Primärmarkt im September: Die Schweiz als Hafen für ausländische Emittenten
Das ist eine Schlagzeile, die sich in den vergangenen Monaten wiederholt rezyklieren liess und die auch diesmal zum Geschehen am Schweizer Kapitalmarkt passt: Das Emissionsgeschäft mit Frankenanleihen steuert auf einen Allzeitjahresrekord zu.
Gemäss der von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) geführten Statistik wurden im September frische Obligationen im Nominalwert von 8,3 Milliarden Franken begeben, leicht höher als der Vorjahresmonatswert (ohne Anleihen der Eidgenossenschaft). Und seit Anfang Jahr liegt das Total 7 Prozent über dem Niveau, das 2025 in den ersten drei Quartalen erreicht worden war. Dabei war schon das Vorjahr für den Primärmarkt sehr betriebsam gewesen.
Diese aus Sicht der Schuldner (die zu Geld kommen), der federführenden Banken (die für ihre Dienste Gebühren kassieren) und der Investoren (die über mehr Auswahl verfügen) erfreuliche Bilanz ist alles andere als selbstverständlich. Denn der Monat September war an den internationalen Märkten ziemlich turbulent.

Starker Anstieg der Renditen der Staatsanleihen – ausser in der Schweiz. (Grafik: Raiffeisen Schweiz)
Insbesondere Staatsanleihen wurden neu bewertet, die Renditen der US-Treasuries, der Japanese Government Bonds (JGB), der britischen Gilts, der französischen OAT (obligations assimilables du Trésor) und der deutschen Bundesanleihen sind auf Mehrjahresrekorde gestiegen; Anleger verlangen somit eine höhere Entschädigung, wenn sie diesen Staaten Geld leihen.
Die Gründe bzw. die Erklärungsansätze, die für diese Entwicklung herumgeboten werden, sind vielfältig und mitunter widersprüchlich: Normalisierung des Zinsniveaus (real und nominell), Reaktion auf den erwarteten Wachstumsimpuls für die Volkswirtschaft durch künstliche Intelligenz (KI), starke Kapitalnachfrage insbesondere durch Hyperscaler (auch hier ist KI im Spiel), steigende Inflationsraten, Sorgen um die Tragbarkeit der Schuldenberge (Risikoprämie), politisches Risiko (z.B. in Frankreich), restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken usw. usf.
Die internationalen Bewegungen waren auch am Schweizer Kapitalmarkt zu spüren, aber nur in deutlich abgemilderter Form. Ausländische Emittenten nahmen die Schweiz offenbar als Insel der (relativen) Stabilität wahr und emittierten mit 3,6 Milliarden Franken 75 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu dürften die weiterhin günstigen Bedingungen am Swapmarkt beigetragen haben, wo diese Schuldner, die meist eine andere Währung als den Franken benötigen, den Emissionserlös umtauschen.

Der Primärmarkt bleibt auf Rekordkurs. (Grafik: ZKB)
Demgegenüber lag das Volumen inländischer Schuldner mit 4,2 Milliarden Franken rund 30 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das lag nicht an den beiden Emittentinnen von Schweizer Pfandbriefen, der Pfandbriefzentrale und der Pfandbriefbank. Die erste stockte drei Anleihen auf und begab eine neue, die zweite entschied sich für vier Aufstockungen.
Ebenfalls recht präsent waren die Kantonalbanken, diesmal aus St. Gallen, Zürich, Luzern (Aufstockung), dem Aargau (grüne Anleihe) und Schwyz. Auch ohne Staatsgarantie aktiv waren die Corner Banca und die Bank Vontobel sowie als weiterer Financial Grenkeleasing.
Die Versicherungen griffen ebenfalls zu: Vaudoise Assurance Holding begab eine Doppeltranche, Helvetia Baloise platzierte erstmals seit der Fusion eine nachrangige Anleihe (Tier 2). Finanzchef Matthias Hennys Kommentar zur Transaktion: «Sie unterstützt die proaktive Bewirtschaftung unserer Kapitalstruktur und ermöglicht es uns, unsere finanzielle Flexibilität zu bewahren und zugleich unser Finanzierungsprofil zu optimieren.»
Cham Swiss Properties hielt die Fahne der Immobiliengesellschaften hoch, aus dem Unternehmensektor waren SFS Group und Hero (beide nach längerer Auszeit) mit von der Partie. BKW als Energieschuldner und Limeco, das von Gemeinden getragene Regiowerk für Abfall und Abwasser im Limmattal, ergänzten das Menü.
Auffällig war, dass Kantone, Städte und inländische Schuldner mit Staatsgarantie (die Kantonalbanken ausgeklammert) den September nicht für Emissionen nutzten.
Im Auslandsegment debütierte die Republik Chile mit einer Doppeltranche, wobei die ZKB und BNP Paribas die Fäden zogen. Ebenfalls eine Premiere war ABP Finance (wiederum mit der französischen Grossbank im Lead), ein Emissionsvehikel der privat gehaltenen Associated British Ports. Die ABP betreibt eine Reihe von Frachthäfen in Grossbritannien.
Nach Jahrzehnten machte sich mit der Republik Finnland ein weiterer Sovereign auf den Weg in die Schweiz. Auch die Financials (teilweise mit Staatsbezug) waren gut vertreten: die französische BPCE, die ungarische OTP Bank, LGT Bank (Doppeltranche), Crédit Agricole (nachrangige soziale Anleihe), Danske Bank, Dekabank (Tier 2) und Emirates NDB Bank (grüne Anleihe). Die Nederlandse Waterschapsbank stockte eine soziale Anleihe auf. Qualitätsmässig deutlich tiefer liegt der Triple-B-Schuldner Digital Constellation; die auch als Finanzierer tätige Gesellschaft lancierte gleich drei Tranchen grüner Anleihe.
Der dritte Debütant: Ein Corporate aus Mexiko
Suprastaatliche Förderbanken waren mit North American Development Bank, Inter-American Development Bank (soziale Anleihe) und Asian Development Bank am Markt präsent. Telstra Group, BMW International Investment (Doppeltranche) und der Getränkehersteller Fomento Economico Mexicano – der dritte Debütant des Septembers in Begleitung der UBS und der Commerzbank – sorgten für Nachschub an Corporate Bonds.
Auch in dem dem Primärmarkt nachgelagerten Handel, dessen Liquidität und Preisbildungsfunktion für das Kapitalmarktgeschäft ebenfalls zentral sind, stehen die Chancen für ein ansprechendes Jahresergebnis gut. Das Volumen der an der SIX Swiss Exchange lag im September mit 11 Milliarden Franken 14,2 Prozent über der Vorjahresperiode. In den ersten drei Quartalen 2026 summierte sich der Umsatz am Sekundärmarkt auf 101,9 Milliarden, 5,2 Prozent höher als der Vergleichswert des Vorjahres.













