Infrastruktur-Investitionen in politisch bewegten Zeiten

Von Christian Jost, CFA, Director Investment Management, Zurich Invest AG

Infrastruktur-Investments: Stabilität und attraktive Renditen auch in politisch bewegten Zeiten – wie gelingt der Balanceakt?

Die globale politische Landschaft ist im Wandel: Neben geopolitischen Krisen ist eine zunehmende Polarisierung der Politik festzustellen: Immer häufiger unterscheiden sich neue Regierungen grundlegend von ihren Vorgängern, sei es in ihren wirtschaftlichen Prioritäten, Regulierungsansätzen oder Förderprogrammen. Dies wird zuweilen noch befeuert durch die aktive Nutzung von Social Media. Für die Finanzmärkte bedeutet das: Planbarkeit und Stabilität sind keineswegs selbstverständlich.

Was macht Infrastruktur aus Investorensicht so attraktiv?

Infrastrukturanlagen sind in der Regel an die Grundbedürfnisse der Gesellschaft gekoppelt, liefern planbare Cashflows und bieten einen natürlichen Inflationsschutz. Oft verfügen sie zudem über hohe Eintrittsbarrieren und geringe Konkurrenz. Für institutionelle Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont sind das gewichtige Argumente – insbesondere, wenn die Finanzmärkte volatiler werden.

Staatliche Regulierung im Infrastrukturmarkt – ein weiterer Vorteil

Für Anleger ist ebenfalls positiv, dass viele Infrastruktur-Investments staatlich oder regulatorisch abgesichert und dadurch planbar sind:

  • Regulierte Renditen: Wasser- oder Stromversorger arbeiten oft in Märkten, in denen ein Regulator die zulässigen Tarife – basierend auf Kostenstruktur, Investitionen und Inflationsentwicklung – festlegt. Britische Wasserunternehmen etwa erhalten planbare, politisch festgelegte Renditen. Das schafft Stabilität für Investoren.
  • Regulatorischer Schutz: Manche Assets profitieren von gesetzlichen Schutzmechanismen, z. B. ein Flughafenbetreiber, dem im Umkreis von 100 km keine Konkurrenz genehmigt werden darf. Solche Monopolsituationen schaffen Verlässlichkeit.
  • Direkte Subventionen: Gerade im Bereich der erneuerbaren Energien sind Einspeisevergütungen, Tax Credits oder einmalige Investitionszuschüsse zentrale Einnahmequellen. Sie machen Projekte wirtschaftlich tragfähig und eröffnen Zugang zu neuen Technologien.

Warum greift der Staat ein?

Staatliche Sicherheiten und Regulierungen sind aus volkswirtschaftlicher Sicht kein Selbstzweck. Die öffentliche Hand kann angesichts einer hohen Staatsverschuldung von einer privaten Finanzierung zentraler Infrastruktur profitieren. Gleichzeitig sollen Versorgungssicherheit und Preisstabilität gewährleistet bleiben – insbesondere in monopolartigen Märkten. Für Investoren bedeutet dies ein kalkulierbares Umfeld und eine gewisse Schutzfunktion gegen Marktrisiken. Die politische Einflussnahme bleibt dennoch ein Faktor, den Investoren im Blick behalten sollten: In der Regel sorgt sie für stabile, berechenbare Rahmenbedingungen – in Ausnahmefällen können neue politische Vorzeichen jedoch zu Herausforderungen werden.

Risiken: Wenn der Wind sich dreht

Die Kehrseite staatlicher Absicherung bilden politische und regulatorische Risiken: Regierungswechsel können zu Richtungsänderungen, Kürzungen oder sogar zu einer Rücknahme bestehender Förderungen führen.

  • Spanien: Subventionskürzungen rückwirkend – eine Warnung
    In Spanien wurden im Zuge der Finanzkrise 2012/13 grosszügige Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien massiv reduziert. Dies geschah rückwirkend und mit gravierenden Folgen für Investoren und Betreiber, die auf der Grundlage fester Zusagen investiert hatten. Die Ereignisse führten zu langjährigen Rechtsstreitigkeiten und teilweisen Verlusten.
  • USA: IRA Tax Credits & «One Big Beautiful Bill Act»
    Mit dem Inflation Reduction Act (IRA) wurden steuerliche Anreize für erneuerbare Projekte wie Solar, Wind oder Battery Storage massiv ausgeweitet. Diese Tax Credits konnten sogar am Sekundärmarkt gehandelt und so monetarisiert werden. 2025 lancierte die US-Regierung den «One Big Beautiful Bill Act», der diese Anreize teilweise zeitlich limitiert und/oder von regionaler Wertschöpfung und der Ausgestaltung der Lieferketten abhängig macht.

 

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Quelle: Clear Bridge Investments

Solche Beispiele zeigen eindrücklich, dass politische Risiken selbst in etablierten Märkten nicht unterschätzt werden dürfen.

Was können Investoren tun?

Trotz attraktiver Rahmenbedingungen ist Infrastruktur kein Selbstläufer. Langfristigkeit bedeutet, über mehrere politische Zyklen hinweg investiert zu sein – das birgt Risiken und Chancen zugleich. Folgende Strategien helfen, politische Klumpenrisiken zu mindern:

  • Eine Diversifikation über Länder und Sektoren hinweg senkt die Wahrscheinlichkeit, durch einzelne Richtungswechsel empfindlich getroffen zu werden.
  • Es empfiehlt sich ein Fokus auf Projekte, die auch ohne staatliche Zuschüsse tragfähig sind. Bei subventionsabhängigen Geschäftsmodellen ist Vorsicht geboten.
  • Solide Deal-Strukturierung: Ein hoher Anteil langfristig fixierter vertraglicher Einnahmen mit bonitätsstarken Gegenparteien und die Begrenzung von Volumenrisiken erhöhen die Krisenfestigkeit.
  • Besonders volatile oder politisch instabile Regionen sollte man meiden, das gilt mittlerweile nicht mehr nur für Emerging Markets.

Fazit: Infrastruktur bleibt attraktiv – mit Augenmass

Infrastruktur-Investments haben sich dank ihrer defensiven Eigenschaften, der niedrigen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen und ihres Potenzials für stabile, inflationsgeschützte Erträge als wertvoller Portfolio-Baustein erwiesen – das gilt selbst in politisch turbulenten Zeiten. Trotzdem erfordern sie eine sorgfältige Prüfung und eine intelligente Diversifikation. Wer bei der Strukturierung Risiken berücksichtigt, regulatorische und politische Entwicklungen aktiv beobachtet und auf solide Strukturen setzt, kann mit Infrastruktur nicht nur attraktive Renditen erzielen, sondern dem Portfolio auch die gesuchte Stabilität verleihen.

  • Weitere Informationen zu Infrastruktur finden Sie hier.