Jauch entdeckt: Ein Champagner-Newcomer, den Sie probieren sollten
Während der Wine Paris wurde so manch neuer Champagner gezeigt. Oft wurden neue Cuvées oder Jahrgänge von bestehenden Häusern oder Winzern zum Verkosten angeboten.
Bei Maison Pompadour ist es ein bisschen anders, denn dieses Haus gibt es offiziell erst seit letztem Jahr. Begonnen wurde mit einem Jahrgangschampagner 2017, Blanc de Blancs, aus dem grössten Clos in der Champagne, nämlich jenem hinter dem Pommery Haus.
Ein bekannter Kellermeister
Und ja, der talentierte Kellermeister ist derselbe wie von Pommery: Clément Pierlot. Bei einem Besuch während der Ernte 2025 durfte ich den 2017er bereits verkosten – ein richtig leckerer Champagner, der alles hat, was man sich von einem Blanc de Blancs wünscht. Aber heute geht es um die Basis aus dem Hause Pompadour, den Brut Réserve.
In der Champagne ist «Brut Réserve» keine glamouröse Kategorie, eher eine gnadenlos ehrliche. Hier zeigt sich, ob ein Haus sein Handwerk im Griff hat. Nicht bei der Prestige-Cuvée, die man einmal im Jahr ausführt, sondern bei jener Flasche, die auf vielen Tischen ihren Platz findet: zum Apéro, Seafood, Käse, Fleisch, Gemüse und natürlich guten Gesprächen.
Selbstbewusste Cuvée
Maison Pompadour ist dabei ein spannender Newcomer. Mit dem 2017er (97 Punkte bei James Suckling) wurde die Messlatte gleich ziemlich hochgelegt. Umso interessanter ist der Blick auf den Brut Réserve: Er zeigt, wie gut das Fundament gebaut ist.
Was «Réserve» hier wirklich heisst – und warum das nicht trivial ist
«Réserve» ist kein gesetzlich definierter Begriff. Genau deshalb ist er interessant: Er zwingt dazu, genauer hinzusehen.

Charmant zu Burger & Fries oder Gruyère: Pompadour Brut Réserve. (Bild: zVg)
Bewusst gesetzte Akzente
Bei Maison Pompadour ist der Reserve-Gedanke nicht nur Marketing, sondern wird über ein konkretes Detail erzählt: Die Liqueur d’expédition ist als eigene Cuvée gedacht – komponiert aus Reserveweinen aus dem Clos Pompadour (Produkt aus dem Hause Pommery), inklusive einer Kollektion von Vintage-Magnums (Dekade 2004–2013) und einer Perpetual Reserve des Clos Pompadour.
Das ist ein bemerkenswerter Ansatz, weil er dem Wein nach dem Degorgement einen besonderen Fokus gibt. Nicht «Abrundung um jeden Preis», sondern ein bewusst gesetzter, gereifter Baustein, der Tiefe und Komplexität bringt – und der die Cuvée eher zusammenbindet und weniger überdeckt.
Die Entdeckung
Die Réserve Pompadour wird als klassischer Blend beschrieben, erzeugt aus den drei grossen Rebsorten der Champagne: Pinot Noir, Meunier & Chardonnay – mit dem Ziel, Tradition und Eigenständigkeit in Balance zu halten. Für den Brut Réserve kommen auch Trauben ausserhalb des Clos in Frage.
Sensorisch ist das Bild auffallend klar gezeichnet: reife gelbe Frucht, ein floraler Ton (Rose), dazu Vanille, ein feiner Hauch von Toast und eine würzige Prise weisser Pfeffer. Am Gaumen ein frischer Auftakt, getragen von Mineralität, aber dennoch feine Textur, opulente Frucht und ein langes, harmonisches Finale.
Der München-Moment: Moules Japonais als Lackmustest
Wir haben dieses Produkt beim Dinner im Usagi in München serviert – kombiniert mit Moules Japonais. Und genau dort zeigte der Brut Réserve, was in ihm steckt: Muscheln bringen Salz und Textur und je nach Zubereitung auch Umami, Würze, manchmal sogar Schärfe. Das Pairing hat funktioniert, weil die Réserve Pompadour nicht nur über Perlage, sondern über Struktur kommt: Mineralität als Rückgrat, reife Frucht als Polster, Würze als Brücke.
Ich mag diese Momente am Tisch, in denen ein Champagner begleitet und gleichzeitig neugierig auf das Produkt macht. In München, zu den Moules Japonais, war genau das der Fall: Der Wein blieb präzise, der Abgang salzig-mineralisch, und plötzlich wollten alle wissen, wo und wann man das Produkt kaufen kann. Die Gäste waren geschlossen begeistert, und auch der Gastronom hat diesen Champagner als echten Treffer gefeiert.
Genuss-Tool: So servieren Sie ihn, damit er zeigt, was er wirklich kann
Temperatur
... Apéro: 8–9 °C – frisch, klar, präzise
... Auf dem Tisch: Richtung 10–11 °C laufen lassen. Dort werden Textur und Würze greifbarer.
Glas
… Ideal: Tulpenglas
… Für Food: Weissweinglas
… Die Flöte ist hübsch, aber sie beschneidet die Struktur. BITTE nie mit hochwertigem Schaumwein verwenden.
Timing: Brut Réserve baut sich im Glas oft auf:
… 1. Glas = Frucht + Frische
… 2. Glas = Textur + Toast + Würze
… Kleiner Trick: erst wenig einschenken, 2 Minuten warten, nachgiessen.
Food: drei sichere Anker (plus Ihr München-Pairing)
1) Moules Japonais
Salz/Meer + Umami brauchen Mineralität und Zug. Genau da fühlt sich diese Cuvée zuhause.
2) Hartkäse (Comté, gereifter Gruyère)
Salz + Nuss trifft auf Toast/Würze – das funktioniert fast immer, wenn der Champagner Tiefe hat.
3) Frittiertes (Tempura, Croquettes)
Champagner ist hier das präzisere Zitronenschnitzchen: Säure und Perlage räumen auf, Textur bleibt stehen.
4) Burger & Fries
Die reife Frische harmoniert wunderbar mit Salz, Kartoffeln + Rindsfleisch.
Jauch-Fazit
Maison Pompadour ist zwar jung, aber schon mit ganz schön viel Erfahrung auf dem Markt. Der Brut Réserve von Pompadour ist ein Champagner, der wunderbar in eine normale Woche passt. Schliesslich ist er balanciert, texturiert, mit einer Réserve-Idee, die tatsächlich als Handschrift gedacht ist.
Service-Hinweis: Der Champagner ist ab sofort auch im Coop Onlineshop in der Rubrik Raritäten erhältlich. Preis: menschenfreundliche 57 Franken.
«Jauch entdeckt»: Die zweiwöchentliche finews-Kolumne, in der Peter Jauch Champagner und andere Getränke für Geniesser präzise einordnet und mit Praxis-Tipps ergänzt.















