GZO-Nachlassvertrag: Die Würfel dürften schon gefallen sein
Nach der emotional verlaufenen Gläubigerversammlung des GZO Spital Wetzikon in Uster von vergangener Woche läuft die schriftliche Abstimmung über den umstrittenen Nachlassvertrag. Bis am Samstag haben die Gläubiger Zeit, den Stimmzettel mit dem vorgedruckten Ja abzusenden (wer den Nachlassvertrag ablehnt, muss nichts unternehmen).
Für eine Annahme des Nachlassvertrags gibt es zwei Varianten: entweder mehr als 50 Prozent der Kopfstimmen mit mindestens zwei Dritteln der gesamten Forderungssumme oder 25 Prozent der Kopfstimmen mit mindestens drei Vierteln der gesamten Forderungssumme.
«Unwiderrufliche Zusage»
Am Montag hat die auf die Entwicklung und Verwaltung von Spitalliegenschaften spezialisierte Immobiliengesellschaft Infracore (deren Aktien an der SIX Swiss Exchange kotiert sind) eine verbindliche Zusage für den Fall abgegeben, dass der Nachlassvertrag das erforderliche Quorum nicht erreicht. Auf Anfrage von neun institutionellen GZO-Gläubigern habe sich Infracore gegenüber diesen «unwiderruflich verpflichtet, im Falle eines Scheiterns des Nachlassvertrags ein Kaufangebot über 70 Millionen Franken in bar für sämtliche Immobilien und betrieblichen Aktiven der GZO AG einzureichen».
Die Gläubiger vertreten gemäss der Ad-hoc-Mitteilung Forderungen von zusammen rund 130 Millionen Franken, mehr als die Hälfte der für den Nachlassvertrag insgesamt stimmberechtigten Forderungen. «Sie haben Infracore schriftlich mitgeteilt, dass sie dem Nachlassvertrag in der vorliegenden Form nicht zustimmen und ein Angebot von Infracore begrüssen.»
Unterbruchsfreie Weiterführung des Spitalbetriebs?
Die Immobiliengesellschaft hatte bereits vor Monaten ein Angebot für eine Sale-and-lease-back-Transaktion vorgelegt, das aber von der Spitalleitung abgelehnt worden war. Die wichtigsten Punkte des aktuellen Angebots sind:
- Der Spitalbetrieb soll ohne Unterbruch weitergeführt werden, dabei kommt ein anderes Unternehmen aus dem Konglomerat um Aevis Victoria von Antoine Hubert zum Zug, das ebenfalls schon in eine frühere Offerte für das GZO involviert war. «Die Übernahme des Betriebs ist mit Swiss Medical Network vorbereitet, der langjährigen Partnerin von Infracore.»
- Die liquiden Mittel und Forderungen der GZO sollen den Gläubigern zur Verfügung stehen.
- Öffentliche Mittel werden nicht beansprucht.
- Der Verwaltungsrat von Infracore hat die Zusage genehmigt; die Finanzierung ist gesichert.
Das Kaufangebot werde eingereicht, sobald das Scheitern des Nachlassvertrags feststeht. Infracore werde dann über die Einzelheiten informieren und äussere sich bis dahin nicht weiter zum laufenden Verfahren.
Mit Spannung erwarten darf man, welche Verwendung Infracore für den begonnenen Neubau vorsieht, wo die Bauarbeiten seit 2024 ruhen – das entsprechende Gelände wird deshalb auch als «Spitalbrache» bezeichnet. Und für die Region und die Mitarbeiter wird natürlich entscheidend sein, ob der Spitalbetrieb mittel- und langfristig ebenfalls gesichert sein wird und wenn ja, in welcher Form.
Das lakonische Zitat von Infracore-CEO Eric Frey in der Mitteilung lautet: «Die Gläubiger haben uns um eine verbindliche Alternative gebeten. Sie liegt nun vor.»
Minimale Chancen für den Nachlassvertrag
Trifft die Darstellung von Infracore zu und halten sich die neun institutionellen Anleger an ihr Wort, dürften die Würfel in Sachen GZO schon vor der Abstimmung gefallen und die Chancen auf ein Ja zum Nachlassvertrag minimal sein.
Bereits im September hatten acht Gläubiger mit Forderungen von insgesamt 118 Millionen Franken angekündigt, gegen den Nachlassvertrag zu opponieren. Der entsprechende Brief an die Sachwalter war von Postfinance, Helsana Versicherungen, Visana Services, Syz Asset Management, Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft, Pensionskasse Post, Publica und F. Hoffmann-La Roche Pensionfund Asset Management unterzeichnet worden. Man darf vermuten, dass die Schnittmenge zu den genannten neun Investoren gross ist.














