«Bank Sarasin ist schadenersatzpflichtig»

Der Anwalt Klaus Rotter erhebt Vorwürfe gegen die Bank, er hält deren Anlageberatung für fehlerhaft. Die Juristin Daniela Bergdolt ruft gar zur Sammelklage auf. 

Die Basler Bank Sarasin hat nicht nur aggressiv Anleihen der deutschen Firma Windreich vertrieben, sondern dabei auch verschwiegen, dass sie selber bei dem Windmühlenbauer mit einem 70-Millionen-Euro-Kredit exponiert ist.

Der Münchner Anwalt Klaus Rotter (Bild) erhebt nun im Gespräch mit finews.ch einen neuen Vorwurf: «Die Bank Sarasin selbst hat Windreich-Anleihen gehalten und diese noch zu vorteilhaften Kursen – Gerüchte sprechen von Kursen über 60 Prozent – veräussert.»

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Ende Februar wurden die beiden 5-jährigen Anleihen mit Laufzeit bis 2015 respektive 2016 zum Kurs von 22 respektive unter 19 Prozent ihres Nominalwerts gehandelt. Mittlerweile hat der deutsche Wind-Energie-Pionier seine Anleihen von der Stuttgarter Mittelstandsbörse genommen. Vorher hatte er die Publikation seines (wahrscheinlich schlechteren) Ratings blockiert.

«Das führt zu einer Schadenersatzpflicht»

Rotter folgert: «Vorbehaltlich einer Prüfung des Einzelfalls gehen wir von einer fehlerhaften Anlageberatung beziehungsweise bei Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages von einer fehlerhaften Vermögensverwaltung aus, die zur Schadenersatzpflicht der Bank Sarasin führt».

Nach zahlreichen Gesprächen mit betroffenen Sarasin-Kunden ergibt sich dem Münchener Juristen folgendes Bild:

  • «Die Bank Sarasin hat die Windreich-Anleihe als solide und stabile Anleihe an Kunden verkauft.»
  • «Auf das gewährte Darlehen (70 Millionen Euro) und den damit verbundenen Interessenskonflikt wurde kein Kunde hingewiesen.»
  • «Die Windreich-Anleihe war auf der internen Empfehlungsliste für Anlageberater und Vermögensberater der Bank Sarasin.»
  • «Zahlreichen Kunden wurde nicht nur empfohlen, mit eigenen Ersparnissen die Windreich-Anleihe zu erwerben, sondern darüber hinaus auch noch mit einem Schweizer-Franken-Kredit, was ich für völlig unverantwortlich halte, weil sich das Emittentenrisiko dadurch potenziert und dann auch noch das Währungsrisiko hinzukommt.»
  • «Die Empfehlung der Bank Sarasin war – jedenfalls in einigen Fällen – bezogen auf den jeweiligen Anteil am Gesamtportfolio unverhältnismässig hoch. So halte ich es für unverantwortlich, wenn 20 oder bis zu 30 Prozent des Portfolios in die Windreich-Anleihe gesteckt wurden.»

Aufruf zur Sammelklage

Daniela_BergdoltNeben Anwalt Klaus Rotter sieht auch die Kapitalmarktrechtlerin Daniela Bergdolt (Bild) im Fall Sarasin/Windreich gute Chancen für die betroffenen Kunden. Sie hat zu einer Sammelklage aufgerufen.

Der Interessenskonflikt von Sarasin lässt sich auch daran erkennen, dass die Bank Anfang März als Retterin in der Not mit einem Zusatzkredit ein plötzliches «Aus» von Windreich verhinderte, als diese ihren Zinszahlungen nicht mehr fristgerecht nachkommen konnte.

Sarasin: «einschlägige Vorschriften eingehalten»

Dem ging eine Razzia der Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Windreich-Hauptsitz in Wolfschlugen voraus, und zwar wegen Verdachts auf Bilanzbetrug und -manipulation.

Sarasin schreibt dazu: «Die Kunden der Bank Sarasin AG werden über die Risiken von Anlagen gemäss den einschlägigen Vorschriften des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) aufgeklärt. Entsprechend wurden alle Kunden über die Risiken der empfohlenen Anleihen mündlich und schriftlich informiert. Darüber hinaus legt die Bank grundsätzlich mögliche Interessenkonflikte, die sich nicht vermeiden lassen, gegenüber ihren Kunden vor einem Geschäftsabschluss oder einer Beratung offen».

 


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