Partners Group: Warum ausgerechnet die Gründer jetzt zur grössten Hoffnung werden

Partners Group ist eine der grossen Erfolgsgeschichten des Finanzplatzes Schweiz. Aus dem 1996 gegründeten Unternehmen ist ein globaler Private-Markets-Konzern mit 186 Milliarden Dollar verwalteten Vermögen geworden. Doch in diesem Jahr ist das Unternehmen unter Druck geraten.

Sorgen um das Geschäft mit Evergreen-Fonds, ein schwächeres Ergebnis und der kräftige Rückgang des Aktienkurses haben das Vertrauen von Investoren belastet. Im September kündigte Partners Group dann einen Wechsel an der operativen Spitze an: Roberto Cagnati und Juri Jenkner sollen Anfang 2027 als Co-CEOs übernehmen. Der bisherige CEO David Layton wechselt in die Rolle des Chief Investment Officer.

Für Klaus Biermann und Jonas Neff vom Zürcher Executive-Search-Unternehmen BiermannNeff ist die Entwicklung mehr als eine personelle Rochade. Sie sehen darin die Chance, Strukturen anzupassen und das Unternehmen wieder stärker auf seine ursprünglichen Stärken auszurichten.

Zu schnell gewachsen?

Ein Teil der heutigen Herausforderungen ist nach ihrer Einschätzung ausgerechnet eine Folge des enormen Erfolgs der vergangenen Jahre.

Partners Group sei sehr schnell gewachsen und habe dabei Strukturen und zusätzliche Führungsebenen aufgebaut, sagt Klaus Biermann. Dadurch sei in einzelnen Bereichen etwas von jener unternehmerischen Direktheit verloren gegangen, die das Unternehmen ursprünglich ausgezeichnet habe.

Biermann Neff
Klaus Biermann (links) und Jonas Neff. (Bild: zVg)

Er zieht dabei einen bewusst zugespitzten Vergleich: Partners Group habe sich in gewissen Bereichen einen «Credit-Suisse-Virus» eingefangen, in dem Sinne, dass zu viele Hierarchiestufen entstanden seien, zu viel Politik und teilweise nicht mehr klar gewesen sei, wer wofür verantwortlich sei.

Dass Partners Group nun konsequent gegensteuere, wertet Biermann positiv. Bei einem solchen Umbau könne es durchaus vorkommen, dass auch sehr gute Führungskräfte und Spezialisten das Unternehmen verlassen. Entscheidend sei, dass die Organisation wieder einfacher, direkter und schlagkräftiger werde.

Ein attraktiver Talentpool für die Konkurrenz

Für die Headhunter sind die Veränderungen bei Partners Group unmittelbar auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Führungskräfte und Spezialisten des Unternehmens seien derzeit offener für Gespräche über einen Wechsel.

Das bedeute allerdings keineswegs, dass die Qualität der Betroffenen schlecht sei. Im Gegenteil: Jonas Neff bezeichnet die Qualität vieler Professionals, die derzeit auf den Markt kommen, als ausserordentlich hoch.

Klaus Biermann spricht entsprechend von einem «tollen Talentpool» für andere Finanzunternehmen. Viele dieser Professionals seien heute bereit, sich neue Plattformen anzuschauen.

Allerdings gilt: Je höher die Hierarchiestufe, desto kleiner wird der Markt für vergleichbare Positionen.

Eine europäische Führungsfunktion oder die Leitung eines grossen institutionellen Geschäfts lasse sich nicht beliebig ersetzen. Wer wechseln wolle oder müsse, brauche deshalb eine gewisse Flexibilität – möglicherweise auch beim Tätigkeitsgebiet und bei der Vergütung.

Private Markets werden erwachsen

Dahinter steckt nach Einschätzung der beiden Personalberater ein grösserer struktureller Wandel.

Die Private-Markets-Industrie institutionalisiert sich. Neue Anbieter drängen in den Markt, etablierte globale Häuser bauen ihre Plattformen aus und der Wettbewerb um Kundengelder nimmt zu. Damit verändert sich auch der Arbeitsmarkt.

«Die Party ist nicht vorbei», sagt Klaus Biermann. «Aber die Flamme brennt vielleicht etwas kleiner.»

Was früher ein vergleichsweise exklusiver Markt mit wenigen grossen Anbietern war, werde zunehmend breiter. Auf den Plattformen grosser Vermögensverwalter konkurrieren inzwischen zahlreiche Private-Markets-Häuser um Kapital.

Für Partners Group bedeutet das: Selbst wenn der Markt insgesamt wächst, verteilt sich der Kuchen auf mehr Anbieter.

Strukturen mussten angepasst werden

Kritisch sehen die beiden Headhunter einzelne Entwicklungen in der Führungsstruktur der vergangenen Jahre.

Aus Sicht von Klaus Biermann ist insbesondere die Nähe der Unternehmensführung zum Hauptsitz wichtig. Ein CEO oder eine andere zentrale Führungsperson müsse dort ausreichend präsent sein, wo sich «Herz und Seele» des Unternehmens befänden.

Gerade bei einem Unternehmen, dessen Kultur stark von seinen Gründern geprägt worden sei, lasse sich Führung nur begrenzt geografisch entkoppeln.

Vor diesem Hintergrund erhält der angekündigte Führungswechsel zusätzliche Bedeutung. Cagnati und Jenkner sind beide langjährige Partners-Group-Manager. Layton bleibt dem Unternehmen als CIO erhalten. Partners Group selbst begründet die neue Führungsstruktur damit, das Unternehmen für den nächsten Wachstums- und Transformationszyklus aufzustellen.

Die Gründer als Trumpf

Die entscheidende Stärke von Partners Group sehen Klaus Biermann und Jonas Neff dort, wo alles begonnen hat: bei den Unternehmern hinter dem Unternehmen.

Die Mitgründer Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach sind weiterhin als Executive Members im Verwaltungsrat vertreten. Steffen Meister, der 2000 zu Partners Group stiess und das Unternehmen von 2005 bis 2013 als CEO führte, ist Executive Chairman.

Für Biermann ist genau das einer der wichtigsten Gründe, weshalb er die aktuelle Situation trotz aller Herausforderungen positiv beurteilt.

Die Gründer und langjährigen Führungspersönlichkeiten kennen das Unternehmen, seine Kultur und seine DNA wie kaum jemand sonst. Gleichzeitig hätten sie heute den nötigen Abstand und die Erfahrung, um Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und notwendige Veränderungen voranzutreiben.

Der Gegenwind der vergangenen Monate könne dabei sogar neue Energie freisetzen. Nach vielen Jahren starken Wachstums sei nun wieder ein Moment entstanden, in dem unternehmerischer Ehrgeiz und klare Entscheidungen gefragt seien.

«Vielleicht sind die drei Musketiere jetzt wieder stärker an Bord», sagt Biermann. «Und genau darin liegt eine grosse Chance.»

Der Umbau dürfte allerdings Zeit benötigen. Im Gespräch ist von einem Transformationsprozess über mehrere Jahre die Rede.

Operativ steht Partners Group dabei keineswegs vor einem Scherbenhaufen. Im ersten Halbjahr 2026 sammelte das Unternehmen 16 Milliarden Dollar ein. Das Management Income stieg währungsbereinigt um 12 Prozent, während die EBITDA-Marge mit 63 Prozent auf hohem Niveau blieb. Gleichzeitig gingen die Performance Fees deutlich zurück.

Auch einzelne Fundraisings zeigen die Dimension des Geschäfts: Im Juli schloss Partners Group sein viertes direktes Infrastrukturprogramm mit mehr als 15 Milliarden Dollar und ein Infrastructure-Secondaries-Programm mit mehr als 5,5 Milliarden Dollar ab.

Eine Frage des Vertrauens

Für Biermann liegt eine der wichtigsten Herausforderungen deshalb weniger im generellen operativen Geschäft als in der Wahrnehmung.

Bei institutionellen Investoren könne ein Vertrauensverlust eine Eigendynamik entwickeln. Wenn Verwaltungsräte, Anlagekommissionen oder Stiftungsräte beginnen, grundsätzlich nach den Risiken von Partners-Group-Produkten zu fragen, werde die Marke selbst zum Thema.

Gerade deshalb sei es wichtig, dass das Unternehmen jetzt sichtbar Klarheit schafft und Vertrauen zurückgewinnt.

Für Klaus Biermann ist die gegenwärtige Phase keineswegs zwangsläufig der Anfang eines Niedergangs. Im Gegenteil: Die Kombination aus Marktgegenwind, erfahrenen Gründern und der Bereitschaft, Strukturen neu aufzusetzen, könne eine echte Chance sein.

Seine Einschätzung fällt entsprechend positiv aus: Partners Group könne aus dieser Phase wieder gestärkt hervorgehen. Im Vergleich zur damaligen Credit Suisse sitzen wirkliche «Macher» am Ruder. 

Die Party ist nicht vorbei. Vielleicht beginnt gerade das nächste Kapitel.