«Wenn es nicht gut ist, so ist es auch nicht das Ende»

«Viel Aktien + wenig Obligationen + Liquidität = hohe Performance» hat im laufenden Jahr bisher wunderbar funktioniert. Und jetzt? Antworten von Alfred Ernst von Salmann Investment Management

Alfred Ernst 13Alfred Ernst (Bild links) ist Mitglied des Anlagekomitees von Salmann Investment Management und betreut Kunden in Zürich.

«Am Ende wird alles gut sein, und wenn es nicht gut ist, so ist es auch nicht das Ende», beschwichtigt Hotelmanager Sonny im Film «The Best Exotic Marigold Hotel» jeweils seine Gäste.

Getreu dem Motto «Alles wird gut» lassen sich zurzeit auch die Finanzmärkte beschwichtigen, und sie tun gut daran. Denn ohne eine gehörige Portion Zuversicht lässt sich die Ruhe und die erfreuliche Aktienperformance vordergründig nicht immer restlos erklären.

Grund genug, um nervös zu sein

Andererseits gehört Zuversicht ja immer zum Anlagegeschäft. Ohne sie würde niemand auf der Welt nie und nirgends auch nur einen Franken, Euro, Dollar oder Yen investieren.

Auf kurze Sicht hätten die Akteure an den Märkten in der Tat Grund genug, um nervös zu sein: China, Syrien, Italien, Deutschland, die USA sind lediglich ein paar der aktuellen Brennpunkte, welche Argumente gegen einen freundlichen Börsenverlauf liefern.

In den Kriechgang gezwungen

Prominent in den Schlagzeilen ist etwa der Streit im US-Kongress um das Budget und die Schuldenobergrenze. Beide Seiten zeigten sich beim Budget bis Ende September unnachgiebig und haben damit Anfang Oktober den Staatsapparat (temporär) in den Kriechgang gezwungen.

Behörden und andere öffentliche Einrichtungen haben mehrere Hunderttausend Beschäftigte in unbezahlte Zwangsferien geschickt. Der Einfluss auf die Konjunktur wird von Ökonomen unterschiedlich beurteilt. Er hängt natürlich primär von der Dauer dieses operativen Staatsbankrotts ab und dürfte erst dann spürbar werden, wenn die Situation länger dauert.

Verluste rasch ausgebügelt

Die Aktienbörse liess sich in der Vergangenheit von solchen Schliessungen übrigens nie sonderlich beeindrucken, wie anhand von Daten der Research-Plattform «sentimentrader.com» zu ersehen ist. Demnach lag der S&P-500-Index im Schnitt der seit 1976 ausgewerteten 17 Shutdowns nach einem Tag um 0,3 Prozent und nach fünf Tagen um 0,2 Prozent im Minus.

Der grösste Wochenverlust resultierte 1978 mit einem Minus von 3,2 Prozent. Gingen die Beamten dann wieder zur Arbeit, waren in der Regel auch die Verluste rasch ausgebügelt.

Schuss vor den Bug

Eine latente Ungewissheit flackert auch um die US-Notenbank (Fed). Zuerst im Mai der Schuss vor den Bug mit der Ankündigung, das als «QE3» benannte Programm zum Kauf von monatlich 85 Milliarden Dollar an Staatspapieren werde ab Herbst möglicherweise zurückgefahren.

Dann nach den heftigen negativen Marktreaktionen das Zurückrudern. Und jetzt, nachdem sich alle Welt auf ein erstes Bremsmanöver eingerichtet hatte, die Ankündigung, «vorläufig bleibt doch alles beim Alten».

Es findet statt

Ich bleibe bei meiner Meinung, Tapering (eben das Zurückfahren von QE3) werde den Aktienmärkten langfristig eher nützten als schaden, weil es aus den richtigen Gründen erfolgen wird.

Das heisst: Es findet statt, eben weil die US-Notenbank zur Einsicht gelangt, die US-Wirtschaft befinde sich auf einem soliden, nachhaltigen Wachstumskurs. Das wird auch der Zeitpunkt sein, an dem man sich konkret mit steigenden Zinsen wird auseinandersetzen müssen.

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