Mai
20
2013
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Mehr Einsicht bei der Finma, mehr Kundenorientierung bei den Banken, mehr Optimismus insgesamt: 12 Wünsche für den Finanzplatz, geäussert von Thomas Sutter.

Thomas_Sutter_119x178Thomas Sutter ist Leiter Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Heute kurz vor Mitternacht schaut ganz Spanien nach Madrid auf den Puerto del Sol-Platz. Zwölfmal wird die Glocke des Casa de Correos-Gebäudes läuten. Mit jedem Schlag essen die Spanier eine Traube und wünschen sich etwas. Was liegt also näher, als rasch Trauben zu kaufen und zwölf ganz persönliche Wünsche für den Schweizer Finanzplatz zu formulieren?

Die ersten drei Wünsche richte ich an Politik und Aufsicht:

Dem Bundesrat wünsche ich mehr Verantwortlichkeit. Eine eingeschlagene Strategie sollte geschlossen weiterverfolgt und nicht auf Kosten des Finanzplatzes Dauerwahlkampf betrieben und so Verhandlungspositionen leichtfertig preisgegeben werden.

Den Politikern in Bern oder in den Kantonen wünsche ich mehr Weitsicht, so dass sie dem Drang widerstehen können, in jedes Mikrofon oder in jeden Schreibblock unreflektiert Kommentare abzugeben, deren langfristige Konsequenzen nicht abschätzbar sind.

Der Finma schliesslich wünsche ich mehr Einsicht, damit nicht nur streng, sondern auch gut reguliert wird.

Die nächsten drei Wünsche gehen ins Ausland:

Der Europäischen Union wünsche ich mehr Pragmatismus, denn nur so können die klammen Staatskassen rasch gefüllt und die rechtsstaatliche Souveränität von eng verbundenen Nachbarländern gewahrt bleiben.

Den USA wünsche ich mehr aussenpolitische Kohärenz. Es macht wenig Sinn, jährlich Soldaten in die ganze Welt zu schicken, um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit herzustellen, und gleichzeitig die rechtsstaatlichen Strukturen der ältesten Demokratie der Welt aushebeln zu wollen.

Der OECD wünsche ich mehr Unabhängigkeit. In erster Linie soll doch die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert werden und nicht eine einseitige Ideologie einzelner Hochsteuerländer.

Die nächsten vier Wünsche richte ich an die Banken in unserem Land.

Zuerst wünsche ich mir mehr Kundenorientierung. Wir brauchen mehr Bankiers und weniger Banker, mehr Dienstleistung für die Realwirtschaft und weniger für die Gewinnmaximierung.

Traube Nummer acht wird mit dem Wunsch nach mehr Geschlossenheit gegessen. In Zeiten des Umbruchs prallen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Lösungen müssen hart erkämpft werden. Aber dies soll wieder mehr intern geschehen. Der gemeinsam gefällte Entscheid darf dann nicht Tage später wieder öffentlich in Frage gestellt werden.

Ich wünsche mir auch mehr Compliance. Gesetze andere Länder müssen vor Ort eingehalten werden, genauso wie interne Richtlinien. Wollen wir unsere Glaubwürdigkeit als Branche zurückgewinnen, müssen wir zuerst aufzeigen, dass es uns damit ernst ist. Hier stehen wir klar in der Schuld.

Mehr Optimismus ist ein weiterer Wunsch an meine Branche. Wir dürfen uns nicht weiter durch das Trommelfeuer negativer Medienberichterstattung mürbe machen lassen. Der Schweizer Finanzplatz hat immer noch Trümpfe wie Stabilität, Innovationskraft, Know-how oder Finanzkraft in der Hand. Die Lage ist viel besser als die Stimmung.

Es bleiben zwei Wünsche offen:

Der zweitletzte Wunsch lautet: mehr Entschlossenheit. Er geht an die Bankiervereinigung. Vieles ist in Bewegung, die Rahmenbedingungen ändern sich laufend. Da braucht es nicht bloss gründliche Analysen, sondern auch rasche Entscheidungen, die dann konsequent umgesetzt werden.

Mein letzter Wunsch richtet sich an Sie, liebe Leserin, lieber Leser: Wir möchten auch 2013 mit unseren Blogs Denkanstösse liefern. Dafür braucht es von Ihnen Offenheit. Ich wünsche Ihnen viel davon und natürlich ebenfalls Glück und Gesundheit für 2013.

 

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