«Schon bald kommt es zur nächsten Weltfinanzkrise»

Die nächste Finanzkrise rollt bereits an, glaubt ein Finanzprofessor der Lausanner Wirtschaftsschule IMD. Seine düstere Prognose stützt er auf acht Szenarien ab.

Der Kreis der Untergangspropheten hat ein neues Mitglied. Arturo Bris (Bild), Finanzexperte und Professor an an der renommierten IMD Business School in Lausanne. Denn Bris warnt jetzt vor der nächsten Finanzkrise. Laut ihm beginnt sie im April 2015. Ihr Ende sieht Bris dann im März 2016. Verhindern könne man sie nicht, weil nicht genügend Massnahmen ergriffen würden.

«Während sich viele Volkswirtschaften scheinbar endlich von der Krise aus dem Jahr 2008 erholen, sollten wir nicht selbstzufrieden sein», so der Wirtschaftsprofessor in seiner Analyse. «Zu oft lernen wir nicht aus der Geschichte und handeln nicht im Angesicht einer Krise, von der wir wissen, dass sie bevorsteht.»

Der Leiter des World Competitiveness Centers am IMD sieht folgende acht möglichen Szenarien als Ursache:

  • 1. Blase am Aktienmarkt

2013 entwickelten sich die Aktienmärkte unrealistisch gut und irgendwann wird die Lage explodieren. Im ersten Quartal 2014 waren die Analysten enttäuscht, da die Gewinne nicht den Markterwartungen entsprachen. Das bedeutet, dass die Aktienmärkte um 30 bis 35 Prozent fallen werden, wenn die Märkte hinsichtlich der Gewinne auf ein vernünftiges Niveau zurückkehren.

  • 2. Schattenbankwesen in China

Eine schwere Krise könnte durch das wachsende Schattenbankwesen in China ausgelöst werden. Ein System, das hauptsächlich aus Darlehen an Regierungsstellen besteht, deren Entwicklung nicht gut überwacht und die nicht offen für den Wettbewerb sind. Wenn dieses System zusammenbricht, hat das negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

  • 3. Energiekrise ausgelöst durch die USA

Die Vereinigten Staaten könnten als der weltweit grösste Gasproduzent eine Energiekrise auslösen. Wenn die USA beginnen, in den Rest der Welt zu exportieren, könnte sich Russland bedroht fühlen und einen geopolitischen Sturm auslösen. Die USA würden die Energiepreise kontrollieren und Einfluss auf Länder wie das Vereinigte Königreich, Indien und Japan nehmen.

  • 4. Eine weitere Immobilienblase

Es besteht das Risiko, dass sich in Ländern wie Brasilien, China, Kanada oder Deutschland eine Immobilienblase bildet. Die Preise steigen aufgrund der hohen Verfügbarkeit von Krediten. Die Käufer treiben die Preise weiter nach oben, ohne zu erkennen, dass diese nicht den Grundwerten entsprechen.

  • 5. Ratings und Insolvenzen «BBB als neues AA»

Derzeit sind die Unternehmen zu hoch verschuldet und ein BBB-Rating ist die neue Norm. In den USA gibt es nur noch drei Unternehmen mit einem AAA-Rating: ExxonMobil, Microsoft und Johnson & Johnson. Wenn Ratings ein Indikator für die Insolvenz sind, wird es global Insolvenzen geben. Wenn die Zinssätze um 2 Prozent steigen, würde die Hälfte des Unternehmenssektors ausgelöscht.

  • 6. Krieg und Konflikte

Fast überall, mit Ausnahme von Teilen Europas und den USA, herrscht eine steigende geopolitische Spannung. Ereignisse wie die derzeitige Krise auf der Krim können einen Marktzusammenbruch auslösen, selbst wenn es nicht zum Krieg kommt.

  • 7. Steigende Armut

Insgesamt ist die weltweite Armut angestiegen und immer, wenn die Armen noch ärmer werden, ist ein sozialer Konflikt zu erwarten. Die Bekämpfung der Einkommensungleichheit könnte ausserdem hinderlich für Innovationen und Wachstum sein und somit die Wirtschaft bedrohen.

  • 8. Geldmittel und Hyperinflation

Die übermässigen Geldmittelbestände bei Zentralbanken und Unternehmen könnten dazu führen, dass die Wirtschaft Schaden nimmt. Die EZB leiht Finanzinstituten Geld, die es wieder an die EZB zurückgeben, was einen Teufelskreis darstellt. Darüber hinaus könnte es sich Google heute leisten, eine Mehrheitsbeteiligung in Irland zu erwerben und Microsoft könnte mehr als 50 Prozent Singapurs kaufen, was unmoralisch ist.

 

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