Argentinien: Staatsbürgerschaft für 350'000 Dollar
Argentinien hat die Details seines neuen Programms für Staatsbürgerschaft gegen Investition vorgelegt. Wirtschaftsminister Luis Caputo und Kabinettschef Diego Santilli stellten es an der «Argentina Week» in Paris vor. Anträge sollen ab dem vierten Quartal 2026 möglich sein, wie Henley & Partners in einer Medienmitteilung schreibt.
Zwei Wege führen zum Pass: ein nicht rückzahlbarer Beitrag von 350'000 Dollar an die Staatskasse oder die Zeichnung einer eigens geschaffenen Staatsanleihe über 800'000 Dollar. Die Regierung verspricht Prüfungen nach den Standards von OECD und FATF, etwa zu Mittelherkunft, Strafregister und Reputation.
Doppelt so teuer wie die Karibik
«Das Programm ist vergleichsweise attraktiv», sagt Philippe May auf Anfrage von finews. Er ist CEO von EC Holdings, einem Beratungsunternehmen für Wohnsitz und Staatsbürgerschaft mit Sitz in Singapur, und führte zuvor Arton Capital in Singapur. Die Kosten lägen etwa beim Doppelten eines kleinen Karibikstaats.
Als Steuerwohnsitz für vermögende Neubürger sei Argentinien zwar ungeeignet. Dafür tauge der Pass als «Plan B»: als Rückzugsort im Krisenfall.
Prepper und schwache Pässe
Länder- oder branchenspezifische Zielgruppen hat die Regierung nicht genannt. May erwartet deshalb ein buntes Bewerberfeld. Einerseits Staatsangehörige ärmerer Länder mit schwachem Pass, die vor allem visumfrei reisen wollen.
Andererseits europäische und amerikanische «Prepper», die sich auf Krisenszenarien vorbereiten, bis hin zu einem dritten Weltkrieg. Wer dagegen tatsächlich nach Argentinien auswandern wolle, brauche das Programm kaum.
Workshops und eine annullierte Ausschreibung
Henley & Partners hebt hervor, man habe sich in einer Reihe von Workshops und Gesprächen konstruktiv mit der argentinischen Regierung ausgetauscht. Das Land verfüge über beträchtliche Stärken, lässt sich CEO Juerg Steffen zitieren. Man wolle das Programm international bekannt machen.
Gemäss May hat es eine öffentliche Ausschreibung für Beratungsfirmen gegeben, und ein Konsortium sei ausgewählt worden. Im Frühjahr 2026 sei der Entscheid aber annulliert worden. «Aufgrund der öffentlich verfügbaren Informationen über ähnliche Programme und der im Bieterverfahren gewonnenen Erkenntnisse war die Regierung durchaus in der Lage, dieses Programm weitgehend selber zu erstellen.»
Zwei Türen, eine Strategie
Henley stellt den Pass ausdrücklich auch in den Dienst der Rohstoffstrategie der argentinischen Regierung.
Präsident Javier Milei habe im September vor der UNO-Generalversammlung neben dem Energiepotenzial gezielt die kritischen Mineralien des Landes hervorgehoben, heisst es in der Mitteilung.
Die Bedeutung des Programms reiche «über den Rahmen der Staatsbürgerschaft hinaus», sagt Philippe Amarante, bei Henley für die Regierungsberatung zuständig. Die Stärken in Energie, kritischen Mineralien, Nahrungsmittelproduktion, Technologie und Humankapital gäben Argentinien «eine ungewöhnlich breite Plattform», um international mobiles Kapital anzuziehen.
Glencores neue Kupferminen
Für die grossen Summen im Bergbau hat die Regierung allerdings ein eigenes Instrument geschaffen: das Investitionsregime RIGI, das Grossprojekten Steuer-, Zoll- und Regulierungsstabilität für 30 Jahre garantiert. Wie es wirkt, zeigt der Zuger Rohstoffkonzern Glencore.
Am selben Tag, an dem Henley das Passprogramm verkündete, erhielt er die RIGI-Zulassung für sein Kupferprojekt MARA in Catamarca, veranschlagt auf rund 4 Milliarden Dollar. Für El Pachón in San Juan sind weitere 9,5 Milliarden vorgesehen.















