GZO: Infracore reagiert und bessert das Angebot auf

Die auf die Verwaltung und Entwicklung von Spitalliegenschaften spezialisierte Infracore legt nach: Sie hat am Donnerstag ihr Angebot für die Immobilien des in der Nachlassstundung steckenden GZO Spital Wetzikon ergänzt und bis zum 31. Oktober (bisher 30. September) verlängert.

Das Grundangebot bleibt unverändert: Infracore erwirbt sämtliche Immobilien für 55 Millionen Franken in bar, das GZO bleibt Betreiber des Spitals. Die Sanierung soll ohne den geplanten Kapitaleinschuss der Aktionärsgemeinden von 50 Millionen Franken möglich sein.

Finanzierungszusage gegen Liquiditätsengpass

Neu ist, dass die Betriebsmittelliquidität der GZO AG nach Abschluss der Sanierung mit zwei zusätzlichen Elementen abgesichert wird. «Zum einen stellt Infracore einen Finanzierungs-Backstop bereit: Gelingt es nicht, bis Ende des dritten Quartals 2027 eine bankseitige Debitorenfinanzierung zu etablieren, finanziert Infracore selbst bis zu 80 Prozent des anrechenbaren Debitorenbestands der GZO. Zum anderen ist Infracore bereit, der GZO bei Bedarf einen zusätzlichen Liquiditätspuffer in Form einer kurzfristigen Finanzierung von bis zu 10 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen», heisst es im Communiqué.

Damit will Infracore – ergänzend zur Sale-and-lease-back-Transaktion sowie zur Finanzierung des Erweiterungsbaus – die operativ nötige Liquidität gewährleisten. Das Immobilienunternehmen betont zudem, die Transaktion sei innert kürzester Frist umsetzbar und lasse sich mit der Übernahme der Betriebsgesellschaft durch Thurmed vereinbaren.

«Einfach, finanziert und unterschriftsreif»

Oder wie es Infracore-CEO Eric Frey formuliert: «Unsere Lösung ist einfach, finanziert und innert Tagen unterschriftsreif. Sie ist mit jeder Betreiberlösung kombinierbar – einschliesslich einer Übernahme des Spitalbetriebs durch Thurmed, was die Situation der Gläubiger nochmals verbessern könnte. Und der Erweiterungsbau wird fertiggestellt: Wir halten keine leeren Gebäude.»

Die Antwort aus Wetzikon erfolgte postwendend: Das GZO bestätigte, «von Infracore im Anschluss an ein gemeinsames Treffen ein ergänztes Angebot erhalten» zu haben. Angesichts des engen Zeitrahmens werde das GZO die Prüfung der neuen Elemente rasch vornehmen und anschliessend über das Ergebnis informieren.

GZO sichert baldige Prüfung zu

Einen kleinen, emotional gut nachvollziehbaren aber taktisch eher ungeschickten Seitenhieb kann sich die offensichtlich in die Defensive gedrängte Spitalleitung nicht verkneifen: Die Nachbesserung durch Infracore bestätige die bisherige Beurteilung des GZO, wonach «das ursprüngliche Angebot  nicht ausreichend war, um die Voraussetzungen für eine tragfähige und nachhaltige Sanierungslösung zu erfüllen».

Die seit dem Sommer an der SIX Swiss Exchange kotierte Gesellschaft hatte ihr Angebot Ende Juli eingereicht, bekanntgeworden war es samt den entsprechenden Eckwerten allerdings erst Anfang September. Der GZO-Verwaltungsrat lehnte, mit den beiden Sachwaltern im Rücken und einem PwC-Gutachten in der Tasche, die Offerte umgehend ab, da sie «kein finanziell tragbares Szenario» eröffne. Er favorisierte eine Übernahme der Aktienmehrheit durch die Thurmed und kündigte an, nur diese Variante der Gläubigerversammlung im Oktober vorzuschlagen.

Spatz in der Hand, Taube auf dem Dach?

Der Entscheid rief harsche Reaktionen hervor. Der umtriebige Investor Gregor Greber und Clearway Capital von Gianluca Ferrari gaben coram publico bekannt, gegen den Nachlassvertrag in dieser Form zu stimmen, weil die Infracore-Offerte für die Gläubiger besser sei. Infracore wiederum hielt auf Anfrage von finews fest, man könne die Begründung der Absage durch das GZO nicht nachvollziehen, betonte aber zugleich den Willen, konstruktiv zu einer Lösung beizutragen.

Dass weitere Investoren, in der notleidenden GZO-Anleihe über 170 Millionen Franken und in anderen Schuldinstrumenten, darunter auch solche mit Domizil Florida, den ansehnlichen Spatz in der Hand (Infracore) der möglicherweise letztlich ausgemergelten Taube auf dem Dach (Thurmed) vorzogen und deshalb zu einem Nein tendierten, war ziemlich offensichtlich, aber eben nicht schwarz auf weiss verbürgt.

Der Brief der Schwergewichte

Am Mittwochmorgen änderte sich dies: Inside Paradeplatz machte publik, dass acht gewichtige Gläubiger mit Forderungen von ingesamt 118 Millionen Franken (und damit mehr als das für eine Ablehnung des Nachlassvertrags erforderliche Quorum von einem Drittel des Totals) ebenfalls opponieren. Sie taten dies in Form eines an den GZO-Verwaltungsrat und an die beiden Sachwalter Brigitte Umbach-Spahn und Stefan Kesselbach gerichteten Briefs (der unterdessen auch finews vorliegt) mit Datum vom 9. September.

Sie könnten «nach heutigem Stand gestützt auf die derzeit vorliegenden Informationen dem ordentlichen Nachlassvertrag bzw. dem diesem zu Grunde liegenden Sanierungskonzept der GZO, wie es am 2. September 2026 den Gläubigern präsentiert wurde, nicht zustimmen».

Sie forderten das GZO «dringlich auf, zeitnah in entsprechende Verhandlungen mit Investoren (insbesondere mit Infracore) einzutreten und umfassend sämtliche Alternativen für eine Sanierung, auch ausserhalb einer Investorenlösung, zu prüfen». Zudem seien im Rahmen einer Szenarioplanung parallel werterhaltende Vorbereitungsmassnahmen für den Fall eines Konkurses zu treffen.

Wink mit dem Zaunpfahl

Ungewöhnlich deutlich ist auch die Passage, in der die gewiss nicht zu den Scharfmachern zählenden Unterzeichner – Postfinance, Helsana Versicherungen, Visana Services, Syz Asset Management, Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft, Pensionskasse Post, Publica und F. Hoffmann-La Roche Pensionfund Asset Management – die Adressaten an ihre Pflichten erinnern: «Die GZO und ihre Sachwalter haben im Nachlassverfahren in erster Linie die Gläubigerinteressen zu wahren. Tun sie das nicht, stellen sich u.a. Fragen der Verantwortlichkeit.»

Damit ist die Phalanx der Gläubiger, die den von der Spitalleitung und Sachwaltern vorgeschlagenen Lösungsweg ablehnen, fast unüberwindbar geworden. Dem Vernehmen sind nämlich neben den bereits bisher lautstark opponierenden Gläubigern und den Schwergewichten aus der Szene der Schweizer Institutionellen, die nun als Absender des Briefes fungieren, weitere Gruppen entschlossen, den Nachlassvertrag in der aktuellen Form nicht zu genehmigen.

Wird der gordische Knoten gelöst?

Nicht in die Front eingereiht haben sich demgegenüber gemäss Marktstimmen die in den Fall involvierten (durchaus namhaften) Banken. Das ist verständlich, denn wer mehrere Hüte trägt, exponiert sich erst, wenn es nicht mehr anders geht.

Apropos Banken: Das Aktien-Research Zürcher Kantonalbank nahm am Donnerstag die Nachbesserung zum Anlass, seine Einstufung von Infracore mit «Marktgewichten» zu bestätigen.

Die Rolle der Sachwalter

Es ist durchaus möglich und auch zu hoffen, dass im schon fast epischen Ringen um die Zukunft des GZO relativ bald eine neue Lösung gefunden wird, die den Interessen der Gläubiger besser Rechnung trägt. Dabei dürfte das nun ergänzte Infracore-Angebot im Zentrum stehen.

Zu hoffen ist ferner, dass nach Abschluss des Falls die nötigen Lehren gezogen werden. Viele Gläubiger hätten sich beispielsweise gewünscht, dass die Sachwalter ihre Rolle aktiver und eigenständiger wahrnehmen, als sie das bisher getan haben.