Schweizer Analysten vollziehen die Zinswende
Die Erwartungen für die Schweizer Konjunktur haben sich im September zwar abgeschwächt, bleiben laut Mitteilung vom Mittwoch aber grundsätzlich positiv. Der von UBS und der CFA Society Switzerland erhobene Konjunkturindikator fiel gegenüber August um 9,5 Punkte von 12,1 auf noch 2,6 Punkte. Den deutlich grösseren Schritt gab es schon im Juli. Damals drehte der Index von –25 auf +10 Punkte. Im August gab es nochmals ein kleines Plus, nun folgt ein Rücksetzer.
Trotzdem liegt der UBS-CFA-Indikator den dritten Monat in Folge über der Nulllinie. Noch immer erwarten also mehr Finanzanalysten eine Verbesserung als eine Verschlechterung der Schweizer Konjunktur in den kommenden sechs Monaten.
Interessanterweise hat sich die Einschätzung der aktuellen Lage verbessert. Im August hatten noch 91,2 Prozent der Befragten die Schweizer Wirtschaftslage lediglich als «normal» bezeichnet. Im September beurteilen nun rund 22 Prozent die aktuelle Konjunkturlage als gut – der höchste Anteil seit 2024. Der entsprechende Saldo stieg auf 17,9 Punkte.
Neu rechnet jeder Dritte mit höheren Zinsen
Der eigentliche Stimmungsumschwung fand laut der Umfrage jedoch bei Inflation und Zinsen statt. Im August hatte kein einziger Analyst mit einem Anstieg der kurzfristigen Schweizer Zinsen gerechnet. Nun erwartet jeder Dritte steigende Sätze. Der entsprechende Saldo sprang von minus 6,1 Punkten im August auf 33,3 Punkte im September.
Im August wurde der SNB-Leitzins von 0 Prozent noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent für die nächste geldpolitische Lagebeurteilung erwartet. Selbst bis Mitte 2027 wurde ein unveränderter Leitzins als wahrscheinlichstes Szenario betrachtet.
Auch langfristige Zinsen drehen nach oben
Dasselbe Muster zeigt sich am langen Ende. Im August erwarteten lediglich 21,9 Prozent steigende langfristige Schweizer Zinsen, während drei Viertel mit unveränderten Sätzen rechneten.
Im September erwarten bereits 41,3 Prozent einen Anstieg. Nur noch 48 Prozent rechnen mit unveränderten langfristigen Zinsen. Der Erwartungssaldo sprang dadurch von 18,8 auf 30,7 Punkte.
Folge des veränderten Inflationsbilds
Hinter der Zinswende steht vor allem eine veränderte Einschätzung der Inflation. Rund 49 Prozent der Analysten erwarten inzwischen einen Anstieg der Schweizer Inflationsrate. Im August waren es nur knapp 24 Prozent.
Der entsprechende Saldo explodierte innerhalb eines Monats von 11,7 auf 43,6 Punkte. Noch ausgeprägter ist die Entwicklung in der Eurozone und den USA: Dort rechnen jeweils rund 70 Prozent mit steigender Inflation.
Langfristig bleibt das Bild allerdings deutlich entspannter. Für die Schweiz erwarten die Analysten in drei Jahren durchschnittlich eine Teuerungsrate von 1,2 Prozent, nach 1,1 Prozent im Juni. Mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent dürfte die Teuerung weiterhin innerhalb des SNB-Zielbereichs von 0 bis 2 Prozent liegen.
Langfristig mehr Wachstum erwartet
Trotz der kurzfristig höheren Risiken sind die längerfristigen Erwartungen für die Schweiz sogar etwas optimistischer geworden. Für die Wirtschaftsentwicklung in drei Jahren erwarten die Analysten durchschnittlich ein Wachstum von 1,5 Prozent, gegenüber 1,3 Prozent im Juni.
Damit liefert die September-Umfrage ein ungewöhnliches Gesamtbild: Die Schweizer Wirtschaft wird aktuell so positiv beurteilt, wie seit 2024 nicht mehr, und auch die längerfristigen Wachstumserwartungen steigen. Gleichzeitig haben sich innerhalb nur eines Monats die Erwartungen für Inflation und Zinsen markant nach oben verschoben.
USA bereiten grosse Sorgen
Während sich die Schweizer Konjunktur vergleichsweise robust zeigt, hat sich der Blick auf die USA nochmals verschlechtert. Bereits im August erwarteten 52,9 Prozent der Analysten eine Abschwächung der US-Wirtschaft. Im September sind es nun 60,3 Prozent. Der Erwartungssaldo sank auf minus 51,3 Punkte.
Auch die Eurozone wird zunehmend skeptisch beurteilt: Rund 45 Prozent erwarten dort eine Verschlechterung.
Aktien bleiben gefragt – Gold noch stärker
Trotz der gestiegenen Inflations- und Zinsrisiken bleiben die Analysten für Schweizer Aktien positiv. Der Saldo der Erwartungen für den SMI stieg sogar von 33,3 auf 38,0 Punkte. Beim S&P 500 verbesserte er sich von 18,2 auf 23,6 Punkte.
Noch ausgeprägter ist der Optimismus bei Gold. Knapp 59 Prozent erwarten weitere Preissteigerungen. Der Saldo erhöhte sich von 42,4 auf 49,3 Punkte. Beim Öl hat sich das Bild dagegen gedreht: Der Erwartungssaldo fiel von +18,9 auf –23,0 Punkte.
Die Umfrage fand zwischen dem 17. und 24. September statt, geantwortet haben 78 Finanzanalysten.















