Britischer Massanzug unter Strom

Manche Allianzen atmen den Geist von Selbstverständlichkeit: Der Mini, einst Symbol des «Swinging London», und Sir Paul Smith, der 1970 in Nottingham seinen ersten Laden eröffnete und heute für britische Herrenmode mit einem Augenzwinkern steht, gehören zweifellos dazu.

Tatsächlich ist die Verbindung älter, als man denkt: Bereits 1998 entwarf Smith eine limitierte Edition des klassischen Mini in einem eigens kreierten Blau mit anthrazitfarbenen Felgen. Zum 40. Geburtstag des Kleinwagens folgte 1999 ein Einzelstück, überzogen mit 86 Streifen in 26 Farben.

Eine Edition für die ganze Modell-Familie

Die neue «Mini Paul Smith Edition» ist für die gesamte Cooper-Familie konzipiert. Den Auftakt machte der vollelektrische «Mini Cooper SE», den finews erprobt hat. Die Edition ist inzwischen auch als Dreitürer mit Verbrennungsmotor, als Fünftürer und als Cabrio erhältlich.

Smiths Designleitsatz «Classic with a Twist» zieht sich dabei durch jedes Detail. Zur Wahl stehen drei Karosseriefarben, zwei davon exklusiv für die Edition entwickelt: «Inspired White» und «Statement Grey». Dazu kommt das klassische «Midnight Black».

Grauton mit Geschichte

Unser Testwagen trug «Statement Grey», und die Wahl erweist sich als glücklich. Der Grauton mit seinem leicht bläulichen Schimmer ist eine Neuinterpretation einer Farbe, in der 1959 der Austin Seven vom Band lief, also einer der beiden Urversionen des Mini. Das wirkt zurückhaltend und raffiniert zugleich, ganz wie ein gut geschnittener Flanellanzug. Gekrönt wird das Grau bei unserem Testwagen von einem Dach in «Nottingham Green», was dem Auto zusätzliche Eigenständigkeit verleiht.

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Unten «Statement Grey», oben «Nottingham Green». (Bild: Mini, zVg)

Den Namen hat dieser Farbton von Smiths Heimatstadt, und er kehrt bei allen Varianten als Akzent wieder: an den Seitenspiegeln, an der Umrandung des achteckigen Kühlergrills und an den Radnabenabdeckungen mit Paul-Smith-Schriftzug. Die 18-Zoll-Felgen in dunklem Stahlton runden den Auftritt ab.

Ein «Hello» zur Begrüssung

Im Innenraum setzt sich das Augenzwinkern fort. Wer die Tür öffnet, wird von einer Lichtprojektion mit einem handschriftlichen «Hello» empfangen. Auf der Einstiegsleiste steht Smiths Lebensmotto, am Lenkrad trägt die untere Speiche ein Textilband in den typischen «Signature Stripes», und auf der Fussmatte hat sich ein von Hand gezeichneter Hase eingenistet.

Die Sitze in dunklem Blau und die schwarzen Strickoberflächen mit Ton-in-Ton-Streifen verleihen dem Interieur eine britisch-diskrete Eleganz. Man sitzt gewissermassen in einer rollenden Boutique.

Cockpit ohne Armaturenbrett

Was uns schon beim regulären Mini der neuesten Generation des Mini John Cooper Works gefallen hat, gilt auch hier: das aufgeräumte Cockpit. Ein klassisches Armaturenbrett mit Instrumenten hinter dem Lenkrad gibt es nicht mehr. Fast alle Funktionen laufen über das kreisrunde OLED-Display in der Mitte, darunter sitzt eine Leiste mit Kippschaltern, die an die Vorfahren erinnert. Die Geschwindigkeit projiziert das optionale Head-up-Display direkt ins Blickfeld.

Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, erweist sich im Alltag aber als wunderbar intuitiv. Und es schafft eine Ruhe im Innenraum, die man bei einem Kleinwagen nicht unbedingt erwartet.

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Ein etwas anderes Cockpit. (Bild: Mini, zVg)

Wieselflink in der Stadt

Seine eigentliche Bestimmung findet der «Mini Cooper SE Paul Smith Edition» im urbanen Raum. Der Elektromotor leistet 160 Kilowatt (218 PS) und stellt aus dem Stand ein maximales Drehmoment von 330 Newtonmetern bereit. In 6,7 Sekunden geht es von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde.

Das sorgt beim Ampelstart für ein vergnügtes Lächeln und in Kombination mit der direkten Lenkung für jenes Go-Kart-Gefühl, das zur DNA der Marke gehört. Durch enge Gassen und in knappe Parklücken bewegt sich der Mini mit spielerischer Leichtigkeit.

Laden mit Geduld

Auf längeren Strecken zeigen sich hingegen die Grenzen. Die Batterie mit 54,2 Kilowattstunden Bruttokapazität verspricht nach WLTP-Norm eine Reichweite von bis zu 402 Kilometern. In der Praxis kamen wir bei freundlicher Fahrweise auf gut 300 Kilometer.

Auch die Ladetechnik ist nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Mit maximal 95 Kilowatt an der Schnellladesäule und einer 400-Volt-Architektur bewegt sich der Mini deutlich unter dem, was neuere Plattformen mit 800 Volt inzwischen leisten. Für eine Ladung von 10 auf 80 Prozent sollte man eine gute halbe Stunde einplanen.

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Die App hilft beim Laden. (Bild: Mini, zVg)

Immerhin hilft die Software über manche Schwäche der Hardware hinweg: Die Mini-App zeigt bereits bei der Routenplanung mögliche Ladestopps samt Tarifen und voraussichtlichen Kosten an. Steuert man eine Schnellladesäule an, wird die Batterie unterwegs automatisch vorgewärmt, damit sie die maximale Ladeleistung auch tatsächlich aufnehmen kann.

Mehr Auto als Accessoire

Unweigerlich drängt sich der Vergleich mit einem anderen Designer-Elektroauto auf, das finews vor einem Jahr getestet hat: dem «Fiat 500e Giorgio Armani Collector's Edition». Dessen Reichweite sank auf der Autobahn gegen 200 Kilometer.

In Sachen Reichweite und Fahrkomfort gefällt uns der Mini deutlich besser. Er ist mehr Auto und weniger Accessoire, bleibt aber ein klug gesetztes modisches Statement.


Unter dem Strich findet finews: Mit der «Paul Smith Edition» ist Mini ein charmantes Stück britischer Designkultur für Stilbewusste gelungen, das sich wohltuend von der Massenware abhebt. Für die Stadt und kürzere Ausflüge ist der elektrische Flitzer mit seinem kräftigen Drehmoment hervorragend geeignet, für häufige Langstrecken weniger. Erhältlich ab 38'440 Franken als Cooper E, der getestete Cooper SE ab 41'440 Franken. Mit Sonderausstattung kostet das von uns gefahrene Auto 50'680 Franken.