Sommertheater um ETF-Verkaufsprofi

Nun hat er sogar den Sprung in die NZZ geschafft, wohl auch dem Sommerloch sei Dank. Die Rede ist von Roman P.,  Mitarbeiter eines US-Asset-Managers in Zürich. P. liefert seit Tagen mediale Schlagzeilen und lockeren Stoff für Gespräche an Apéros. Ihm gelang es, in einem gut anderthalbminütigen Beitrag in der SRF-Sendung «Donat auf Achse» gleich diverse Klischees und Vorurteile über Paradeplatzbanker zu bedienen. 

Der Fall bewegt die Gemüter, wie sich an den vielen Online-Kommentaren ablesen lässt. Dass der TV-Auftritt keine Sternstunde in Sachen persönlicher Public Relations war, ist offensichtlich, das Bashing eine unvermeidliche Konsequenz davon. Doch werden in der Diskussion wichtige Punkte ausgeblendet. Zuerst einige Klarstellungen zu den Fakten, oder, um im Jargon zu bleiben, zu den Facts & Figures.

  • P. ist kein Banker im eigentlichen Sinne, und auch nicht, wie mancherorts zu lesen war, ein «Trader» (in der NZZ, mittlerweile berichtigt), «Dealer» oder «Händler». Vielmehr arbeitet er als «Director, Sales and Business Development» bei VanEck, das heisst er verkauft Exchange Traded Funds (ETF) an Privatbanken und Pensionskassen.
  • ETF sind börsengehandelte Fonds, die sich mehrheitlich auf den Basiswert Aktien respektive Aktienindizes beziehen, aber auch für andere Anlageklassen verfügbar sind. Im September 2000 wurden die ersten ETF an der Schweizer Börse kotiert. Seither hat sich daraus ein hochstandardisiertes Massengeschäft entwickelt.
  • Die im Vergleich zu anderen Instrumenten tiefen Gebühren und die breite Marktabdeckung, die ETF auch Privatanlegern mit einer bescheidenen Anlagesumme ermöglichen, haben die Eintrittshürden für Engagements am Finanzmarkt deutlich gesenkt. Wer es also für sinnvoll erachtet, dass Herr und Frau Schweizer auch in Aktien und Obligationen (und nicht nur in ihre Immobilien) und damit breit in die Wirtschaft investieren, kann schwerlich etwas gegen den Trend hin zu ETF einwenden – hier ist für einmal die vielbemühte «Demokratisierung der Anlagewelt» ziemlich zutreffend. Für institutionelle Anleger wie Pensionskassen sind ETF ebenfalls oft die günstigste Variante, um in einen bestimmten Markt zu investieren.
  • Aufgrund des starken Wettbewerbs sind die Margen für die Anbieter komprimiert. Eine Reaktion besteht darin, bei der Auswahl der Basiswerte auf spezielle Strategien oder Themen zu setzen. Genau das macht P.s Arbeitgeber. Weil dies aber auch andere Anbieter tun und sich ETF quasi umgehend kopieren lassen (sofern die nötige Indexlizenz vorliegt), sind solche Nischensegmente ebenfalls hart umkämpft.
  • Ausländische Asset Manager, die in der Schweiz wie VanEck vor Ort präsent sind, bilden einen wichtigen Baustein des Ökosystems des hiesigen Finanzplatzes. Sie bringen Knowhow, Liquidität und Innovationen – und beleben damit den Wettbewerb, was Privatanlegern und Pensionskassen tendenziell günstigere und bessere Produkte bringt. Apropos Innovation: Auch das Instrument ETF ist keine Schweizer Erfindung. 

Halten wir fest: Ein Spezialist wie P. ist in einem stark umstrittenen Markt tätig, in dem es um grosse Beträge geht. Der Erfolg oder Misserfolg ist direkt sichtbar und messbar, die Anforderungen und die Verantwortung sind entsprechend hoch. Wer die grossen Kunden nicht überzeugt, hält sich nicht lange in einer solchen Position. Der Arbeitgeber entlöhnt seinen Spezialisten dann grosszügig, wenn dessen Leistung stimmt. Im Falle von P. sind das offenbar «multiple hundert» – «so what»?

Nun zur Frage, ob P. die richtige Motivation und Qualifikation für seinen Beruf mitbringt.

Persönliche Sympathie hat nichts mit der Qualifikation zu tun

P. «brennt» ganz offensichtlich für den Markt, das ETF-Geschäft und damit auch für seinen Beruf. Das ist kein Makel, sondern eine notwendige Voraussetzung für den Erfolg. Seine Begeisterung setzt auch einen wohltuenden Kontrapunkt in einer Zeit, in der sich die Fälle häufen, dass in Amtsstuben, Redaktionsräumen und auch Bankbüros «abgelöschte», d.h. desillusionierte und antriebslose Angestellte demotiviert ihren Dienst nach Vorschrift verrichten – und dafür notabene teilweise ebenfalls fürstlich entlöhnt werden.

Dass es sich bei P. offensichtlich um einen anders gelagerten Charakter handelt, mag die Tatsache erklären, dass ihm aus Teilen des Finanzplatzes durchaus auch Sympathie entgegenschlägt.

Und was die Qualifikation betrifft: Ein häufig begangener Kategorienfehler besteht darin, persönliche Sympathie nicht sauber von den Kriterien für die berufliche Fähigkeiten zu vermengen. Mit anderen Worten: Ob man persönlich P. sympathisch oder unsympathisch findet, sagt nichts über seine Eignung für den Job aus. Ein solcher Kurzschluss ist genauso falsch, wie wenn man Politikerinnen und Politiker bloss deshalb wählen würde, weil sie einem irgendwie sympathisch sind und dabei ihren Leistungsausweis und das Parteiprogramm ausblenden würde.


Roman P. war im Juni Gast im finews-Podcast. Wie mit zahlreichen anderen Asset Managern pflegt finews als führendes B2B-Finanzportal in der Schweiz auch mit seinem Arbeitgeber VanEck eine Marketing-Partnerschaft.