Jauch entdeckt: Ein Rosé für den Tisch

Wenn das Gespräch auf Rosé kommt, stellt man immer wieder fest, dass ein Grossteil der Genussmenschen ein einziges Aromenprofil abgespeichert hat. Entweder ist es süsslich, üppig oder frisch undbeerig, beides beschreibt den Célébris Rosé 2009 aber nicht im Ansatz.

Beim Gosset Célébris Rosé 2009 sprechen wir von einem Prestige Champagner des ältestesten Weinhauses in der Chamapgne. Ein Rosé-Champagner, der durch seine starke Weinbasis ein perfekter Essensbegleiter ist. Dazu später mehr.

2009 war in der Champagne trotz einiger Schwierigkeiten ein warmer Jahrgang. Reife und Substanz waren in den Trauben schön ausgeprägt. Neben den Trauben spielt in diesen Jahren aber natürlich auch die Weinbereitung im Keller eine grosse Rolle. Dafür ist bei Gosset seit knapp 20 Jahren Odilon de Varine als Kellermeister mit seinem Team verantwortlich.

Tradition und ein sehr aktuelles Geschäftsmodell

Gosset gilt als das älteste Weinhaus der Champagne. Für die Marke wurde 2009 auch organisatorisch zu einem Schlüsseljahr: Neben der Produktion des Célébris bezog man kurz vor der Ernte die neue Heimat in Épernay. Möglich wurde das durch den Kauf eines vollständig eingerichteten Anwesens von Laurent-Perrier. Laurent-Perrier hatte diese Liegenschaft über die Akquisition von Château Malakoff im Besitz behalten.

Bernard de Nonancourt, der Laurent-Perrier bis zu seinem Tod 2010 prägte, wünschte sich für das Anwesen ein familiengeführtes Champagner-Haus als Nachfolger. Für Gosset passte das in mehrfacher Hinsicht: In Aÿ waren die bestehenden Räumlichkeiten längst an ihre Grenzen gestossen, und gleichzeitig wurde Gosset seit 1993/1994 von der Familie Renaud-Cointreau/Cointreau geführt.

Wenn der Traubenpreis wichtig bleibt

Aus ökonomischer Perspektive ist Gosset in einem Punkt bemerkenswert offen: Rund 99 Prozent der Trauben werden zugekauft, wie man während einer Führung in Épernay erfährt. Das bedeutet bei einem Traubenpreis zwischen 8 und 14 Euro pro Kilo ein grosses Investment bei jeder Ernte. Für die Produktion einer Flasche werden 1,4 Kilo Trauben benötigt, für die Jahresproduktion von Gosset somit jährlich mindestens 1'400'000 Kilogramm.

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Trockenheit und Klarheit prädestinieren den Célébris Rosé 2009 als Essensbegleiter. (Bild: zVg)

Dass Gosset heute kaum über eigene Weinberge verfügt, hat auch damit zu tun, dass die Marke ihre Rebflächen über die Jahre weitestgehend verloren hat. Dieses Muster findet sich in der Champagne immer wieder, wenn Marken den Besitzer wechselten und der Fokus vermehert auf den Weinbergen als auf der Identität des Hauses gelegt wurde. Das ist kein Makel, aber es verändert die Aufgabe: Qualität entsteht dann nicht über die eigenen Parzellen, sondern über Selektion, Verträge, Kontinuität mit Winzerfamilien und über die Fähigkeit, aus zugekauftem Lesegut einen Stil zu bauen, der wiedererkennbar bleibt.

Zwei Stimmen, die den Stil erklären

Bei Gosset tragen diese Arbeiten zwei Namen. Odilon de Varine führt als Kellermeister und Geschäftsführer die Geschicke des Hauses. An seiner Seite arbeitet seit knapp einem Jahr Pierre de Caffarelli, als Head of Oenology. Nach der Führung durch die Räumlichkeiten in Épernay, die in einem Tasting mündete, fielen Sätze gesagt, die nicht nach Aussagen aus einer Werbebroschüre klangen, sondern nach Handwerk und klarer Rollenteilung.

Odilon machte sinngemäss klar, warum bei Gosset selten über «Prozentziele» gesprochen wird: Es geht nicht darum, eine Zahl zu erreichen, vielmehr um den Wiedererkennungswert des Geschmacks – die Prozentzahlen ergeben sich daraus.

Er zeichnete das Zielbild für Rosé sehr deutlich: fein, elegant, leicht zu trinken. Dabei spielt die Farbe des Rosé eine sekundäre Rolle. Ein Grund, weshalb die Tastings nach den Blendings immer in schwarzen Gläsern stattfinden. Ein wiederkehrendes Geschmacksbild wird für die Basis-Range-Rosés angestrebt.

Pierre setzt an einem Punkt an, den viele unterschätzen, der aber den Charakter von Rosé-Champagner stark prägt: Gosset produziert Rosé als Blend mit eigenem Rotwein, nicht über das Mazerations-/Saignée-Verfahren. Und er ergänzte den Satz, der für diesen Artikel fast der Schlüssel ist: Rosé darf fruchtig sein – aber bitte nicht nur fruchtig.

Darum gibt es ihn nur als Rosé

Gosset bringt Célébris 2009 ausschliesslich als Rosé heraus. Kein Blanc daneben, keine zweite Variante fürs Regal. Das ist selten und genau deshalb interessant. Es ist eine klare Entscheidung, in den besten Jahren nur das Beste für den Gosset-Stil zu kreieren.

Die Eckdaten sind rasch erzählt – und trotzdem erklären sie erstaunlich gut, warum der Célébris Rosé 2009 im Glas so wirkt, wie er wirkt: 70 Prozent Chardonnay, 30 Prozent Pinot Noir, dazu neun Prozent Rotwein aus Bouzy und Cumières, und eine Dosage von drei Gramm pro Liter im Extra-Brut-Bereich. Das ist eine Bauweise, die den Champagner trocken hält und ihm eine klare Linie gibt, wodurch er nicht auf den schnellen Apéro-Effekt angewiesen ist, sondern am Tisch wirklich Sinn macht.

Im Geschmack steht deshalb weniger die rote Frucht im Vordergrund als eine präzise Kontur, die mit etwas Temperatur sogar noch besser zur Geltung kommt. Wer ihn nicht eiskalt serviert, merkt schnell, dass er für den gedeckten Tisch gemacht ist – dort, wo ein Champagner nicht nur erfrischen soll, sondern Speisen tragen darf.

Ein Detail aus dem Tasting trifft einen Nerv, weil es so oft falsch gelesen wird. Viele interpretieren reife Champagner gerne als «Holz». Pierre formulierte sinngemäss: Was manche für Holz halten, ist oft schlicht und einfach Zeit.

Warum Jakobsmuschel mit Kaffeesauce ein guter Test ist

Seafood wurde als natürlicher Partner genannt, und als Prüfstein fiel eine Kombination, die hängen bleibt: Jakobsmuscheln mit Kaffeesauce. Das klingt nach Kontrast, ist aber ein ehrlicher Test. Wenn ein Rosé-Champagner, das trägt, ohne süss zu werden, ohne metallisch zu wirken, wenn er dabei sauber bleibt, dann ist er nicht «Rosé für den Moment», sondern Wein.

Drei Begleiter, die sehr gut harmonieren:

… Thunfisch (Tataki oder Tatar): Salz, Protein, Trockenheit.
… Geflügel mit Röstaromen: Poularde, Pilz, ein Hauch Zitrus
… Charcuterie: luftgetrocknet, elegant gewürzt, nicht schwer.


Genuss-Tool:

… Temperatur: Nicht eiskalt starten. Bei einer Temperatur um 10°C wirkt er am saubersten; ein paar Grad im Glas tun ihm gut.
… Glas: Keine Flöte!!! Tulpenglas oder ein kleines Rotweinglas – damit er nicht nur «sprudelt», sondern Wein bleibt.
… Timing: Das erste Glas ist Einstieg. Nach ein paar Minuten wirkt er ruhiger und klarer.

Schweiz-Hinweis: Martel Weine führt und präsentiert den Célébris Rosé 2009 in der Schweiz im Herbst 2026.

Jauch-Fazit

Célébris Rosé 2009 ist kein Rosé, der über rote Früchte überzeugen will. Er ist ein Rosé, der über Trockenheit, Klarheit und Essen funktioniert. Und er ist ein gutes Beispiel dafür, was ein Haus leisten muss, wenn es, wie Gosset, fast alles zukauft: Auswahl, Beziehungen, Konsequenz im Keller. Oder sinngemäss mit Odilons Logik: Die Prozentzahlen sind nicht das Ziel – sie sind die Folge davon, dass der Geschmack stimmen muss.


«Jauch entdeckt»: Die zweiwöchentliche finews-Kolumne, in der Peter Jauch Champagner und andere Getränke für Geniesser präzise einordnet und mit Praxis-Tipps ergänzt.