Abschaffung Eigenmietwert droht Hypothekarmarkt zu bremsen

Die Abschaffung des Eigenmietwerts könnte «Bremsspuren» an Hypothekarmarkt hinterlassen, schreiben die Autoren der am Freitag veröffentlichten Umfrage. Demnach plant jede vierte Hypothekarnehmerin beziehungsweise Hypothekarnehmer, die bestehende Hypothek teilweise oder vollständig zu amortisieren. Werden die Mitel dafür aus den Vermögen genommen, dann trifft das die Banken auch auf der Einlageseite.

Für die Untersuchung wurden vor und nach der Volksabstimmung vom 28. September 2025 insgesamt 450 Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer ab 25 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz befragt. Während sich vor der Abstimmung noch 34 Prozent für eine Rückzahlung ihrer Hypothek ausgesprochen hatten, sank dieser Anteil nach dem Ja zur Abschaffung des Eigenmietwerts auf 27 Prozent. Gleichzeitig lehnen mittlerweile 29 Prozent eine Amortisation ausdrücklich ab – beinahe doppelt so viele wie vor der Abstimmung.

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(Grafik: Moneypark)

Besonders stark zurückgegangen ist die Rückzahlungsbereitschaft in der Deutschschweiz: Dort sank der Anteil der Rückzahlungswilligen von 36 auf 25 Prozent. In der Westschweiz hingegen stieg die Bereitschaft leicht von 27 auf 31 Prozent. Neun Prozent der Westschweizer Befragten ziehen sogar eine vollständige Rückzahlung ihrer Hypothek in Betracht.

Laut Berechnungen von MoneyPark könnten in den ersten fünf Jahren nach der Abschaffung des Eigenmietwerts zwischen 30 und 80 Milliarden Franken an Hypotheken amortisiert werden. Dies dürfte das Wachstum des Schweizer Hypothekarmarktes spürbar bremsen. Der Markt wächst derzeit jährlich um rund drei Prozent beziehungsweise knapp 40 Milliarden Franken.

«Auch wenn die Rückzahlungsbereitschaft gegenüber der Zeit vor der Abstimmung gesunken ist, könnte immer noch jede vierte Person ihre Hypothek reduzieren oder vollständig zurückzahlen», sagt MoneyPark-CEO Lukas Vogt.

Die Studie zeigt zudem, dass vor allem die aktuell tiefen Hypothekarzinsen viele Eigentümerinnen und Eigentümer von Rückzahlungen abhalten. 51 Prozent der Befragten, die keine Amortisation planen, begründen dies mit den günstigen Finanzierungskosten. Besonders in der Deutschschweiz ist dieses Argument verbreitet.

Noch zeigen sich laut den aktuellen Daten der Schweizerischen Nationalbank keine Auswirkungen auf den Markt. Das Volumen neuer Hypotheken wächst weiterhin im langjährigen Durchschnitt von rund drei Prozent. Auch bei bestehenden Kundinnen und Kunden seien derzeit mehr Hypothekarerhöhungen als Rückzahlungen zu beobachten, so MoneyPark.

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(Grafik: Moneypark)

Sollten die Hypothekarzinsen künftig wieder steigen, könnte sich dies allerdings ändern. «Steigen die Hypothekarzinsen an, dürften Hypothekarnehmende vermehrt Rückzahlungen ins Auge fassen», sagt Vogt.