«Je volatiler die Welt wird, desto attraktiver wird die Schweiz»
Herr Allaway, Sie verantworten das EMEA-Geschäft von Goldman Sachs Apex. Wie betreut man Family Offices in einer so unterschiedlichen Region?
Wir sind Teil eines globalen Wealth Management Geschäfts, das $2 Billionen Vermögen verwaltet und Teams in Amerika, EMEA und APAC hat. In unserer Region ist Apex in London, Amsterdam, Frankfurt, Zürich, Paris und Dubai vertreten. EMEA ist kulturell und regulatorisch besonders vielfältig. Deshalb wollen wir möglichst nahe bei unseren Kunden sein.
Das Interesse von Unternehmen und Private-Equity-Gesellschaften am Kapital von Family Offices ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Diese werden zunehmend als professionelle Finanzinvestoren und strategische Partner wahrgenommen.
Wir erleben eine volatile Phase. Dennoch zeigte Goldman Sachs letztjährige Untersuchung, dass Family Offices ihre Anlagestrategien weitgehend beibehalten. Gilt das weiterhin?
Ja. In unserer damaligen Untersuchung entfielen beim Median der befragten Family Offices rund 42 Prozent des Vermögens auf alternative Anlagen. Nach unserer Beobachtung dürfte dieser Anteil seither eher leicht gestiegen sein. Einen Rückgang sehen wir jedenfalls nicht.
Auch das Interesse an Private Credit hält an. Die professionellen Investoren verfügen über die Erfahrung, innerhalb ihrer alternativen Anlagen zwischen verschiedenen Themen zu gewichten soweit ihre Liquidität dies zulässt.
«Europäische Family Offices interessieren sich für Sportanlagen in den USA und in Indien.»
Zugenommen hat dagegen das Interesse an Privatplatzierungen und Unternehmenstransaktionen. Wir begleiten mehr entsprechende Gespräche und Transaktionen. Gefragt sind direkte Beteiligungen, Co-Investments und sogenannte Continuation Vehicles, über die Beteiligungen in neue Fondsstrukturen überführt werden. Bei Direktanlagen steht Eigenkapital stärker im Vordergrund als Fremdkapital.
Thematisch fallen Sport, künstliche Intelligenz und die dazugehörige Infrastruktur auf. Dazu gehört auch die Energieversorgung für Rechenzentren und die benötigte Rechenleistung.
Hat Sie das grosse Interesse an Sportinvestments überrascht?
Ja. Ich habe früher professionell Basketball gespielt, auch am College, und interessiere mich deshalb für diesen Bereich. In den USA hat sich das Umfeld im Hochschulsport grundlegend verändert: Athleten werden bezahlt, und die Hochschulsportverbände interessieren sich für Private-Equity-Kapital.
Gleichzeitig ziehen europäische Sportmarken amerikanisches Kapital an, insbesondere im Fussball. Auch die Pläne der NBA in Europa zeigen, wie viel Bewegung in diesem Markt ist.
Umgekehrt interessieren sich europäische und andere Family Offices aus unserer Region für Sportanlagen in den USA und in Indien. Dieser Trend zeichnete sich zunächst in den USA ab und hat inzwischen den Atlantik überquert. In diesem Ausmass hatte ich ihn nicht erwartet.
Aber ist Sport auch ein gutes Geschäft? Man kann damit vor allem viel Geld verlieren.
Zu einzelnen Bewertungen möchte ich mich nicht äussern. Der jüngste Verkaufder Los Angeles Lakers für $12,5 Milliarden war Weltrekord für ein Sportteam und zeigt jedoch, was am oberen Ende des Marktes möglich ist.
Weshalb dieser Boom?
Die Überlegung vieler Investoren lautet: Zahlreiche Sportmarken schöpfen ihr kommerzielles Potenzial noch nicht aus.
Wrexham zeigt, wie sich eine Marke aus relativer Unbekanntheit entwickeln lässt. Verbindet man Medienpräsenz mit Experten für die sportliche Entwicklung, das Stadion und den Markenaufbau, entsteht mehr als eine Fussballgeschichte. Daraus können eine Mediengeschichte sowie attraktive Marketing- und Sponsoringmöglichkeiten werden.
«Viele verfolgen eine Hantelstrategie: Sie halten auf der einen Seite langfristige Anlagen und auf der anderen Seite viel Liquidität.»
Das lässt sich nicht bei jedem Club wiederholen. Aber die Kombination aus Knappheit und vermutetem kommerziellem Potenzial erklärt das grosse Interesse.
Family Offices hielten zuletzt hohe Liquiditätsbestände. Hat sich daran etwas geändert?
Nein. Viele verfolgen weiterhin eine Hantelstrategie: Sie halten auf der einen Seite langfristige Anlagen und auf der anderen Seite viel Liquidität, um Chancen nutzen zu können.
Diese Liquidität wird unterschiedlich bewirtschaftet. Manche investieren sehr defensiv in Staatsanleihen und kurz laufende Staatspapiere. Andere haben eine eigene Treasury-Funktion aufgebaut, bis hin zu familieninternen Geldmarktfonds. Solche Lösungen können das Unternehmen, das Family Office und einzelne Familienmitglieder miteinander verbinden.
Bei den heutigen Renditen prüfen allerdings mehr Anleger, ob sich ein robustes Portfolio aus Staatsanleihen und hochwertigen Unternehmensanleihen aufbauen lässt. Damit könnten sie sich über einen mittleren Zeitraum attraktive laufende Erträge sichern.
Auch das Dollarengagement bleibt ein Gesprächsthema – sowohl im Anlageportfolio als auch bei den Liquiditätsreserven. An der grundsätzlichen Hantelstrategie hat sich aber wenig geändert.
Führen geopolitische Konflikte zu einer spürbaren Abkehr von US-Anlagen?
Nein, das beobachten wir nicht. Die USA bleiben ein zentraler Anlagemarkt. Dafür sprechen der wirtschaftliche Wohlstand des Landes, das Bildungswesen, das unternehmerische Umfeld, ihre führende Rolle in der Technologie und die Breite und Tiefe der Kapitalmärkte.
Zwischenzeitlich wurde intensiver darüber diskutiert, ob Europa als Anlageregion stärker herausfordern könnte, unter anderem als Reaktion auf Zölle. Doch das Interesse ist nicht verschwunden, insbesondere im Verteidigungsbereich.
Die starke Konzentration der Aktienmarktentwicklung auf US-Technologiewerte hat jedoch wesentlich dazu beigetragen, dass die USA im Mittelpunkt bleiben. Amerikanische Investoren suchen durchaus nach europäischen Chancen. Angesichts der vielen Möglichkeiten im eigenen Markt fällt es ihnen aber oft schwer, ausserhalb der USA zu investieren.
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie KI die Welt der Family Offices revolutioniert, sich im Private-Equity-Markt die Spreu vom Weizen trennt und wie die Schweiz davon profitieren könnte.
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