«Die Fusion erlaubt es uns, mit mehr Power aufzutreten – auch in der Schweiz»
Mit der Integration von AXA Investment Managers entsteht unter dem Dach von BNP Paribas einer der grössten europäischen Vermögensverwalter. BNP Paribas Asset Management reiht sich mit verwalteten Vermögen von 1,6 Billionen Euro unter den Top 3 der Asset Managern in Europa ein.
Für den Schweizer Markt eröffnet der Zusammenschluss neue Perspektiven – insbesondere im Wettbewerb mit den globalen Schwergewichten, wie Werner E. Rutsch, Head Alts Business Schweiz, erläutert.
Herr Rutsch, was bedeutet die Fusion von AXA IM mit BNP Paribas für den Schweizer Markt?
Die Fusion verändert die Ausgangslage fundamental. Dank der Fusion sind wir nun die Nummer 1 im Bereich alternative Anlagen in Europa. Das betrifft nicht nur die reine Grösse, sondern vor allem die Wahrnehmung im Markt, die Produktpalette und die internationale Schlagkraft.
Die Fusion erlaubt es uns, mit mehr Power aufzutreten – auch in der Schweiz. Gerade im institutionellen Geschäft und im Bereich Alternative Anlagen ist das ein entscheidender Faktor.
Wo sehen Sie die grössten Synergien?
Gewinnerin ist nicht nur die ehemalige AXA IM Schweiz, sondern auch die Wealth-Management-Einheit von BNP Paribas in der Schweiz. Durch den Merger konnte sie ihre Position deutlich ausbauen.
«Wir arbeiten bereits an speziellen Produkten für den Schweizer Markt.»
Im Asset Management war BNP Paribas in der Schweiz personell längst nicht so stark kotiert wie AXA IM Schweiz. Wir verfügen hier über rund 100 Mitarbeitende, ein etabliertes Netzwerk und eine starke lokale Verankerung. Das ergänzt sich hervorragend. Es ist deshalb auch kein Personalabbau vorgesehen.
Welche Bedeutung hat die Schweiz innerhalb der neuen Struktur?
Die Schweiz bleibt für uns ein strategisch enorm wichtiger Markt. Der Schweizer Markt ist anspruchsvoll, aber auch sehr innovationsgetrieben und international orientiert. Genau deshalb sehen wir hier grosses Potenzial.
Wir wollen nicht einfach nur bestehende Produkte vertreiben, sondern gezielt Lösungen entwickeln, die auf die Bedürfnisse des Schweizer Marktes zugeschnitten sind.
Können Sie das konkretisieren?
Wir arbeiten bereits an speziellen Produkten für den Schweizer Markt. Die entsprechenden Arbeiten haben unlängst begonnen. Dabei geht es insbesondere um Lösungen im Bereich Alternative Anlagen, aber auch um hybride Ansätze zwischen traditionellen und privaten Märkten.
Schweizer Investoren erwarten heute mehr als Standardprodukte. Sie wollen differenzierte Strategien, stabile Cashflows und einen klaren Mehrwert im Portfolio.
Alternative Anlagen gelten weiterhin als Wachstumsfeld. Bleibt das so?
Ja, absolut. Gerade institutionelle Investoren suchen weiterhin nach Diversifikation und stabileren Ertragsquellen. Gleichzeitig beobachten wir aber auch eine gewisse Professionalisierung des Marktes.
«Ich warne davor, Pensionskassen in eine falsche Rolle zu drängen.»
Das ist gesund. Die Phase, in der einfach Kapital in jede Private-Market-Strategie floss, ist vorbei.
Sie äussern sich kritisch gegenüber Venture Capital für Pensionskassen. Warum?
Ich warne davor, Pensionskassen in eine falsche Rolle zu drängen. Man sollte ihnen nicht eine zu hohe Risikobereitschaft aufbürden.
Venture Capital ist aus meiner Sicht das falsche Geschäft für viele Pensionskassen. Diese Institutionen haben primär einen Sicherheitsauftrag gegenüber ihren Versicherten. Sie brauchen Stabilität, Planbarkeit und langfristig robuste Cashflows.
Natürlich können innovative Anlagen punktuell Sinn ergeben. Aber man darf nicht vergessen: Die Hauptfunktion von Pensionskassen ist, stabile Renditen für ihre Versicherten zu erzielen und nicht die Start-up-Finanzierung.
Wie beurteilen Sie derzeit den Finanzplatz Schweiz?
Ich bin für den Finanzplatz Schweiz weiterhin zuversichtlich. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten zeigt sich die Stärke des Standorts. Der Iran-Konflikt hat das Potenzial des Finanzplatzes Schweiz als Safe Haven einmal mehr deutlich vor Augen geführt.
«Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten zeigt sich die Stärke des Standorts Schweiz.»
Internationale Vermögen suchen Stabilität, Rechtssicherheit und vor allem politische Verlässlichkeit. Genau hier spielt die Schweiz ihre traditionellen Stärken aus. Wir sollten dies nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Dazu müssen wir aber auch Sorge tragen.
Bedeutet das automatisch Rückenwind für die Banken und Asset Manager?
Grundsätzlich ja, aber man darf sich nicht darauf ausruhen. Der Wettbewerb bleibt intensiv, insbesondere international. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Innovation, regulatorische Stabilität und Kundennähe miteinander zu verbinden.
Die Schweiz hat dafür sehr gute Voraussetzungen – insbesondere im Wealth Management und im Bereich hochwertiger Investmentlösungen.














