St. Galler Kantonalbank baut Deutschlandgeschäft aus
Die St. Galler Kantonalbank (SGKB) hält trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Deutschland an ihrer Expansionsstrategie fest. Im September hat die deutsche Tochtergesellschaft in Düsseldorf einen dritten Standort eröffnet. Damit will die Bank vermögende Privatkunden und mittelständische Unternehmen in Nordrhein-Westfalen künftig näher betreuen und weiteres Wachstumspotenzial erschliessen.
«Der Private-Banking-Markt in Deutschland ist attraktiv. Es gibt viele erfolgreiche Familienunternehmen», sagt SGKB-CEO Christian Schmid im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» (Artikel bezahlpflichtig).
Die wirtschaftliche Krise betreffe nicht die gesamte Bevölkerung gleichermassen. Nordrhein-Westfalen sei aufgrund seiner Grösse und seines starken Mittelstands ein interessanter Markt.
In Düsseldorf startet die Bank mit vier Mitarbeitenden. Bei erfolgreicher Entwicklung soll das Team schrittweise ausgebaut werden. Das Beispiel Frankfurt zeige das Potenzial: Dort begann die SGKB mit einer vergleichbaren Mannschaft, heute beschäftigt sie dort rund 80 Mitarbeitende. Die Kundenvermögen mit Domizil Deutschland seien in den vergangenen Jahren durchschnittlich um rund 10 Prozent pro Jahr gewachsen.
Institutionelle und Vermögensverwalter als Wachstumstreiber
Neben dem Heimmarkt in der Ostschweiz und dem Deutschlandgeschäft setzt die SGKB auf zwei weitere Wachstumsfelder: das Geschäft mit institutionellen Investoren und die Zusammenarbeit mit externen Vermögensverwaltern. Diese Bereiche sollen überdurchschnittlich zum Wachstum beitragen. Besonders das institutionelle Geschäft dürfte prozentual zulegen, unter anderem dank der noch relativ neuen Global-Custody-Fähigkeit der Bank.
Das Kredit- und Bilanzgeschäft wächst laut Schmid derzeit um rund 3 bis 3,5 Prozent, während das Anlagegeschäft Zuwachsraten von etwa 6 bis 7 Prozent erreicht. Dadurch verschiebt sich der Ertragsmix schrittweise in Richtung Kommissionsgeschäft. Wie stark diese Entwicklung in einzelnen Jahren ausfällt, hängt allerdings auch von der Börsenentwicklung und der Zinskurve ab.
Die Bank investiert gleichzeitig in ihre Infrastruktur. Erneuert werden unter anderem das Niederlassungsnetz, die IT-Infrastruktur sowie die Bereiche IT-Sicherheit und Risikomanagement. Auch die stark wachsenden Spezialgeschäfte benötigen zusätzliches Personal. Der höhere Geschäftsaufwand sei deshalb kein einmaliger Effekt, sondern eine gezielte Investition in weiteres Wachstum.
Neue Strategie bis 2031 kommt im Februar
Die laufende Strategieperiode nähert sich ihrem Ende. Die neue Strategie bis 2031 will die SGKB an ihrer Jahresmedienkonferenz im Februar präsentieren. Am Geschäftsmodell mit dem Heimmarkt Deutschschweiz, dem Deutschlandgeschäft und den drei Spezialitäten soll sich grundsätzlich nichts ändern. Stattdessen will die Bank innerhalb ihrer bestehenden Märkte neue Akzente setzen.
Schmid gibt sich hinsichtlich der weiteren Entwicklung zuversichtlich: «Wir werden im Minimum den Wachstumspfad der letzten Jahre fortsetzen.» Die konkreten Ambitionen bei Wachstum, Kosten und Eigenkapitalrendite sollen mit der neuen Strategie bekannt werden.
Auch bei der Dividende setzt die SGKB auf Kontinuität. Angestrebt wird eine Ausschüttung von rund 55 Prozent des Gewinns, während die übrigen 45 Prozent zur Stärkung der Bank einbehalten werden sollen. Voraussetzung für höhere Dividenden sind nachhaltig steigende Gewinne. Aktienrückkäufe sind derzeit kein Thema, da die Kapitalisierung der strategischen Planung entspricht.
Filialnetz bleibt zentral
Im Schweizer Retailgeschäft sieht Schmid die zunehmende Konkurrenz durch Neobanken als Herausforderung. Anbieter wie Revolut drängten mit einfachen digitalen Produkten in einzelne Marktsegmente. Für die SGKB sei deshalb entscheidend, ihre Position als Hauptbank ihrer Kundinnen und Kunden zu behaupten.
Dabei setzt das Institut weiterhin auf persönliche Beratung und regionale Verankerung. Das Filialnetz mit 37 Standorten spiele eine zentrale Rolle. «Es wird definitiv keinen Abbau unseres Niederlassungsnetzes geben», betont Schmid.
Auch regulatorische Verschärfungen beschäftigen die Bank. Bei geplanten Vorgaben wie dem Senior Management Regime müsse berücksichtigt werden, dass kleinere und mittelgrosse Inlandbanken anders strukturiert seien als internationale Grossbanken. Eine undifferenzierte Übertragung zusätzlicher Regeln könne das Unternehmertum hemmen, warnt der CEO.
An seinem Geschäftsmodell hält Schmid ausdrücklich fest. Er werde die nächste Strategiephase mit voller Motivation angehen und sei vom Wachstumspotenzial der Bank überzeugt.















