Turbulente Anfangsjahre, wechselnde Perspektiven sowie die Chancen und Risiken in den nächsten zehn Jahren. Darüber unterhalten sich Reto Ineichen und Alexander Lauber von Alpinum Investment Management mit finews.ch. Das Unternehmen feiert 2024 sein zehnjähriges Bestehen.


Herr Ineichen, Alpinum Investment Management (Alpinum IM) feiert 2024 sein 10-jährige Bestehen. Wie fing alles an?

Reto Ineichen: Unser Erfolg mit dem Absolute-Return-Ansatz begann eigentlich schon 2003, damals in Form eines «Model-Portfolios», das die Experten von Marcuard Heritage umsetzten, und das bis heute erfolgreich besteht.

Im Jahr 2014 entschieden dann die Verantwortlichen, den Setup weiterzuentwickeln und institutioneller zu gestalten. So erfolgte ein Spinoff des Anlageteams aus Marcuard Heritage heraus. Das war die Geburtsstunde von Alpinum IM.

Wie muss man sich die Alpinum IM im Jahre 2014 vorstellen?

Wir bezogen, um sicherzustellen, dass die «Chinese Walls» zu Marcuard Heritage funktionierten, ein eigenes Büro, vier Stockwerke höher gelegen als die Räumlichkeiten unserer vormaligen Kolleginnen und Kollegen.

Ich erinnere mich gut daran, mit dem Team und voller Elan über die möglichen Parameter unserer ersten Produkte zu debattieren. Der Erfolg gab uns recht: Wir konnten Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden erzielen; unsere Kredit-Strategie feiert dieses Jahr ebenfalls seinen 10-jährigen Geburtstag.

«Die ersten Jahre waren fordernd und lehrreich zugleich»

Dann hiess es für uns vier Mitarbeiter der ersten Stunde, alle regulatorischen Auflagen zum Erlangen der Finma-Lizenz zu erfüllen, gleichzeitig die notwendigen Prozesse und die organisatorischen Herausforderungen anzugehen und natürlich vor allem die neu gegründeten Fonds erfolgreich aufzusetzen und zu verwalten.

Die ersten Jahre waren fordernd und lehrreich zugleich. Innert Kürze mussten wir lernen, was es alles braucht, einen neuen Asset Manager von Grund auf aufzubauen.

Wie konnte und kann sich Alpinum IM gegenüber der Konkurrenz abheben?

Alexander Lauber: Alpinum IM lebte von Anfang an in allen Fonds eine Absolute-Return-geprägte Anlagephilosophie, das heisst, unser Fokus lag und liegt immer noch auf der strikten Risikobudgetierung, damit wir für die Investoren einen Mehrwert durch langfristige Kapitalvermehrung erzielen können.

Dank unseren Kernkompetenzen in Kredit- und Fixed-Income Strategien, Private Debt und Hedgefonds konnten wir schon früh unsere Expertise in traditionellen und alternativen Anlagen unter Beweis stellen.

Gab es rückblickend Entscheidungen, die Sie heute bereuen?

Natürlich, die gibt es doch immer. Erfahrung machen und Neues lernen gehört zum Wachstum, egal, ob im Geschäfts- oder Privatleben. Im Nachhinein denke ich, hätten wir viel früher versuchen sollen, unsere erfolgreichen Produkte einer breiteren Investorenwelt bekannt zu machen.

Aber wir setzten den Schwerpunkt in unserer Entwicklung primär auf den Ausbau unserer Portfolio-Management- und Research-Expertise, weniger auf den Vertrieb.

«Wir hätten sicherlich früher und mit mehr Selbstvertrauen mehr Kunden angehen sollen»

Gerade in den «Nullzins-Jahren» konnten wir unser Know-how im Kredit- und Fixed-Income-Bereich beweisen und solide Erträge für die von uns verwalteten Portfolios erzielen, aller widriger Umstände zum Trotz. Auch unsere Hedgefonds vermochten in schwierigen Märkten wie 2020 oder 2022 ihren Diversifikations-Charakter mit einer starken Performance erfolgreich einzubringen.

Unser Team brachte ausserdem bereits langjährige Erfahrung im Bereich Private-Debt-Investitionen mit, was mitunter natürlich ein Grund war, dies als weiteres Standbein der Firma aufzubauen.

Wir haben ab 2016 mehrere Hundert Millionen Dollar in verschiedenen Fonds und Mandaten für Kundinnen und Kunden im Private Debt angelegt und dies äusserst gewinnbringend. Hier hätten wir sicherlich früher und mit mehr Selbstvertrauen mehr Kunden angehen sollen.

«Wir werden das Thema aktiver an die Kunden bringen»

Reto Ineichen: Genau. Gerade diese Produkte hätten zahlreiche weitere Investoren in den «Nullzins-Jahren» sicher sehr zufrieden gestimmt. Es ist auf jeden Fall erfreulich, die zufriedenen Rückmeldungen der Investoren in den persönlichen Gesprächen zu hören.

Da der Ausblick für Private Debt weiterhin höchst attraktiv bleibt, werden wir das Thema aktiver an die Kunden bringen und planen, hier mit neuen Angeboten auf den Markt zu gelangen.

Wo sehen Sie die grössten Chancen und Risiken für Anleger in den nächsten Jahren?

Die vergangenen Jahre waren für Investoren von höchster konjunktureller Unsicherheit geprägt mit etlichen Kurseinbrüchen gefolgt von massiven Kursavancen an den Aktienmärkten. So folgte auf die Pandemie-Starre der Reihe nach ein Wirtschaftsboom, rekordhohe Inflation, Krieg, Energiekrise, Anleihen-Crash, Disinflation und nun kursieren Rezessionsängste.

Wir erwarten keine scharfe Rezession, sondern vielmehr eine Phase tieferen realen Wachstums, welche auch einmal ein negatives Quartal bringen wird. Zudem erwarten wir eine Normalisierung der Inflation, wenn auch auf höherem Niveau im Vergleich zur Vor-Covid-Zeit.

«Das Zinsszenario ‹Higher for longer› dürfte sich bewahrheiten»

Nach dem Zinsanstieg in den Vorjahren offerieren Fixed-Income-Anlagen wieder eine sehr attraktive Verzinsung, was insbesondere auf Senior-Secured-Loans oder Short-Term-High-Yield-Bonds zutrifft. Dank dem Paradigmenwechsel im Zinsumfeld sind festverzinsliche Produkte generell sehr interessant und ergänzen sich wieder hervorragend mit den stets schwankenden Aktienanlagen.

Das Zinsszenario «Higher for longer» dürfte sich bewahrheiten, wenn auch nicht auf den gegenwärtigen Niveaus. Grundsätzlich fühlen wir uns gerade in Zeiten nervöser Märkte mit unserem Absolute-Return-Ansatz wohl.

Von ursprünglich vier Mitarbeitenden ist Alpinum IM auf zwölf Experten gewachsen, die 1,9 Milliarden Franken verwalten. Was können Sie uns zum aktuellen Team sagen?

Alexander Lauber: Unser Kerngeschäft ist das aktive Verwalten von Anlagevermögen. In den vergangenen Jahren konnten wir unser Portfolio-Management-Team erweitern und noch mehr Qualität und Expertise einbringen. Dabei war uns ein Mix aus erfahrenen Senior Managern und jungen Talenten aus dem In- und Ausland wichtig.

Zudem sind wir überzeugt, dass die veränderte Zinssituation unsere Fixed-Income- und Kredit-Produkte beflügeln wird. Umso wichtiger war daher der Schritt, das Team mit zusätzlichen Fixed-Income-Spezialisten zu verstärken.

«Nicht zuletzt konnten wir die Geschäftsleitung verstärken»

Bedingt durch die vielen regulatorischen Auflagen mussten wir auf der operationellen Seite ebenfalls ausbauen. Nur so konnten wir den gestiegenen Anforderungen im Bereich der Compliance und Governance gerecht werden. Auch den Investor-Relations- und Distributionsbereich haben wir erweitert. Und nicht zuletzt konnten wir die Geschäftsleitung mit Pascal Schilling, Head Legal & Tax, verstärken.

Das Wachstum der vergangenen Jahre und die stark gestiegenen Anforderungen gerade auch im regulatorischen Bereich erfordern eine breitere Unternehmensführung. Dank der erfolgreichen Entwicklung des Teams und der Erweiterung der Geschäftsleitung, sehen wir uns gerüstet für die Zukunft.

Wo sehen Sie künftig die grössten Hürden?

Reto Ineichen: Neben den geopolitischen Herausforderungen erhält der historische rasante Zinsanstieg in unseren Überlegungen viel Gewicht. Wir erwarten, dass wenig profitable Unternehmen mit hoher Schuldenlast Probleme haben werden, weshalb die Anzahl von Unternehmenskonkurse weiter ansteigen wird, wenn auch nicht im Ausmass wie 2008 während der «Great Financial Crisis».

Somit wird die aktive Selektion von Aktien oder Anleihen ein höheres Gewicht für den Anlageerfolg erhalten. Zudem haben wir in den USA ein Wahljahr und die politische Ausgangslage bietet durchaus Zündstoff für turbulente Märkte. Hierbei gilt: Neben den nicht zu unterschätzenden Risiken werden sich auch viele neue Opportunitäten ergeben.

«In der Schweiz soll dies künftig noch stärker in das Bewusstsein von Anlegern einfliessen»

Alexander Lauber: Die Dynamik in der Finanzbranche wird weiter hoch bleiben. Wir haben in kurzer Zeit Konkurse von Banken im In- und Ausland erlebt, eine nach wie vor anhaltende Regulierungswelle, einen starken Konkurrenzkampf mit Auswirkungen auf die Margen und dann noch die Auswirkungen, wie den korrekten und effizienten Umgang mit Daten sowie die Veränderungsprozesse, die wir aufgrund des Klimawandels und der Transformation in eine Kohlenstoffdioxid ärmere Wirtschaft miterleben.

Diese Trends bringen auch eine hohe Disruption bei unseren Kunden, den Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices mit. Umso wichtiger ist es, dass wir agil bleiben und uns den Herausforderungen mit Weitsicht proaktiv annehmen.

Unsere Daseinsberechtigung am Ende des Tages liegt darin, in unseren Kernbereichen Fixed Income, Hedgefonds und Private Debt nachhaltigen Mehrwert für unsere Investoren zu liefern, unabhängig der Geschehnisse um uns.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten zehn Jahre gesteckt?

Wir wollen unseren Fokus auf überdurchschnittliche Anlageergebnisse behalten, damit wir für die Kundinnen und Kunden einen erkennbaren Nutzen stiften, was uns selbst wiederum qualitatives Wachstum ermöglicht.

Unserem Ruf, Kundenanforderungen rasch und professionell in Anlagelösungen umsetzen zu können, wollen wir auch künftig gerecht werden. Dank unserer Expertise und Erfahrung gelten wir als institutioneller Ansprechpartner im Bereich von Kredit- und Fixed-Income-Anlagen, Private Debt und Hedgefonds.

In der Schweiz soll dies künftig noch stärker in das Bewusstsein von Anlegern einfliessen.


Reto Ineichen ist CIO und Partner der Alpinum Investment Management (Alpinum IM) und amtete von 2017 bis 2023 zugleich als deren CEO. Er leitet seit Beginn das Research- und Portfolio-Management Team. Vor seiner Tätigkeit bei Alpinum IM war er von 2011 bis 2014 als Senior Portfoliomanager und Manager-Research Analyst bei Marcuard Heritage tätig. Zuvor war er als Portfoliomanager und Hedgefonds-Analyst bei der Firma GL Funds tätig (2005 bis 2011). Bevor er zu GL Funds stiess, arbeitete er für die UBS und deren Tochtergesellschaften im Bereich Asset Management & Investment Research (1999-2005).

Alexander Lauber, CEO, startete seine berufliche Karriere in der Finanzbranche 2006 bei der Raiffeisenbank, wo er für die Beratung von Privatkunden zuständig war. Nach einem Abstecher zur Firma Fundinfo wechselte er zu Morgan Stanley (Schweiz), wo er für die operativen Aufgaben im Hedgefonds- Bereich zuständig war. Seit 2015 leitet er den Bereich Business Management bei Alpinum IM und avancierte 2023 zum CEO der Firma.