Weshalb wir uns über den Gold-Crash freuen sollten

Gold_Buddhas200Was ist denn da passiert? Der radikale Einbruch am Goldmarkt verblüfft – und selbst ernsthafte Stimmen weisen darauf hin, dass dabei wohl einige Einzelakteure etwas nachgeholfen haben (etwa hier und hier).

Oder auf Finanzmarkt-Deutsch: Dass die Korrektur so dramatisch ausfiel, erklärt sich teilweise mit technischen Faktoren.

Aber das war ja noch nicht alles. Andere Faktoren spielten mit.

In der Online-Ausgabe des «New Yorker» schafft nun John Cassidy Übersicht. Der Ökonom und Reporter (der sich durch ein Buch über die Dotcom-Blase und eines über Marktversagen einen Namen gemacht hat) listet alle relevanten Theorien für den Goldsturz auf. Und auf einen Punkt möchten wir hier besonders hinweisen – es ist der letzte. 

Er lautet: «Die grosse Panik von 2008 bis 2009 ist endlich vorbei».

Tönt banal? Tatsächlich könnte man in den Gold-Crash auch hineinlesen, dass wir wieder mal in eine neue Phase eintreten.

Nämlich eine Phase mit einer grundsätzlich grösseren Zuversicht, mit einem stärkeren Glauben, dass das Finanzsystem hält und wir zu Stabilität zurückfinden. Die Zeiten des grossen Misstrauens in das Geldsystem wären damit weitgehend vorbei.

Und so wurde am Edelmetall-Markt nun einfach spürbar, dass die verbliebenen Unsicherheiten und Sorgen nicht stark genug sind, um die Angst-Währung Gold noch länger auf dem Niveau der letzten zwei Jahre zu halten. 

Es ist eine These, die aus europäischer Sicht fast frivol klingt; aber vielleicht zeigt ja eben der fernere Blick eines «New Yorker» eine tiefere Wahrheit auf.

Die anderen Erklärungen auf Cassidys Liste tönen jedenfalls kaum überzeugender:

  • Der Bitcoin-Faktor: Ein Teil des spekulativen Potentials im Gold wurde von Bitcoin aufgesogen (eine These, an der Cassidy seine Zweifel hat; die Grössenverhältnisse stimmen einfach nicht).
  • Die Goldman-Verschwörung: Es ist wie immer, wenn es an den Märkten knirscht – irgendjemand sichtet Indizien, wonach Goldman Sachs die ganze Sache manipuliert hat (als Alternative böte sich natürlich auch an: die Fed-Verschwörung usw. …)
  • Die ganz normale Korrektur. Ganz einfach. Ein völlig üblicher Vorgang nach einer Hausse-Phase. Nur dass dieser Vorgang durch Stopp-Loss-Orders und ähnliche Faktoren halt etwas akzentuiert wurde.
  • Die Schwäche der chinesischen Wirtschaft. Dies die fundamentale Deutung – man erwartet, dass die etwas lahmere Entwicklung der Schwellenländer zu einer sinkenden Gold-Nachfrage führen wird. Und deshalb kam es nun an den Märkten zu einer Bereinigung. Allerdings: Der Einbruch an den Goldmärkten begann, bevor die Chinesen am Montag ihre enttäuschenden Wachstumszahlen vorlegten.
  • Das Gespenst der Teuerung ist verjagt. Auch die jüngsten Inflationszahlen gaben keinen Anlass zur Sorge. Und so fällt ein wichtiger Aspekt – nämlich dass Gold zum Inflationsschutz gekauft wird – mehr und mehr weg.

• John Cassidy, «Why the Price of Gold is Plummeting: Six Theories», in: «New Yorker», 15. April 2013. 

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