M&G: «Man bekommt im Leben nichts geschenkt»

James Tomlins, M&G

James Tomlins, M&G

Rendite ohne Rohstoff-Risiko: Es gebe vier Wege, wie man am US-Markt für Hochzins-Anleihen auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen könne, sagt James Tomlins von M&G.

Von James Tomlins, Fondsmanger M&G Global Floating Rate High Yield Fund

Im Anschluss an einen weiteren Ausverkauf hat der US-Hochzins-Anleihenmarkt erneut die psychologisch bedeutungsvolle Renditemarke von 8 Prozent erreicht. Dies ist ein wichtiges Bewertungssignal, das ihren Teil dazu beigetragen hat, die Investoren wieder zurück an die Märkte zu locken.

Der letzte Renditeanstieg wurde allerdings teilweise vom Sinkflug der Rohstoff-Preise gefördert, nicht zuletzt dank eines niedrigen Öl-Preises (WTI knapp über 40 Dollar). Energie-Emittenten machen bis zu 12,7 Prozent des US-Marktes für Hochzinsanleihen aus und sind deshalb nicht gerade unbedeutend.

Diese Renditebewegungen können denn auch nicht unterschätzt werden. Was der These von «billigen» US-Hochzins-Anleihen auf diesem Niveau meist entgegengehalten wird, ist, dass sie «aus einem bestimmten Grund» billig sind.

Höhere Renditen ohne höheres Risiko?

Gibt es einen Ausweg aus dieser Situation? Können Investoren von hohen einstelligen Gesamtrenditen profitieren, ohne ein erhöhtes Rohstoffrisiko einzugehen, das mit dem Kauf der Anleihen von verschuldeten Öl- und Gasproduzenten Hand in Hand geht?

Die kurze Antwort lautet «in gewisser Weise». Sie können von hohen einstelligen Renditen profitieren, nicht jedoch ohne Kompromisse. Hier sind vier potenzielle Wege, genau dies zu tun:

1. Commodity Free

Dies wäre ein Portfolio, das Energie und Stahl sowie den Metall- und Bergbau-Sektor ausschliesst. Sie machen 17,5 Prozent des Gesamtmarktes aus. Das Portfolio kann allerdings ein anteilsmässig gleich gewichtetes Volumen an den restlichen Rohstoffen halten. Die Gesamtrendite eines solchen Portfolios würde ungefähr bei 6,8 Prozent liegen und führt als grösste Sektoren Banken und Telekommunikation.

2. Commodity Lite

Wie wäre es mit einem Portfolio, das Ihnen eine Gewichtung von 50 Prozent in den Sektoren Energie, Stahl, Metall- und Bergbau gibt (das heisst eine mehr handhabbare kombinierte Gewichtung von 8,7 Prozent)? Gegenwärtig würde dieses Szenario eine Rendite von 7,5 Prozent produzieren, vergleichsweise also nur wenig niedriger als die 8,0 Prozent Gesamtrendite am Markt. Dieses Szenario eignet sich vermutlich für Investoren, in deren Meinung bereits eine Menge in den Credit Spreads der mit Rohstoffen in Zusammenhang stehenden Sektoren eingepreist ist.

3. Hebel

Ist die 8 Prozent Rendite in Stein gemeisselt, dann kann sie bei einem «Commodity Free US-High-Yield-Portfolio» durch eine moderate Verschuldung erreicht werden. Es wäre ein Engagement von brutto 116 Prozent notwendig, um den Renditeausfall wettzumachen, das heisst ohne die Finanzierungskosten zu berücksichtigen. Ein «Commodity-Lite-Portfolio» würde ein Engagement von brutto 106 Prozent bedürfen, was leichter zu bewältigen wäre. Viele Investoren sind aber aus gutem Grund entweder nicht in der Lage oder nicht bereit, so wie wir, in ihren Portfolios Hebeleffekte einzusetzen.

4. Langläufer

Ist die Priorität, das potenzielle Gewinnpotenzial durch engere Spreads (und die assoziierten Kapitalgewinne) mitzunehmen, so kann dies unter anderem über den Kauf von länger laufenden Anleihen von ausserhalb des Rohstoffsektors geschehen. Auf diese Weise wird mit der Marktrally Schritt gehalten ohne sich bei Rohstoffen zu engagieren. Der US-Markt für Hochzinsanleihen hat eine Credit-Spread-Duration von 4,1 Jahren, das heisst für jede Spread-Bewegung von 100 Basispunkten kommt es zu einem Kapitaleffekt von rund 4,1 Prozent.

Dasselbe Gewinnpotenzial

Bei einer Adjustierung der Spread-Differenzen zwischen Sektoren – eine proportionale Bewegung der Credit Spreads am Markt insgesamt vorausgesetzt – hat ein «Commodity-Free-Portfolio» mit 4,9 Jahren Credit-Spread-Duration in unseren Augen dasselbe Gewinnpotenzial.

Dieselbe Zahl für ein «Commodity-Lite-Portfolio» wäre 4,4 Jahre. Die Kehrseite ist, dass sich die Spread-Duration nur schwer von der Zinsduration trennen lässt und deshalb diese Strategie auch mehr den Bewegungen der Renditen-Strukturkurve der US-Schatzpapiere ausgesetzt ist.

Ausfall-Risiken akzeptieren

Man bekommt im Leben jedoch nichts geschenkt. Wer 8 Prozent Rendite will, der muss mit dem Engagement in volatileren Sektoren leben und die damit einhergehenden Ausfall-Risiken akzeptieren.

Wie wir allerdings ebenfalls hier illustriert haben, lassen sich auch bei einer Reduzierung der Rohstoffrisiken auf ein Minimum gleichzeitig noch relativ attraktive Renditen verzeichnen.

 

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