Amazon: Paket der Extraklasse für den Schweizer Anleihenmarkt

Am Dienstag war es soweit: Amazon feierte das Debüt am Schweizer Kapitalmarkt. Das E-Commerce-Unternehmen, das zu den «Magnificent 7» (Mag 7) zählt und heute aufgrund seiner Aktivitäten im Cloud Computing und der damit verbundenen grossen Investitionen in Rechenzentren als Hyperscaler bezeichnet wird, lancierte seine erste Frankenemission.

Die Transaktion umfasst sechs Anleihentranchen (3, 6, 9, 12, 18 und 25 Jahre Laufzeit) mit einem Gesamtbetrag von 2,82 Milliarden Franken. Als Federführer fungierten BNP Paribas, Deutsche Bank und J.P. Morgan. Der Corporate wird von Moody's, Standard & Poor's und Fitch mit A1, AA und AA– eingestuft.

Parallelen zur Alphabet-Transaktion

Die Übungsanlage erinnert stark an die erste Debütanleihe eines anderen Hyperscaler aus den USA. Im Februar hatte sich der Konzern Alphabet (zu dem auch Google zählt) über fünf Tranchen über 3 Milliarden Franken beschafft; es handelte sich um die grösste Emission eines Auslandschuldners in der Schweiz überhaupt. Im Inland rührte nur Roche im Jahr 2009 mit einer noch etwas grösseren Kelle an und servierte Obligationen über 4 Milliarden Franken.

Wie Alphabet schöpfte auch Amazon mit den laufzeitmässig breit gestreuten Tranchen die Nachfrage über die ganze Zinskurve ab. Damien Aellen, Leiter des Franken-Syndikats bei der BNP Paribas, bestätigt gegenüber finews, dass die Transaktion die breite Investorenbasis bedient hat: Asset Manager, Private Banking, Treasurer, Versicherungen und Pensionskassen.

Gestaffelte Laufzeit, massgeschneiderte Grössen

Wie am Schweizer Kapitalmarkt mittlerweile gang und gäbe, entsprechen die emittierten Volumen der Investorennachfrage (z.B. 585 Millionen Franken für die sechsjährige Tranche).

Auch die Begründung für die Transaktion aus Schuldnersicht klingt ganz ähnlich wie im Februar. Amazon wolle seine Finanzierungsbasis diversifizieren, mit neuen Märkten und neuen Währungen, erklärt Aellen. Ein Unterschied zu Alphabet: Amazon bettete seine Premiere zeitlich nicht in ein internationales Emissionsprogramm ein, sondern trat nur in der Schweiz auf.

Strategischer Entscheid zur Diversifikation des Funding

Auslandschuldner verhalten sich oft opportunistisch, d.h., sie warten ab, bis das Marktumfeld möglichst gut ist, also z.B. die Konstellation am Swapmarkt für den Umtausch des Emissionserlöses in die Heimwährung günstig erscheint und schon lange kein ähnlicher Schuldner mehr emittiert hat.

Beide Faktoren standen bei Amazon indes nicht im Vordergrund. Dass der Nachschub an Corporates am Frankenanleihenmarkt in den letzten Wochen eher bescheiden war, sei für die Platzierung sicher ein Vorteil gewesen, räumt Aellen ein, aber nicht ausschlaggebend. «Amazon hat den strategischen Entscheid getroffen, die Investorenbasis zu verbreitern. Zudem braucht es für eine Emission dieser Grössenordnung genug Organisation und Planung, sie kann nicht rein opportunistisch ausgelöst werden.»

Wo bleibt die Schweizer Grossbank?

Auffällig ist, dass wie bereits bei der Alphabet-Transaktion wieder BNP Paribas und Deutsche Bank als Federführer zum Zug gekommen sind. Diesmal ist allerdings mit J.P. Morgan nur eine US-Bank mit von der Partie; Goldman Sachs und Bank of America sind nicht mehr dabei.

Mit Abwesenheit gleich bei beiden Hyperscaler-Transaktionen glänzt die UBS, die wichtigste Bank im Schweizer Kapitalmarktgeschäft. Über die Gründe lässt sich mutmassen. Eines ist aber ziemlich sicher: Gäbe es die alte Nummer 1 Credit Suisse noch, hätte diese wohl alle Hebel in Bewegung gesetzt, um bei beiden Transaktionen im Lead zu sein.

Mag-7-Obligationen statt -Aktien?

Dass nun schon der zweite Vertreter aus den Mag 7 (es fehlen noch Microsoft, Meta, Nvidia und Tesla) Frankenobligationen emittiert, ist für den Schweizer Markt positiv. Viele hiesige Anleger halten bereits stattliche Bestände an Mag-7-Aktien, nicht zuletzt aufgrund ihres grossen Indexgewichts. Warum nicht auch oder stattdessen mit Obligationen in US-Technologieriesen investieren?

Und wer jetzt noch ein Unternehmen vermisst, hat richtig gezählt. Apple kam bereits 2015 an den Schweizer Obligationenmarkt. Aber damals sprach noch niemand von Hyperscaler oder Mag 7.