Schockwellen aus der Strasse von Hormus: Wendepunkt für Schwellenländer
Grosse Krisen können Veränderungen erzwingen, die selbst jahrelange gute Absichten nicht bewirken konnten. Die Covid-19-Pandemie war eine menschliche Tragödie, hat aber auch den digitalen Wandel, der sonst ein Jahrzehnt gedauert hätte, auf zwei Jahre verkürzt. E-Commerce, Homeoffice, digitale Zahlungen: Trends, die sich zuvor unauffällig entwickelt hatten, wurden fast über Nacht zu strukturellen Merkmalen moderner Volkswirtschaften.
Die Kombination aus dem Iran-Konflikt und dem Zollschock unter Trump hat laut den Fondsmanagern des Carmignac Portfolio Emergents ähnliche Auswirkungen auf die Energiewende. Naomi Waistell, Co-Fondsmanagerin des Carmignac Portfolio Emergents, sagte: «Covid hat den E-Commerce und alles, was online stattfindet, beschleunigt.
Ich glaube, die aktuelle Krise – der Konflikt im Nahen Osten in Verbindung mit Donald Trumps Zöllen – hat Regierungen und viele Menschen zweifellos dazu veranlasst, massiv in die Energiewende und erneuerbare Energien zu investieren. Wie können wir verhindern, dass sich solch eine Krise wiederholt? Indem wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Dies ist ein struktureller Beschleunigungsfaktor, keine konjunkturelle Reaktion.»
Für Schwellenländer-Anleger stellt sich nun die Frage, welche Länder und Unternehmen in der Lage sind, dabei eine Vorreiterrolle zu übernehmen.
Ein Schock der anderen Art
Frühere Ölkrisen waren zwar schmerzhaft, blieben aber begrenzt. Das OPEC-Embargo der 1970er Jahre richtete sich gegen bestimmte Abnehmer. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat vor allem in Europa zu Unterbrechungen bei der Gasversorgung geführt.
Die aktuelle Krise unterscheidet sich hinsichtlich ihrer geografischen Ausprägung und ihrer Dringlichkeit. Rund 80 Prozent der Rohölimporte Asiens werden über die Strasse von Hormus1 transportiert, und als der Iran diese Anfang März sperrte, traf der Schock alle grossen asiatischen Volkswirtschaften gleichzeitig.
Der entscheidende Unterschied zur Ukraine-Krise liegt in der verfügbaren Technologie. Als Europa im Jahr 2022 seine Abhängigkeit von russischem Gas verringern musste, waren die Alternativen – Offshore-Windkraft, Wärmepumpen, Netzinfrastruktur – teuer und nur langsam umsetzbar. Heute sind Solarmodule, Batterien und Elektrofahrzeuge deutlich günstiger und lassen sich schneller in grossem Massstab einsetzen.
«Die Kombination aus dem Hormus-Konflikt und den Zoll-Spannungen hat die Regierungen dazu veranlasst, massiv in Unternehmen aus den Bereichen Energiewende und Energiespeicherung zu investieren», sagte Xavier Hovasse, Co-Fondsmanager des Carmignac Portfolio Emergents. «Diese Entwicklung zeichnete sich schon vorher ab, aber jetzt ist sie unbestreitbar.»
Die beiden Schwellenländer, die am meisten davon profitieren werden
Nicht jedes Entwicklungsland profitiert gleichermassen davon. Zwei stechen besonders hervor. China ist bereits weltweit führend beim Kapazitätsausbau im Bereich der erneuerbaren Energien. «China hat mehr Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien ausgebaut als die USA und Europa zusammen», sagte Waistell. Die dortige Solar-, Wind- und Batterieindustrie ist in einem Tempo gewachsen, das die Industrieländer nicht erreicht haben.
Chinas struktureller Vorteil reicht jedoch über die Stromerzeugung hinaus. Zudem dominiert das Land die weltweite Lieferkette für Seltene Erden: kritische Rohstoffe, die für Batterien von Elektrofahrzeugen, Verteidigungssysteme, KI-Hardware und praktisch jede fortschrittliche Technologie benötigt werden.
«Egal, was passiert – ob bei Elektrofahrzeugen, Batterien, Smartphones oder KI – man braucht Seltene Erden», sagte Waistell. «China liegt mit Abstand an erster Stelle. Sie verfügen über die gesamte Produktionskette: Gewinnung, Trennung, Veredelung und Verarbeitung zum Endprodukt. Sie haben die dafür notwendigen Kapazitäten aufgebaut, als andere meinten, das sei zu schwierig. Deshalb haben sie heute die Oberhand.»
Brasilien verfügt über die weltweit zweitgrössten Vorkommen Seltener Erden. Die Raffinerie- und Verarbeitungskapazitäten werden derzeit noch ausgebaut. Experten sind sich einig, dass dies Zeit brauchen wird, doch die Entwicklung ist bereits auf Kurs. Brasilien ist zudem zu einem Netto-Ölexporteur geworden, was dem Land angesichts der anhaltend hohen weltweiten Energiepreise einen finanziellen Puffer verschafft, und sein Stromnetz stützt sich bereits zu einem grossen Teil auf erneuerbare Energien aus Wasserkraft.
CATL: Wenn Transition investierbar wird
Die Energiewende ist ein strukturelles Thema. Für Anleger muss sich dies in konkreten Unternehmen niederschlagen, und CATL ist derzeit das deutlichste Beispiel dafür im Carmignac Portfolio Emergents. Das Unternehmen ist vor allem als weltweit grösster Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge bekannt. Der heute jedoch noch interessantere Aspekt ist die Rolle des Unternehmens im Bereich der Energiespeichersysteme (ESS): stationäre Batterietechnologie, die es Stromnetzen ermöglicht, erneuerbare Energie bei ihrer Erzeugung aufzunehmen und bei Nachfragespitzen wieder abzugeben.
Da die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in ganz Asien zunimmt, wird die Speicherinfrastruktur zu einem entscheidenden Faktor. «CATL steht an der Schnittstelle zwischen Elektrofahrzeugbatterien und Energiespeichern», sagte Hovasse. «Energiespeicherung ist zu einer ausdrücklich genannten strategischen Priorität der chinesischen Regierung geworden. Sie sind sehr gut aufgestellt. Im März, als die meisten Aktienmärkte starke Einbussen verzeichneten, entwickelte sich CATL gut. Es ist ein klarer Spitzenreiter seit Jahresbeginn.»
Die Entwicklung im März ist aufschlussreich: Ein Unternehmen, das an der Schnittstelle zwischen Versorgungssicherheit für Energie und Technologie positioniert ist, erwies sich gerade dann als defensiv, als die von fossilen Brennstoffen abhängigen Volkswirtschaften am stärksten gefährdet waren.
«Wir sind aktiv bestrebt, unser Engagement in diesem Bereich auszubauen, sei es in China oder in ganz Asien, wo Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien rasant wachsen», sagte Hovasse.
Nachhaltigkeit als Vorteil, nicht als Einschränkung
Eine Frage, die sich bei jedem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Fonds stellt, ist, ob der Ausschluss fossiler Brennstoffe die Anlagemöglichkeiten einschränkt. Die Antwort liegt darin, wie sich das Anlageuniversum der Schwellenländer bereits gewandelt hat.
Während des Rohstoff-Superzyklus der 2000er Jahre hatten Energie- und Rohstoffunternehmen – insbesondere russische und chinesische Öl- und Gasunternehmen – die grössten Gewichtungen im MSCI Emerging Markets Index.
Heute wird der Index jedoch von Technologiewerten wie TSMC, Samsung und Alibaba dominiert. Der Anteil fossiler Brennstoffe am Gesamtmarkt ist erheblich geschrumpft, nachdem Russland ausgeschlossen wurde und mehrere chinesische Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe aufgrund von US-Sanktionen für Investitionen unattraktiv wurden.
Was an dessen Stelle wächst, ist genau die Kategorie, auf die ein Nachhaltigkeitsmandat abzielt.
«Was wir in Zukunft sehen werden, sind diversifizierte Energieunternehmen: Energieversorger, die erneuerbare Energieerzeugung, Speicherkapazitäten und Übertragungsinfrastruktur miteinander verbinden», schloss Waistell. «Genau hier möchten wir investieren. Dank unseres Fokus auf Nachhaltigkeit verfügen wir in diesem Bereich über einen echten Wettbewerbsvorteil – und wir sind davon überzeugt, dass sich hier in Zukunft in den Schwellenländern immer mehr Chancen ergeben werden.»
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Trustnet.
Carmignac Portfolio Emergents - Vielversprechende Aktien-Chancen in den Emerging Markets nachhaltig nutzen
1Quelle: Bloomberg, BNEF, EIA, 2026.
Carmignac Portfolio Emergents F EUR Acc – ISIN LU0992626480
Empfohlener Mindestanlagehorizont: 5 Jahre
Risikoindikator*: 4/7
SFDR – Fondsklassifizierung**: Artikel 9
*Risikoskala aus dem KID (Key Information Document). Das Risiko 1 ist nicht eine risikolose Investition. Dieser Indikator kann sich im Laufe der Zeit ändern. **Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzdienstleistungen (SFDR) 2019/2088. Die SFDR-Einstufung der Fonds kann sich im Laufe der Zeit ändern.
Hauptrisiken des Fonds - Aktienrisiko: Der Fonds kann von Aktienkursschwankungen betroffen sein, deren Ausmaß vom Handelsvolumen der Aktien, der Marktkapitalisierung oder anderen externen Faktoren abhängt. Schwellenländerrisiko: Die Rahmenbedingungen und die Aufsicht in «aufstrebenden» Märkten können von den Standards der etablierten internationalen Börsen abweichen und sich auf die Preise der börsennotierten Instrumente auswirken, in die der Fonds investieren kann. Währung: Das Währungsrisiko ist mit dem Engagement in einer Währung durch Direktanlagen oder Derivate verbunden, die nicht die Bewertungswährung des Fonds ist. Diskretionäre Verwaltung: Die von der Verwaltungsgesellschaft erwartete Entwicklung der Finanzmärkte wirkt sich direkt auf die Performance des Fonds aus, die von den ausgewählten Titeln abhängt. Der Fonds ist mit einem Kapitalverlustrisiko verbunden.
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