Weshalb Luxus jetzt anderen Regeln folgt

Wie wichtig die Schweizer Kundschaft für den Öschberghof in Donaueschingen ist, lässt Michael Artner, Direktor des Spitzenhotels, nicht offen: «Ich würde sagen, der Öschberghof ist ohne Schweizer Gäste eigentlich gar nicht mehr denkbar.» An Wochenenden und in der Golfsaison seien in der Tiefgarage häufig mehr Schweizer als deutsche Kennzeichen zu finden.

Auch Banker, Versicherungsmanager und Unternehmer gehören zur Kundschaft des Hauses. Doch Artner beobachtet eine Öffnung: Jüngere Gäste gönnen sich gezielt eine Auszeit oder ein besonderes Dinner. Qualität zählt – selbst wenn dafür weniger Ferienaufenthalte im Jahr möglich sind.

Golf muss sich rechnen

Hinter dem Aufenthalt steht ein anspruchsvolles Geschäftsmodell. In der Golfsaison spielen laut Artner 90 Prozent der Gäste Golf. Doch lässt sich mit den aufwendig gepflegten Plätzen überhaupt Geld verdienen? 

 

Artners Antwort ist klar: «Dann kann man mit einem Golfplatz schon Geld verdienen, also wir tun es.» Dafür braucht es allerdings mehr als attraktive Fairways: Clubmitglieder, Zusatzangebote, einen durchdachten Einkauf und einen effizienten Personaleinsatz.

Ein weiteres Standbein sind Firmenveranstaltungen. Unternehmen seien weiterhin bereit, Events in exklusivem Rahmen auszurichten – auch mit längerem Planungshorizont. Für Artner ist das ein wichtiger Hinweis auf vorhandene Budgets und Zuversicht. Auf Nachfrage bestätigt er diese Beobachtung auch für Bankkunden.

Der goldene Wasserhahn ist nicht mehr entscheidend

Gleichzeitig verändern sich die Vorstellungen der Gäste. Erholung, persönliche Freiheit und ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper gewinnen an Bedeutung. Im Gourmetrestaurant beobachtet Artner beispielsweise eine stärkere Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen.

«Es ist nicht mehr der Kronleuchter an der Decke und es ist auch nicht mehr der goldene Wasserhahn», sagt er über das veränderte Luxusverständnis. Entscheidend ist, was dem einzelnen Gast guttut – und dass der Aufenthalt Raum dafür lässt.

Mehr Zeit für Gäste durch KI

Wie lässt sich dieser Anspruch angesichts enormen Kostendrucks wirtschaftlich erfüllen? Im Gespräch erläutert Artner, warum laufende Prognosen und Flexibilität für ihn wichtiger werden als langfristige Budgets. Auch KI kommt bereits zum Einsatz, um Routinearbeiten zu vereinfachen.

Ihr Nutzen misst sich für ihn daran, ob dadurch mehr Zeit für die Gäste entsteht. Bei persönlicher Gastfreundschaft sieht er hingegen eine klare Grenze: «Das wird KI nie ersetzen können.»

Hören Sie im finews-Podcast das vollständige Gespräch mit Michael Artner: über die Bedeutung der Schweizer Kundschaft, die Rechnung hinter dem Golfgeschäft und einen Luxus, der sich zunehmend an persönlichen Bedürfnissen orientiert. 

 

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