Investmentbanken vor Rekordjahr, Nichtbanken legen stärker zu

Das globale Corporate und Investment Banking (CIB) dürfte 2026 einen neuen Rekord erreichen. Einschliesslich der Aktivitäten von Nichtbanken und im Private-Credit-Geschäft erwartet die Boston Consulting Group (BCG) laut Mitteilung einen Umsatz von rund 1,12 Billionen US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von gut sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die klassischen Banken schätzten die Berater Erträge von 907 Milliarden Dollar, gut 6 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. 

Bis 2030 soll der Gesamtmarkt auf rund 1,39 Billionen Dollar anwachsen. Damit hat BCG ihre bisherige Prognose von 1,31 Billionen Dollar nach oben korrigiert. Die Zahlen stammen aus dem am Mittwoch veröffentlichten Corporate and Investment Banking Report 2026 mit dem Titel «A Golden Window for Growth». Demnach sind die Erträge in den vergangenen sechs Jahren stetig gestiegen. Seit 2023 gibt es zudem Schätzungen über die Einnahmen bei den Nichtbanken (siehe Grafik).

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Quelle: BCG

Die Schweiz kommt in der Studie nicht explizit vor, klar ist hier die UBS nach der Übernahme der CS entscheidend im Geschäft. In der Investment Bank erwirtschaftete die Grossbank 2025 Einnahmen von 11,8 Milliarden Dollar, dazu kamen gut 8,2 Milliarden Dollar aus dem «Personal & Corporate Banking». Zum Vergleich brachte das Global Wealth Management Revenues von gut 25 Milliarden Dollar.

Umsätze mit Hedgefonds wachsen stark

Bemerkenswert ist dabei laut den Autoren nicht allein die Grösse des CIB-Marktes, sondern vor allem die Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Das stärkste Wachstum findet zunehmend ausserhalb des klassischen Geschäfts mit Unternehmenskunden statt.

Besonders vielversprechend sind laut BCG die Geschäfte mit Hedgefonds und Finanzinvestoren, sogenannten Financial Sponsors. Bis 2030 erwarten die Berater hier ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von neun beziehungsweise acht Prozent. Das traditionelle Geschäft mit Unternehmenskunden dürfte dagegen jährlich lediglich um zwei Prozent zulegen.

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Diese Entwicklung verändert die Anforderungen an Investmentbanken. Hedgefonds benötigen unter anderem Handelsdienstleistungen, Wertschriftenfinanzierungen und Prime Brokerage. Finanzinvestoren fragen neben der Beratung bei Übernahmen zunehmend Kredite, Kapitalmarktprodukte und Dienstleistungen im Zahlungsverkehr nach.

Wer solche Kunden lediglich mit einzelnen Produkten bedient, schöpft nach Einschätzung von BCG deren wirtschaftliches Potenzial nicht aus. Erfolgreiche Banken müssten deshalb stärker auf umfassende Kundenbeziehungen statt auf voneinander getrennte Geschäftsbereiche setzen.

Nichtbanken erobern immer grössere Marktanteile

Noch deutlicher wird der Strukturwandel beim Vormarsch der Nichtbanken. Ihr Anteil am weltweiten CIB-Umsatzpool dürfte 2026 rund 19 Prozent erreichen. Im Jahr 2013 waren es erst etwa vier Prozent. Bis 2030 erwartet BCG einen weiteren Anstieg auf 23 Prozent. Das entspricht einem Umsatzvolumen von rund 325 Milliarden Dollar.

Besonders weit fortgeschritten ist die Entwicklung im Handelsgeschäft. Dort entfallen bereits rund 30 Prozent der Erträge auf Nichtbanken, mehr als doppelt so viel wie 2020.

Zu den Gewinnern zählen spezialisierte Handelsfirmen, unabhängige Beratungsunternehmen und Anbieter von Private Credit. Sie konkurrieren mit Banken, sind für diese aber gleichzeitig wichtige Kunden. So finanzieren Banken zunehmend Private-Credit-Fonds, anstatt sämtliche Kredite selbst zu vergeben. Allein die Finanzierung solcher Fonds und verwandter Strukturen wuchs zwischen 2022 und 2025 laut BCG um jährlich rund 15 Prozent.

Asien wächst schneller als Europa

Auch geografisch verschieben sich die Gewichte. Nordamerika dürfte mit einem Anteil von rund 46 Prozent am weltweiten CIB-Markt seine dominierende Stellung bis 2030 behaupten. Das jährliche Wachstum wird auf vier Prozent geschätzt.

Am stärksten soll der asiatisch-pazifische Raum mit durchschnittlich fünf Prozent wachsen. BCG sieht insbesondere in Indien, Japan und Südostasien zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.

Für Europa, den Nahen Osten und Afrika zusammen erwarten die Berater dagegen lediglich drei Prozent Wachstum pro Jahr. Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich allerdings erhebliche Unterschiede: Während der Nahe Osten von Investitionen staatlicher Vermögensfonds sowie Geschäften in den Bereichen Energie und Verteidigung profitiert, bleibt das Wachstum in Kontinentaleuropa vergleichsweise schwach.

Zudem drängen US-Banken verstärkt auf den europäischen Markt und erhöhen dort den Wettbewerbsdruck.

KI könnte 40 Prozent der Kapazitäten freisetzen

Neben dem Wettbewerb mit Nichtbanken steht die Branche vor einer tiefgreifenden technologischen Veränderung. BCG schätzt, dass künstliche Intelligenz bis 2030 im Middle- und Backoffice bis zu 40 Prozent der heutigen Personalkapazitäten freisetzen könnte. Besonders betroffen wären standardisierte und wiederkehrende Tätigkeiten, etwa in der Abwicklung, Kontrolle und Administration.

Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass vier von zehn Stellen wegfallen. Ein Teil der frei werdenden Kapazitäten dürfte in neue Aufgaben fliessen, etwa in die Kundenberatung, die Überwachung automatisierter Prozesse oder die technische Weiterentwicklung.

Gleichwohl erwartet BCG eine deutliche Veränderung der Personalstruktur. Routinetätigkeiten dürften abnehmen, während anspruchsvolle Beratung, komplexe Transaktionen und die Kontrolle von KI-Systemen an Bedeutung gewinnen.

Die Berater gehen zudem davon aus, dass umfassende, KI-gestützte Veränderungen der Geschäftsmodelle die gesamten Betriebskosten um zehn bis zwanzig Prozent senken könnten.

Zwischen Spitzenbanken und Nachzüglern öffnet sich eine Lücke

Die Auswirkungen dürften sich auch in der Profitabilität zeigen. Für führende Institute erwartet BCG bis 2030 eine Cost-Income-Ratio von rund 53 Prozent und eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 21 Prozent.

Schwächere Wettbewerber könnten dagegen bei einer Aufwand-Ertrags-Relation von 68 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von lediglich zehn Prozent verharren. Der Abstand wäre damit erheblich, obwohl beide Gruppen grundsätzlich im selben wachsenden Markt tätig sind.

Ihr Fazit: Das gegenwärtige Rekordgeschäft verschafft den Banken finanzielle Mittel für den Umbau. Wer die hohen Erträge dagegen als Anlass nimmt, am bisherigen Geschäftsmodell festzuhalten, könnte Marktanteile verlieren.