Cocktail des Monats: Der Negroni, einen Ticken frischer

Letzthin in der Sacchi Bar in Zürich war einer dieser Abende, an denen man keine Marktforschung braucht. Man muss nur zuhören: den kurzen Bestellmomenten an der Bar, dem Knistern von Eis im Glas, dem selbstverständlichen «zweimal Negroni» am Tisch nebenan.

Der Negroni ist nicht einfach ein Cocktail. Er ist der Drink, zu dem man zurückkehrt – weil er zuverlässig ist, weil er Haltung hat und weil er in einer Zeit der Aromatik-Übertreibungen angenehm klar bleibt: bitter, kräutrig, präzise.

Gespräch mit dem Gastgeber

Ich hatte an diesem Abend einen Freund dabei – und wir haben Claudio Sacchi getroffen. Nicht hinter dem Tresen, sondern als Teil des Raums, als Gastgeber im Gespräch, mit dieser unaufgeregten Art, die einer Bar sofort Ruhe gibt.

Die Sacchi Bar hat in den letzten Wochen zusätzlich Aufmerksamkeit erhalten: Ein Drink und die Erwähnung im «Kaulitz Hills»-Kosmos reichen heute manchmal aus, um Menschen neugierig zu machen, die sonst an einer solchen Tür vorbeigelaufen wären. Claudio erzählte dabei auch, dass das vielzitierte «Kaulitz-Date» in Zürich noch nicht stattgefunden habe. Es sind diese kleinen popkulturellen Nebenströme, die plötzlich auf ernsthafte Bars treffen – und die Frage aufwerfen, was dann bleibt, wenn der Hype wieder weiterzieht.

Date-Bar im besten Sinn

In der Sacchi Bar bleibt vor allem eines: Qualität. Und eine Atmosphäre, die man in Zürich selten so gut in Balance sieht. Eine Date-Bar im besten Sinn: intim genug, um nah zu sein, aber nicht so eng, dass man sich beobachtet fühlt. Stil ohne Theater. Und ein Negroni, der nicht «kreativ interpretiert» werden muss, um relevant zu sein.

Natürlich haben wir nicht nur Negronis getrunken. Zwischen den rötlich-bitteren Runden haben wir auch das Wine-per-Glass-Sortiment probiert – und genau das ist ein Detail, das man dieser Bar hoch anrechnen muss.

Perlen im Glas

Das Angebot an Weinen im Offenauschank wirkt nicht wie ein Pflichtteil, sondern wie eine bewusst kuratierte Nebenbühne. Da standen tatsächlich ein paar Perlen im Raum: Weine mit Profil, die nicht nur begleiten, sondern einen Abend erweitern können. Man merkt: Hier nimmt jemand Getränke grundsätzlich ernst, nicht nur die Cocktails.

Aber zurück zum Negroni.

Liebe zu einem Klassiker

Über die Jahre haben Sie mich ja ein bisschen kennengelernt und Sie wissen: Ich liebe Klassiker. Und gerade deshalb suche ich nicht nach «neuen» Drinks, sondern nach sinnvollen Nuancen – kleinen Eingriffen, die etwas verbessern, ohne das Original zu verraten. Beim Negroni ist das besonders heikel, weil seine Genialität in der Einfachheit liegt: Gin, roter Wermut, Campari – Gleichteile, klare Architektur, eine Balance aus Bitterkeit und Kräutern, die sich seit Generationen bewährt.

Und trotzdem gibt es einen Wunsch, den ich immer wieder höre – auch bei Menschen, die Negroni lieben: «Nur einen Ticken frischer.» Nicht leichter. Nicht süsser. Einfach etwas mehr Spannung, mehr Helligkeit, ohne die Bitterkeit zu entschärfen.

Kinley Bitter Lemon als Akzent

Genau dort setzt meine Variante an. Zwei Elemente reichen: 2 cl frischer Zitronensaft und ein Splash Kinley Bitter Lemon als Topping. Zitronensaft als präziser Säurepunkt, der den Drink anhebt und die Kräuterstruktur schärft. Bitter Lemon als zitrisch-bitterer Nachhall mit Kohlensäure, der den Finish verlängert, ohne das Fundament zu verwässern.

Kinley gehört ins Portfolio von Coca-Cola – ein klassischer Mixer, der hier nicht als «Filler» dient, sondern als letzter Akzent.


Rezept – Negroni, einen Ticken frischer

… 2 cl frischer Zitronensaft<
… 3 cl Aberturret Gin
… 3 cl roter Wermut (Cocchi)
… 3 cl Campari
… Splash Kinley Bitter Lemon (Topping)

Zubereitung

Die Zutaten – bis auf das Bitter Lemon – kommen in den Shaker, werden auf Eis kräftig geschüttelt und anschliessend doppelt abgeseiht in einen passenden Tumbler. Erst dann kommt ein Splash Kinley Bitter Lemon obenauf.

Das Ergebnis ist kein „Negroni Light“. Es bleibt bitter, erwachsen, selbstbewusst. Aber er wirkt, als hätte jemand ein Fenster geöffnet: mehr Zug am Gaumen, klarere Konturen, eine lebendigere Länge. Und das Schöne daran ist: Man kann danach jederzeit wieder zum puristischen Klassiker zurückkehren – weil diese Version nicht ersetzt, sondern erweitert. Genau so, wie ein guter Abend in einer Bar funktionieren sollte.

Der Drink hat den Nachbarschafts-Test zu 100 Prozent bestanden und wurde gerne ausgetrunken,

#Cheers!


Peter Jauch ist…

… Spirituosen Sommelier mit einem Hang zu hochklassigen Cocktails und kombiniert diese gerne mit bestem Food.
… Autor von Coffee-Table-Büchern zu GIN & CHAMPAGNER.
… ein versierter Spirituosen und Champagner Tastinghost.
… zusammen mit Freunden Veranstalter eines Erlebnis-Festivals.