für das enorme Wachstum der letzten Jahre verantwortlich.

Gemäss den Statistiken zur Anzahl Fonds der European Fund and Asset Management Association (EFAMA) liegt Liechtenstein bei der Zunahme in den vergangenen Jahren an Dritter Stelle, was dazu geführt hat, dass der Fondsplatz aktuell auf dem siebten Platz geführt wird.

Optimales Ökosystem

Noch vor wenigen Jahren befand sich das Fondsdomizil nicht einmal unter den Top Ten. Aufgrund der Spezialisierung auf Private-Label-Fonds liegt das Fondsvolumen folglich nicht auf diesem hohen Niveau, auch wenn die Zunahme der in Liechtenstein verwalteten Gelder weit überdurchschnittlich war, da diese Anlagefonds naturgemäss deutlich kleiner sind als die Retailfonds grosser Asset Manager und Banken.

Hier zeigt sich schon einer der Vorteile des Fondsplatzes Liechtenstein. Die Kostenstrukturen sind für Private-Label-Fonds viel besser geeignet als dies an anderen Standorten oft der Fall ist. Mittelgrosse und kleinere Asset Manager sowie Family Offices profitieren davon, dass in Liechtenstein das gesamte Ökosystem auf diese Zielgruppen ausgerichtet ist, einschliesslich der kurzen Behördenwege.

Zügige Prozesse

Neuzulassungen von Fonds oder die Genehmigung von Prospektänderungen dauern nur wenige Tage während andere Crossborder-Domizile dafür mehrere Monate benötigen.

Zügige Verwaltungsprozesse sind gerade für mittlere und kleinere Unternehmen, die in der Regel selbst den Vorteil geniessen, schnell reagieren zu können, besonders wichtig, um ihren strategischen Vorsprung auch umsetzen zu können.

Solide und speditive Finanzmarktaufsicht

Verantwortlich für die zügigen Prozesse ist in erster Linie die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein. Dabei achtet sie aber gleichzeitig auf ihre wichtigsten Aufgaben: die Aufsicht, den Anlegerschutz und die Wahrung der Finanzmarktstabilität.

Die FMA ist auf europäischer und globaler Ebene in allen massgebenden Aufsichtsorganisationen vertreten. So ist sie Vollmitglied in der Europäischen Bankaufsichtsbehörde (EBA), der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) sowie der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA).

Internationaler Standort

In den letzten zehn Jahren ist der Fondsplatz Liechtenstein deutlich internationaler geworden. Aktuell werden Fonds mit einer LI ISIN in 25 europäischen Ländern vertrieben. Dies erfolgt in der Regel über das EU-Passporting.

UCITS-Fonds und Alternative Investmentfonds (AIF) aus Liechtenstein sind in vollem Umfang denjenigen der EU-Länder gleichgestellt. Dies resultiert aus der Mitgliedschaft Liechtensteins im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und der damit verbundenen staatsvertraglichen Verpflichtung zur Übernahme der EU-Regulierung.

Neben den Fondsvehikeln können auch alle in Europa üblichen Rechtsformen von Fonds angeboten werden. Die sich daraus ergebende Flexibilität ermöglicht es, bei der Strukturierung von Fonds die Bedürfnisse der Fondsgründer und Anleger optimal zu berücksichtigen.

Schweiz mit Abstand wichtigster Markt

Im Rahmen der bereits erwähnten Internationalisierung ist festzustellen, dass die Fondspromotoren aus einer zunehmenden Anzahl von Ländern stammen. Dennoch ist und bleibt die Schweiz für den Fondsplatz Liechtenstein der mit Abstand wichtigste Markt.

Das gilt besonders für die bereits bestehenden Fonds aber auch nach wie vor für das Neugeschäft. Die Zusammenarbeit mit der Schweiz ist aber auch in anderer Hinsicht wichtig. Viele Dienstleistungen für die liechtensteinische Fondsindustrie werden in der Schweiz erbracht.

Doppelter Steuervorteil für Schweizer Anleger

Besondere Vorteile ergeben sich für Schweizer Anleger am Fondsplatz Liechtenstein durch den Zoll- und Währungsvertrag. In Bezug auf die Stempelabgabe werden liechtensteinische Fonds gleich wie Schweizer Fonds behandelt.

Folgerichtig ist Liechtenstein das einzige Fondsdomizil, das gleichzeitig EU-Passporting und Stempelsteuerprivileg bieten kann. Da Fonds zudem in Liechtenstein zur Gänze von Steuern befreit sind, ergibt sich gegenüber anderen Standorten, die eigene Steuern auf Fonds erheben wie zum Beispiel die Taxe d’abonnement, ein doppelter Steuervorteil.


David Gamper ist seit 2014 Geschäftsführer des LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband und seit 2020 Mitglied des Stiftungsrates der Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungs-Stiftung SV Liechtenstein. Vor seiner Tätigkeit beim LAFV arbeitete er als Vermögensberater und -verwalter und später in Führungspositionen in Österreich, Italien und Liechtenstein.