«Die Lage ist besser als die Stimmung»

Mehr Einsicht bei der Finma, mehr Kundenorientierung bei den Banken, mehr Optimismus insgesamt: 12 Wünsche für den Finanzplatz, geäussert von Thomas Sutter.

Thomas_Sutter_119x178Thomas Sutter ist Leiter Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Heute kurz vor Mitternacht schaut ganz Spanien nach Madrid auf den Puerto del Sol-Platz. Zwölfmal wird die Glocke des Casa de Correos-Gebäudes läuten. Mit jedem Schlag essen die Spanier eine Traube und wünschen sich etwas. Was liegt also näher, als rasch Trauben zu kaufen und zwölf ganz persönliche Wünsche für den Schweizer Finanzplatz zu formulieren?

Die ersten drei Wünsche richte ich an Politik und Aufsicht:

Dem Bundesrat wünsche ich mehr Verantwortlichkeit. Eine eingeschlagene Strategie sollte geschlossen weiterverfolgt und nicht auf Kosten des Finanzplatzes Dauerwahlkampf betrieben und so Verhandlungspositionen leichtfertig preisgegeben werden.

Den Politikern in Bern oder in den Kantonen wünsche ich mehr Weitsicht, so dass sie dem Drang widerstehen können, in jedes Mikrofon oder in jeden Schreibblock unreflektiert Kommentare abzugeben, deren langfristige Konsequenzen nicht abschätzbar sind.

Der Finma schliesslich wünsche ich mehr Einsicht, damit nicht nur streng, sondern auch gut reguliert wird.

Die nächsten drei Wünsche gehen ins Ausland:

Der Europäischen Union wünsche ich mehr Pragmatismus, denn nur so können die klammen Staatskassen rasch gefüllt und die rechtsstaatliche Souveränität von eng verbundenen Nachbarländern gewahrt bleiben.

Den USA wünsche ich mehr aussenpolitische Kohärenz. Es macht wenig Sinn, jährlich Soldaten in die ganze Welt zu schicken, um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit herzustellen, und gleichzeitig die rechtsstaatlichen Strukturen der ältesten Demokratie der Welt aushebeln zu wollen.

Der OECD wünsche ich mehr Unabhängigkeit. In erster Linie soll doch die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert werden und nicht eine einseitige Ideologie einzelner Hochsteuerländer.

Die nächsten vier Wünsche richte ich an die Banken in unserem Land.

Zuerst wünsche ich mir mehr Kundenorientierung. Wir brauchen mehr Bankiers und weniger Banker, mehr Dienstleistung für die Realwirtschaft und weniger für die Gewinnmaximierung.

Traube Nummer acht wird mit dem Wunsch nach mehr Geschlossenheit gegessen. In Zeiten des Umbruchs prallen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Lösungen müssen hart erkämpft werden. Aber dies soll wieder mehr intern geschehen. Der gemeinsam gefällte Entscheid darf dann nicht Tage später wieder öffentlich in Frage gestellt werden.

Ich wünsche mir auch mehr Compliance. Gesetze andere Länder müssen vor Ort eingehalten werden, genauso wie interne Richtlinien. Wollen wir unsere Glaubwürdigkeit als Branche zurückgewinnen, müssen wir zuerst aufzeigen, dass es uns damit ernst ist. Hier stehen wir klar in der Schuld.

Mehr Optimismus ist ein weiterer Wunsch an meine Branche. Wir dürfen uns nicht weiter durch das Trommelfeuer negativer Medienberichterstattung mürbe machen lassen. Der Schweizer Finanzplatz hat immer noch Trümpfe wie Stabilität, Innovationskraft, Know-how oder Finanzkraft in der Hand. Die Lage ist viel besser als die Stimmung.

Es bleiben zwei Wünsche offen:

Der zweitletzte Wunsch lautet: mehr Entschlossenheit. Er geht an die Bankiervereinigung. Vieles ist in Bewegung, die Rahmenbedingungen ändern sich laufend. Da braucht es nicht bloss gründliche Analysen, sondern auch rasche Entscheidungen, die dann konsequent umgesetzt werden.

Mein letzter Wunsch richtet sich an Sie, liebe Leserin, lieber Leser: Wir möchten auch 2013 mit unseren Blogs Denkanstösse liefern. Dafür braucht es von Ihnen Offenheit. Ich wünsche Ihnen viel davon und natürlich ebenfalls Glück und Gesundheit für 2013.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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