Unicredit will bei Commerzbank schon Anfang 2027 durchgreifen
Im Übernahmekampf um die Commerzbank erhöht Unicredit das Tempo. Konzernchef Andrea Orcel will nach Erhalt der noch ausstehenden regulatorischen Genehmigungen eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen. Dort soll die gesamte Kapitalseite des Aufsichtsrats neu besetzt werden – alle zehn Vertreter einschliesslich Aufsichtsratschef Jens Weidmann, dies melden unter anderem die Financial Times und das Handelsblatt.
Im Basisszenario könnte Unicredit bis Ende Februar 2027 die Kontrolle über Deutschlands zweitgrösste börsenkotierte Bank übernehmen. Im günstigsten Fall könnte dies bereits im Januar geschehen. Bislang war eher vom zweiten Quartal 2027 die Rede. Unicredit verfügt inzwischen über 47,6 Prozent der Commerzbank.
Auch Orlopp vor dem Aus
Mit einem neuen Aufsichtsrat dürfte auch die Zukunft von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp besiegelt sein. Orcel plant nach der Kontrollübernahme einen weitreichenden Umbau des Instituts. Orlopp hatte Anfang September selbst deutlich gemacht, dass sie Konsequenzen ziehen würde, falls zwischen Vorstand und neuem Grossaktionär keine Vertrauensbasis und keine Einigkeit über die Strategie zustande kommen.
Die strategischen Differenzen sind erheblich. Unicredit will die Kosten deutlich senken und hat allein für Deutschland den Abbau von rund 7'000 Vollzeitstellen in Aussicht gestellt. Auch das internationale Geschäft der Commerzbank soll verkleinert werden. Rund 20 Milliarden Euro an Firmenkrediten ausserhalb der Kernmärkte Deutschland und Polen könnten dabei zur Disposition stehen.
Berlin verliert an Einfluss
Speziell ist auch die künftige Rolle des deutschen Staates. Der Bund hält noch knapp 13 Prozent und ist damit zweitgrösster Aktionär. Die Bundesregierung hatte zuletzt gefordert, weiterhin mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat präsent zu sein.
Unicredit will dieser Forderung offenbar nicht folgen. Berlin hat seinen grundsätzlichen Widerstand gegen die Übernahme inzwischen allerdings abgeschwächt und konzentriert sich stärker auf Bedingungen für einen Zusammenschluss. Dazu zählen etwa der Erhalt des Hauptsitzes in Frankfurt, das Mittelstandsgeschäft sowie die Interessen der mehr als 40'000 Beschäftigten.
HVB-Fusion als nächster Schritt
Die Kontrollübernahme wäre dabei wohl erst der Anfang. Orcel hat einen mehrjährigen Umbau der Commerzbank in Aussicht gestellt. Anschliessend könnte sie mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) zusammengeführt werden.














