Swiss Blockchain Federation: So kann die Schweiz bei der Finanzinfrastruktur mithalten

Die Schweiz liegt gemäss dem am Dienstag in den Räumlichkeiten der Zürcher Wirtschaftskanzlei MME präsentiertem «SBF Global Benchmark Report 2026» auf Rang 6 von 15 internationalen Finanzplätzen. 

Die von der Swiss Blockchain Federation (SBF) mit Unterstützung der Amina Bank und MME erstmals erstellte Studie vergleicht die Finanzplätze mit Hilfe von 11 Kriterien, wobei das Augenmerk der Zukunftsfähigkeit der Infrastruktur für Tokenisierung, Distributed-Ledger-Technologie (DLT), Blockchain und digitale Assets gilt.

Die Studie enthält neben der Rangliste und den Länderprofile eine Analyse der Stärken und Schwächen der Schweiz, internationale Fallbeispiele sowie «Empfehlungen zu Regulierung, digitalen Geldformen, Marktzugang, Interoperabilität, Cyberresilienz und der Verbindung von AI und Blockchain», wie es dazu heisst.

Grafik: SBF Global Benchmark Report 2026

Gemäss der SBF steht dabei nicht allein die Technologie im Zentrum. Geschäftsführer Pascal Ihle betonte an der Präsentation, dass es um die Grundinfrastruktur des Finanzsystems der Zukunft geht und damit auch um Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze, also um Fragen von strategischer Bedeutung.

Im Ranking vor der Schweiz liegen die USA, Singapur, das Vereinigte Königreich, Deutschland und Japan. Die Diagnose der Studie ist nicht neu: Die Schweiz war sehr gut gestartet (zum Beispiel mit dem DLT-Gesetz), weist eine hohe Rechtssicherheit und ein starkes Ökosystem mit spezialisierten Banken und Custodians auf. Unser Land ist zwar nach wie vor ein starker Standort, doch der Vorsprung bröckelt laufend, weil andere Finanzplätze aufgeholt haben und die Finanzmarktaufsicht Finma ihre Rolle offensichtlich anders interpretiert als noch vor ein paar Jahren.

 

Kriterien SBF klein

Grafik: SBF Global Benchmark Report 2026

Der grösste Aufholbedarf besteht gemäss der Studie in drei Bereichen.

  • Zu langsames Umsetzungstempo: Es fehlen praxistaugliche Rahmenbedingungen für Franken-Stablecoins (zurzeit läuft das Verfahren für die Revision des Finanzinstitutsgesetzes (Finig), die langen Verfahren der Finma «bremsen die Umwandlung von Rechtsklarheit in neue Geschäftsmodelle und produktive Anwendungen.»
  • Zu kleine Markttiefe, fehlende Liquidität und internationale Anbindung: Die Schweizer Marktinfrastrukturen, Banken und Custodians sollen grenzüberschreitend anschlussfähig werden und Zugang zu internationalen Emittenten, Investoren und Handelsplätzen erhalten. «Ohne diese Vernetzung bleibt selbst eine erstklassige Infrastruktur unter ihrem Potenzial.»
  • Aufholbedarf bei AI × Blockchain und Talent: Die Stärke der Schweiz in Forschung und Ausbildung wird nur selten in skalierbare Anwendungen für Compliance, Risikomanagement, Cyberresilienz und Abwicklung umgesetzt.

MME-Partner Andreas Glarner lieferte aus der Praxis Beispiele dafür, wo es bei der Finma harzt. Rulings (Vorabentscheide) dauerten mitunter zwei oder drei Jahre, und manchmal fielen die Beurteilungen ganz anders aus als erwartet und auch als von der herrschenden Lehre gesehen. Auf Fintech-Lizenzen (die Bewilligungskategorie war ursprünglich geschaffen worden, um Innovation zu fördern) warteten einige Gesuchsteller bereits seit drei Jahren. Zudem schöpfe die Finma ihren Spielraum bei Praxisänderungen (die Finma würde wohl von einer «Präzisierung» der Praxis sprechen) meist zulasten der Industrie aus, mit dem prominenten Beispiel Stablecoin.

Mutmassen über die Gründe für den Finma-Kurswechsel

Den einen Grund für den seit wenigen Jahren strikt auf die Vermeidung von Risiken fixierten Kurs der Finma, der in der ganzen Finanzbranche ein grosses Thema ist, konnte auch die SBF nicht nennen. Aber in der Diskussion wurde klar, dass verschiedene Faktoren mitspielen dürften, wie die Erfahrung mit dem Debakel der Credit Suisse oder das Fehlen von Bundesräten mit einer Affinität zu Blockchain & Co. Und das Deutschland, wo der frühere Finma-Direktor Mark Branson die Aufsichtsbehörde Bafin leitet, bei der Umsetzung der Regulierung als Vorbild für die Schweiz bezeichnet wurde, lässt tief blicken.

Die aufgrund der Diagnose vom SBF aufgestellten Forderungen sind in weiten Teilen ebenfalls nicht ganz neu.

  • Innovation und Tempo bei der Finma sollen gestärkt werden. Innovation soll wieder explizit als strategisches Ziel verankert werden. Lizenzverfahren müssen klarer, schneller und berechenbarer werden.
  • Für Franken-Stablecoins und digitale Geldformen soll ein praxistauglicher Rahmen geschaffen werden.
  • Der internationale Marktzugang soll mit entsprechenden Vereinbarungen mit anderen Ländern verbessert werden. 
  • Liquidität und Marktvernetzung sollen vertieft werden, indem Schweizer Marktteilnehmer Zugang zu internationalen Handels-, Verwahr- und Abwicklungsplattformen erhalten.
  • Technologie und Talent sollen schneller in den Markt gebracht werden. Dazu müssen Forschung, Finanzindustrie und Infrastrukturbetreiber  Anwendungen in künstlicher Intelligenz in Blockchain, Compliance, Cyberresilienz und programmierbarer Abwicklung gemeinsam vorantreiben.

Die Studie empfiehlt der Schweiz nicht, New York, London oder Singapur nachzuahmen. Vielmehr solle sie sich in einer Nische als vertrauenswürdiger, neutraler und international vernetzter Standort für institutionelle digitale Vermögenswerte zu positionieren.