Fusionsgerüchte um UBS: Ein Trotzen? Nicht doch!
Für Grossunternehmen ist die Standortfrage nie endgültig entschieden. Sie müssen laufend prüfen, wo die besten Rahmenbedingungen herrschen. Risikodiversifikation nennt sich dies.
Im Fall der UBS haben sich die Parameter in den vergangenen Tagen massiv verschlechtert. Der Ständerat hat am Mittwoch entschieden, dass die Grossbank ihre Auslandstöchter zu 90 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegen muss; finews berichtete darüber.
Keine zwei Tage nach dem Entscheid machen Fusionsgerüchte die Runde. Die UBS suche ihr Glück nun im Ausland, vermeldete «Cash» als erstes Portal.
In diesem Zusammenhang fällt vor allem ein Name: Morgan Stanley. Die UBS stehe bei der amerikanischen Grossbank schon länger auf der Wunschliste, wird kolportiert. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.
Die Verbindungen zu Morgan Stanley
Dass Kontakte zwischen den beiden Häusern bestehen, ist kein Geheimnis: UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher arbeitete von 1989 bis 2019, also rund 30 Jahre, bei Morgan Stanley. Er begann in London und stieg später bis zum President der US-Bank auf.
Man könnte neben Morgan Stanley aber auch Standard Chartered, die Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC und noch ein paar weitere internationale Institute nennen.
Mindestens über acht Optionen verfügt die Schweizer Grossbank und alle wären besser, als in den sauren Apfel zu beissen und die verschlechterten Schweizer Rahmenbedingungen zu akzeptieren.
Ständerat zeigt UBS kalte Schulter
Wohlverstanden: Die UBS könnte die finanziellen Mehrbelastungen, die die Eigenkaptialverschärfungen mit sich bringen, stemmen – ohne Zweifel. Aber sie würden ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit empfindlich einschränken. Insbesondere würde es ihre Bestrebungen, ihr Geschäft in den USA auszubauen, erschweren.
Die UBS bewegt sich als weltgrösste Vermögensverwalterin auf dem internationalen Parkett. Und es ist nichts weiter als logisch, dass die Bankenspitze bereits vor dem Entscheid des Ständerates mögliche Szenarien ausgearbeitet hat. Das ist sie letztlich den Aktionären schuldig.
Es ist deshalb falsch, wenn behauptet wird, dass damit eine Drohkulisse für die Politik in Bern aufgebaut wird. Nach der Kleinen Kammer wird sich noch der Nationalrat mit dem Geschäft befassen.
Ein Bankeninsider brachte es auf den Punkt: «Besser kann es für die ausländischen UBS-Aktionäre und -Investoren nicht laufen. Die Schweizer Politik hat mit dem Entscheid am Mittwoch deutlich gemacht, dass sie die UBS nicht mehr will, obwohl ihr mehrmals die Konsequenzen eines solchen Handelns aufgezeigt worden sind.»
Für den Wirtschaftsstandort Schweiz wäre eine Fusion verheerend. Kredite für KMU? Hypothekargeschäft? Dienstleistungen für andere Schweizer Banken? Davon lässt ein internationaler Investor lieber die Finger. Sein Interesse gilt einzig und allein dem Vermögensverwaltungsgeschäft. Doch dazu braucht es dann auch kein grosses Headquarter mehr in der Schweiz.
Dies wurde von den Ständeräten am Mittwoch nicht in Betracht gezogen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Höchste Zeit, dass die Politik in Bern aufwacht.













