Neues vom grossen Steuerstreit

Weshalb es für Schweizer Kundenberater künftig noch teurer werden könnte, wenn ihre US-Kunden Steuern hinterziehen. Und: Droht eine neue Gefahr für Stiftungen?

Die Amerikaner prüfen momentan zwei neue Hebel, um an Gelder von US-Kunden bei Schweizer Banken zu gelangen – so könnte das Fazit zweier Meldungen des Wochenendes in etwa lauten.

•• Der erste Hebel heisst Fbar: Es ist ein Gesetz, das von US-Bürgern mit Anlagen im Ausland verlangt, dass sie jedes Jahr dem Finanzministerium ein bestimmtes Dokument einreichen.

Wer dagegen verstösst, kann gebüsst werden, und zwar im Umfang von maximal der Hälfte des im Ausland anlegten Geldes – jedes Jahr. Wie die «New York Times» nun von diversen Quellen innerhalb und ausserhalb der US-Steuerbehörde erfuhr, will der IRS ausländische Banken und Individuen (also zum Beispiel Treuhänder) ebenfalls zur Kasse bitten, wenn es zu Verstössen gegen die Fbar kommt.

Konkret: Wenn ein ausländischer Kundenberater einem US-Bürger rät, das Fbar-Dokument nicht einzureichen, so soll auch er von den US-Behörden gebüsst werden können – und zwar ebenfalls bis zur Hälfte der angelegten Kundengelder; sowie ebenfalls jedes Jahr, in dem der Kunde seiner Meldepflicht nicht nachkam.

Derzeit prüfen IRS-Juristen offenbar, ob die bestehende gesetzliche Regelung eine ausreichende Grundlage dafür bietet.

In einem Fall drohte das Justizministerium bereits mit der Fbar-Keule: Im Verfahren gegen einen angeklagten CS-Banker schrieb es in einem Communiqué Mitte März: Der Mann könnte «gezwungen werden, eine Fbar-Strafe von bis zu 19 Millionen Dollar alleine für ein Steuerjahr zu bezahlen, weshalb ihm der finanzielle Ruin droht.» Denn der Banker habe US-Kunden mit undeklarierten Konten im Umfang von mindestens 38 Millionen Dollar betreut.

Schickt die Schweiz nochmals Kundendaten?

•• Als weitere heikle Zone könnten sich die Stiftungen unter dem Dach von Schweizer Banken erweisen – dies deutet jedenfalls eine Meldung der «Sonntagszeitung» an.

Danach habe der Schweizer Staatssekretär Michael Ambühl im Rahmen des IWF-Treffens auch hochrangige US-Vertreter getroffen. Thema: Das Finanzministerium unter Eveline Widmer-Schlumpf sucht eine Globallösung für die Steuer-Altlasten des Finanzplatzes. «Der anvisierte Vertrag», so die SoZ unter Berufung auf «einen Insider», würde dazu führen, «dass die Schweiz den USA nochmals Daten von Tausenden amerikanischer Kunden offenlegen müsste – und zwar ohne dass ein zweiter Parlamentsbeschluss nötig würde.»

Als Basis diene dabei der UBS-Staatsvertrag von 2009; oder anders: Die Schweiz wäre eventuell bereit, auf Basis eines Artikels im gleichen Vertrag weitere Schritte zu gehen. Der entsprechende Artikel besagt nämlich, dass Bern bei einem «ähnlichen Verhaltensmuster von Steuerbetrug und dergleichen» auch weitere Amtshilfegesuche aus Washington prüfen werde.

Im Zentrum stünden jetzt die Stiftungen – Ambühls Projekt, so die «Sonntagszeitung», würde amerikanische Stiftungs-Besitzer «rückwirkend kriminalisieren». Denn US-Bürger, die direkt über das Stiftungsvermögen verfügten, würden nach dem angestrebten Globaldeal auf ein entsprechendes Amtshilfegesuch hin von der Schweiz verraten.

•• Wie intensiv die diplomatischen Beratungen wegen den konkreten US-Verfahren gegen Schweizer Banker sind, ist allerdings eine andere Frage. Wie die Nachrichtenagentur «Reuters» am Freitag meldete, unternimmt der Bundesrat keine Schritte im Bezug auf die US-Prozesse gegen mehrere Schweizer Kundenberater; dies sagte der Schweizer Botschafter in Washington, Manuel Sager.

«Es gibt Diskussionen, um Lösungen auf einer allgemeineren Ebene zu finden, aber nicht über individuelle Fälle», so Sager zu «Reuters».

 

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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