Nun startet auch Audemars Piguet das Geschäft mit gebrauchten Luxusuhren

Der Luxusuhrenhersteller Audemars Piguet (AP) aus Le Brassus hat eine eigene Plattform für den Handel mit gebrauchten Uhren lanciert. Unter dem Namen «The Watch Keepers» können Besitzer ihre Uhren ab sofort direkt über die Manufaktur zum Verkauf anbieten. AP übernimmt die Prüfung, Zertifizierung und Abwicklung der Transaktionen.

AP produziert jährlich rund 53'000 Uhren und verfügt über eine mehr als 150-jährige Firmengeschichte. Entsprechend gross ist der Bestand an älteren Modellen, die heute auf dem Sammlermarkt gehandelt werden.

Kommissionen von bis zu 20 Prozent

Das Geschäftsmodell unterscheidet sich von jenem anderer Luxusuhrenhersteller. Audemars Piguet kauft die Uhren grundsätzlich nicht selbst an, sondern vermittelt sie auf einer eigenen Plattform. Die Verkäufer bleiben bis zum Abschluss der Transaktion Eigentümer ihrer Stücke und können zwischen einem Festpreis und einem Auktionsverfahren wählen.

Die Dienstleistung hat ihren Preis. Laut einem Bericht der NZZ verlangt AP auf die ersten 25'000 Franken des Verkaufspreises eine Kommission von 20 Prozent. Für die nächsten 25'000 Franken sind es 15 Prozent, für darüberliegende Beträge zehn Prozent. Bei einer für 52'000 Franken verkauften Uhr ergibt sich damit eine Kommission von 8'950 Franken oder 17,2 Prozent des Verkaufspreises.

Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass die Uhr erstmals vor mindestens zwei Jahren verkauft wurde. Seriennummer und Eigentumsnachweis müssen überprüft werden. Anschliessend gelangt das Stück per versichertem Kurier zu AP, wo Uhrmacher anhand der eigenen Archive die Echtheit feststellen und den Zustand bewerten.

Käufer erhalten ein Echtheitszertifikat sowie eine zweijährige Funktionsgarantie. Zum Start sollen jeweils rund 100 Uhren unterschiedlicher Kollektionen und Jahrgänge verfügbar sein. Das Angebot beginnt in der Schweiz und Europa und soll später auf weitere Märkte ausgedehnt werden.

Wertvolle Kundenbeziehungen statt eigener Lagerbestände

Der eigentliche wirtschaftliche Vorteil für Audemars Piguet dürfte über die Kommissionseinnahmen hinausgehen. Die Manufaktur erhält Zugang zu einem Kundenkreis, der bislang möglicherweise ausschliesslich auf dem Gebrauchtmarkt aktiv war.

Wie AP-Chefin Ilaria Resta gegenüber der NZZ erklärte, werden Käufe über die neue Plattform in derselben Kundenhistorie erfasst wie Transaktionen in den eigenen Boutiquen. «Wir unterscheiden nicht zwischen Kunden unserer Boutiquen und Kunden der CPO-Plattform», sagte Resta.

Für Käufer kann dies ein zusätzlicher Anreiz sein. Gerade bei besonders gefragten Modellen wie der Royal Oak spielt die bisherige Kundenbeziehung häufig eine Rolle bei der Zuteilung neuer Uhren.

Rolex verfolgt ein anderes Modell

Mit dem Einstieg folgt Audemars Piguet anderen bekannten Herstellern. Rolex lancierte Ende 2022 ein eigenes Certified-Pre-Owned-Programm, überlässt den Handel allerdings autorisierten Fachhändlern. Dazu gehört neben Bucherer, das seit 2023 dem Genfer Uhrenkonzern gehört, beispielsweise auch Beyer in Zürich. Richard Mille ist bereits seit 2015 im Geschäft mit zertifizierten gebrauchten Uhren aktiv und betreibt eigene Verkaufsstellen.

AP wählt einen Mittelweg: Die Manufaktur kontrolliert die Plattform und den Verkaufsprozess, übernimmt aber grundsätzlich nicht das finanzielle Risiko eines eigenen Warenbestands.

Der Zeitpunkt ist günstig. Laut dem im Oktober veröffentlichten Secondary Market Report 2026 von LuxeConsult wuchs der Gebrauchtuhrenmarkt 2025 auf vergleichbarer Basis um rund sieben Prozent. Für die kommenden Jahre erwarten die Studienautoren im Basisszenario ein jährliches Wachstum zwischen acht und elf Prozent.

Sotheby's versteigert Patek Philippe für bis zu drei Millionen Franken

Wie viel Geld Sammler für aussergewöhnliche Uhren auszugeben bereit sind, könnte sich bald erneut in Genf zeigen. Das Auktionshaus Sotheby's versteigert am 8. und 9. November im Mandarin Oriental zahlreiche seltene Zeitmesser.

Zu den Spitzenstücken gehört die erste nummerierte Patek Philippe Referenz 3970 aus dem Jahr 1986. Der Chronograph mit ewigem Kalender stammt aus einer frühen Serie von lediglich rund 100 Exemplaren. Sotheby's schätzt den Wert auf eine bis drei Millionen Franken. Ebenfalls im Angebot steht eine aussergewöhnliche Taschenuhr von A. Lange & Söhne aus dem Jahr 1914 mit Grande und Petite Sonnerie sowie ewigem Kalender. Die Schätzung liegt zwischen 700'000 und 1,4 Millionen Franken.

Eine seltene Rolex Referenz 6032 aus Roségold, die sich seit ihrem Kauf 1959 im Besitz derselben Familie befand, soll 200'000 bis 400'000 Franken erzielen. Eine George Daniels Millennium aus dem Jahr 2001 wird auf 300'000 bis 600'000 Franken geschätzt.

Beyer verabschiedet sich mit eigener Kollektion

Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei die Sammlung aus dem Bestand der Zürcher Uhren & Juwelen erhalten. Das traditionsreiche Uhrenhaus schliesst nach 266 Jahren sein Geschäft an der Bahnhofstrasse. Im historischen Gebäude entsteht ab 2027 ein exklusiver Patek Philippe-Salon. 

Die zur Versteigerung gelangende Beyer-Kollektion umfasst 21 Uhren, überwiegend Modelle von Patek Philippe aus dem bisherigen Gebrauchtuhrenbestand.