Andrea Orcel: Erste Kampfansage an die «Workaholic»-Kultur

Andrea Orcel, UBS Investment Bank (Bild:Keystone)

Im Investmentbanking ist der Arbeitsdruck so hoch, dass der Job insbesondere für Junior-Banker nicht mehr attraktiv ist. Auch die UBS hat das Problem erkannt; dort verschenkt Andrea Orcel jetzt Freizeit.

Das Vorbild von Andrea Orcel, dem Präsidenten der UBS Investmentbank, ist Kopenhagen. Dort sei ab fünf Uhr Nachmittags kein Banker mehr im Büro. Alle würden ihre Kinder von der Schule oder aus dem Hort abholen und später noch von zu Hause arbeiten, sagte Orcel in einem Interview mit der Nachrichtenagentur «Reuters».

Diesem Vorbild will Orcel nun nacheifern, wozu er Folgendes eingeführt hat: Die Mitarbeiter in der UBS Investment Bank dürfen nun zwei Stunden ihrer Arbeitszeit pro Woche für persönliche Angelegenheiten nutzen – wie, sich um ihre Familien kümmern oder für einen Marathon trainieren, wie Orcel ausführte.

Miserable Work-Life-Balance

Die Initiative läuft unter dem Namen «take two» und gilt für 6'000 UBS-Investmentbanker. Das Ziel: Die zwei Stunden Freizeit pro Woche sollen für eine bessere Work-Life-Balance sorgen und damit die Mitarbeiter bei der Stange halten.

Beides sind aktuelle Problemfelder im Investmentbanking. Denn der Kontrast in den Hochburgen London und New York zu dänischen Bankenmetropole Kopenhagen ist riesig: Die miserable Work-Life-Balance ist Legende – vor allem bei Junior Bankern, welche Analysen und Präsentationen bei anstehenden Deals erstellen müssen.

Tragischer Fall

«The magic roundabout» ist Investmentbanker-Slang und bedeutet, dass ein Mitarbeiter erst nach Tagesanbruch mit dem Taxi nach Hause gekommen ist, dieses aber warten lässt, um frisch geduscht gleich wieder zurück in die Bank zu fahren.

Für weltweites Aufsehen sorgte 2013 der Tod des deutschen Praktikanten Moritz Erhardt bei der Bank of America in London, der auf Grund der Arbeitslast zusammengebrochen war. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er einen epileptischen Anfall erlitten habe – aber der tragische Fall sorgte für Schlagzeilen zu den 100-Stunden-Wochen und Nächten ohne Schlaf, die junge Banker erdulden müssen.

Tech ist cooler

Das zweite Problemfeld: Investmentbanker zu werden ist auch deswegen für Uni-Abgänger nicht mehr so erstrebenswert, wie in den goldenen Zeiten. Lieber suchen sie sich Jobs in der boomenden Tech-Branche, die ebenso gut zahlt und bessere Zukunftsaussichten bietet.

«Unsere Branche wird oft für die schlechte Work-Life-Balance kritisiert», sagte Orcel weiter. Also seien die Mitarbeiter eingeladen worden, Vorschläge zu bringen. Das Ergebnis sind diese zwei Stunden pro Woche. Diese können Mitarbeiter einziehen, sofern ihr Wegbleiben durch die Präsenz eines Kollegen gedeckt ist.

Nimm zwei, gib zwei

Was die UBS also einführt, ist laut Orcel ein «Geben und Nehmen». Zieht ein Banker seine zwei Stunden Freizeit ein, wird er das nächste Mal zwei Stunden hergeben müssen, wenn ein Kollege wegbleiben möchte. Daraus ergibt sich rein rechnerisch für die Angestellten ein Null-Summenspiel bezüglich mehr Freizeit. Aber es ist ein Anfang.

«Wir zwingen unsere Mitarbeiter nicht, länger oder weniger lang zu arbeiten», so der UBS-Manager weiter. «Niemand mag es, gezwungen zu werden.» Die UBS verlange bloss, dass die Mitarbeiter ihren Job erledigten, während sie nun Zeit für mehr Flexibilität zugesprochen erhielten.

Störende Workaholic-Kultur

Orcel ist die Workaholic-Kultur ein Dorn im Auge, die sich ändern müsse. Doch muss er gleichzeitig einräumen, dass ein Kulturwandel wohl nur sehr schwer herbeizuführen ist.

«In einer idealen Welt bräuchte es unsere Initiative nicht, der Wandel käme ohnehin,» so der Investmentbank-Chef. Für jetzt bringe die UBS-Initiative immerhin eine gewisse Verbesserung der Work-Life-Balance.

Das Bedürfnis ist offenbar da, denn bereits in der ersten Woche nach dem Start haben 145 Investmentbank-Teams das Programm aufgenommen.

Mehrere Massnahmen

Die Dringlichkeit solcher Initiativen zu Steigerung der Attraktivität des Berufs ist in der Branche offenbar hoch: So hat die UBS auch ein Programm namens «Rotation 100» eingführt, welches 100 Jung-Bankern ermöglicht, in anderen Bankbereichen zu arbeiten.

Die UBS-Rivalin Credit Suisse (CS) ergriff etwa Massnahmen, die einen rascheren Aufstieg auf der Karriereleiter ermöglichen oder auch die Boni erhöht. Jetzt hat die CS ihren Investmentbankern in London verordnet, Freitagabend jeweils bis spätestens 19.00 Uhr das Büro zu verlassen und bis Samstagmittag nicht zurückzukehren – ausser es steht ein grosser Deal an.

Auch J.P. Morgan gehört zu den Banken, welche Freizeit verordneten: Sie wies ihre Associates und Analysten an, ein Wochenende im Monat für die Bank nicht erreichbar zu sein.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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