Francesco de Ferrari: «Ich bin auch ein Schweizer»

Francesco de Ferrari, Head of Private Banking Asia Pacific, CEO Southeast Asia

Francesco de Ferrari, Head of Private Banking Asia Pacific, CEO Southeast Asia

Während die Credit Suisse hierzulande scheinbar in grossen Nöten zu versinken droht, eilt die Bank in Fernost von Erfolg zu Erfolg. Ein Mann sticht dabei heraus.

Francesco de Ferrari wird der ganzen Diskussion um die Probleme bei der Credit Suisse manchmal etwas überdrüssig. Denn wenn er seine Zahlen auf den Tisch legt, sieht die Welt anders aus. Unter seiner Ägide generierte die Schweizer Grossbank in Asien über die vergangenen vier Jahre allein im Private Banking insgesamt 70 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern – knapp 18 Milliarden Franken im letzten Jahr, davon 3 Milliarden Franken im «schwierigen» vierten Quartal 2015.

Das muss uns erst einmal jemand nachmachen, sagt der 46-jährige de Ferrari sehr entspannt im Gespräch mit finews.ch in Singapur. Natürlich räumt auch er ein, dass die im vergangenen Oktober angekündigte Reorganisation der CS unter dem neuen Chef Tidjane Thiam noch nicht die Erwartungen erfüllt habe, und dass der Verlust im vierten Quartal sozusagen eine Anpassung an die neue Strategie war.

Eigenständige Region

Doch aus Sicht de Ferraris, der 2002 zur CS stiess, hätte die jüngste Restrukturierung der Bank nicht besser ausfallen können. Denn seither bildet der asiatische Markt innerhalb der Organisation eine eigenständige Region (APAC), in der die beiden Abteilungen Private Banking und Investmentbanking eng miteinander zusammenarbeiten.

Was in der Schweiz nun mit Nachdruck durchgespielt werden soll, wie finews.ch unlängst berichtete, ist in Asien seit einigen Jahren courant normal, nämlich eine Bank, die sich an vermögende Unternehmer richtet und dabei deren finanzielle Bedürfnisse sowohl geschäftlich wie auch privat abholt.

Die Unternehmer-Bank

«Das bieten nur wenige globale Banken», erklärt de Ferrari und nimmt zur Illustration eine Grafik zur Hand, die zeigen soll, wie entlang des Kundenzyklus’ bei einem Unternehmer zuerst die Investmentbank zum Zug kommt und danach mehr die private Vermögensverwaltung (vgl. nachstehende Grafik).

CS Grafik 502

«Unsere Stärke liegt klar in der gesamten Beratung solcher (vermögender) Unternehmer-Kunden», erklärt de Ferrari und betont dabei auch, dass – im Gegensatz zu anderen Banken – die Credit Suisse (in Asien) nicht die Absicht habe, sich im so genannten Mass-Affluent-Geschäft (Kunden mit einigen hunderttausend Franken) auszubreiten. «Das erfordert eine andere Infrastruktur, die wir nicht haben», sagt der Banker. Stattdessen bekräftigt er die Pläne der Bank, den Bestand an Kundenberatern in der Vermögensverwaltung über die nächsten drei Jahre um rund 200 Personen auszubauen.

Unterwegs auf einem Marathon

Gerade diese Ansage sorgte im vergangenen Oktober für einige Verwunderung, gilt doch der asiatische Markt an Private Bankern als ausgetrocknet. Doch de Ferrari winkt ab und zieht auch da ein paar Zahlen heran. Allein im vergangenen Jahr habe die CS in Asien unter dem Strich rund 70 neue Kundenberater engagiert, was die Gesamtzahl auf 590 erhöht habe. Inzwischen liege man bereits über 600, und wenn man mit einem anhaltenden Plus von jährlich 70 Kundenbetreuern ausgehe, werde man bis 2018 tatsächlich bei den anvisierten 800 sein.

Finden will de Ferrari all diese Leute einerseits im firmeninternen Nachwuchs und andererseits bei der Konkurrenz. Denn der CS-Banker rechnet noch mit allerhand Umwälzungen in der Branche. «Wir, und damit meint der die Private-Banking-Branche in Asien, sind auf einem Marathon. Doch manche Konkurrenten meinten, sie könnten die ersten zehn Kilometer sprinten. Dabei befinden wir uns bestenfalls in der Hälfte dieses Marathons», erklärt de Ferrari – was sich dahingehend interpretieren lässt, dass nicht alle Banken dieses Rennen bis zum Schluss bestreiten werden.

Unterschiedliche Wege

Angesichts dieser Perspektiven wird klar, dass die CS mit ihrer neuen Ausrichtung definitiv einen anderen Weg eingeschlagen hat, als beispielsweise die UBS, die in Asien zwar nach wie vor unangefochten die Nummer eins in der Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatpersonen (Wealth Management) ist, nun aber aus Wachstumsüberlegungen auch mit dem Mass-Affluent-Geschäft liebäugelt – namentlich in China, wie in der Singapurer Finanzszene derzeit eifrig kolportiert wird.

Vor diesem Hintergrund deutet einiges darauf hin, dass die beiden Schweizer Grossbanken fortan auf unterschiedlichen Wegen zum Erfolg kommen wollen. In den vergangenen Monaten ist auch viel darüber philosophiert worden, wie schweizerisch eigentlich noch unsere Grossbanken sind – namentlich die Credit Suisse mit ihrer Herkunftsbezeichnung im Firmennamen.

Francesco de Ferrari, der auf Grund seines klingenden Namens stets für einen waschechten Italiener gehalten wird, begegnet auch dieser Diskussion gelassen und meint schmunzelnd: «Ich bin auch ein Schweizer, aus Oberkirch im Kanton Luzern. Das können Sie ruhig schreiben.»

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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