SNB: Bargeldzugang wird schwieriger

Wie einfach ist der Zugang zu Bargeld? Hätte jemand hierzulande vor zehn oder zwanzig Jahren diese Frage gestellt, wäre er wohl belächelt worden. Denn das Netz an Bankfilialen, Poststellen und vor allem Geldautomaten (sogenannte Zugangspunkte) war so dicht geknüpft, dass der Bargeldbezug kein Problem war.

Das hat sich in den letzten Jahren gründlich geändert. Geldautomaten wurden rückgebaut und Fililalen geschlossen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB), welche die Aufgabe hat, die Bargeldversorgung unseres Landes zu gewährleisten, machte schon 2022 auf die Gefahr einer Negativspirale von schwierigerem Zugang, rückläufiger Nutzung und abnehmender Akzeptanz an den Verkaufsstellen aufmerksam.

Runder Tisch mit Leitplanken für Infrastrukturbetreiber

Sie hat zusammen mit der Eidgenössischen Finanzverwaltung auch einen runden Tisch Bargeld ins Leben gerufen, an dem neben Vertreter von Bund und SNB auch Repräsentanten von Banken, Werttransporteuren, Detailhandel, Dienstleistungsanbietern (z.B. Post und SBB) sowie von Wirtschafts- und Konsumentenverbänden sitzen.

Im November 2025 hielten die Teilnehmer des zweiten runden Tisches explizit fest, dass die Einschränkungen der Bargeldakzeptanz zugenommen haben. Damals verwies die SNB auch auf die seit Frühling 2024 tätige Expertengruppe «Zugang zu Bargeld», die dem runden Tisch «Prinzipien adäquater Zugang zu Bargeld» präsentierte. Die Prinzipien dienen als Leitplanken für die Infrastrukturbetreiber, damit der Zugang zu Bargeld auch bei abnehmender Nutzung erhalten bleibt und kein unkoordinierter Abbau der Bargeldinfrastruktur erfolgt.

Kritisch ist die Erreichbarkeit der Zugangspunkte

Am Dienstag hat die SNB nun neue Daten zum Bargeldzugang publiziert. Wenig überraschend muss die Nationalbank feststellen, dass in den vergangenen Jahren «Zugangspunkte kontinuierlich abgebaut und das Angebot an Bargelddienstleistungen in Bankfilialen vermehrt eingeschränkt» worden ist. Allerdings reiche die Anzahl an Zugangspunkten alleine nicht aus, um den Zugang zu Bargeld zu beurteilen. Die Erreichbarkeit der Zugangspunkte sei ebenso relevant.

Vor diesem Hintergrund hat die SNB gemeinsam mit der Universität St. Gallen und mit Unterstützung von externen Datenanalysten die geografische Verteilung von Geldautomaten, Bankfilialen und Poststellen analysiert. «Konkret wird gemessen, welche Wegzeit und welche Distanz Haushalte von ihrem Wohnort und Unternehmen von den jeweiligen Niederlassungen auf sich nehmen müssen, um Banknoten oder Münzen zu beziehen bzw. einzuzahlen», wobei zwischen privatem Auto und dem öffentlichen Verkehr unterschieden wird.

Die SNB gewinnt aus der Untersuchung fünf Haupterkenntnisse.

  1. Die Wegzeit zu Bezugs- bzw. Einzahlungspunkten von Münzen ist länger als zu denjenigen für Noten. 95 Prozent der Haushalte erreichen mit dem Auto in weniger als sechs Minuten einen Bezugspunkt für Noten, bei Münzen beträgt die entsprechende Zeitspanne sieben Minuten.
  2. In stadtnahen Gebieten sind Zugangspunkte deutlich schneller zu erreichen als in ländlichen Gemeinden. Markant ist der Unterschied zwischen Land und Stadt, wenn Noten einbezahlt oder Münztransaktionen durchgeführt werden sollen. «Auf dem Land dauert die Wegzeit für die Einzahlung von Münzen für 95 Prozent der Haushalte mit rund 11,5 Minuten mehr als doppelt so lang wie in der Stadt», hält die SNB fest.
  3. Wer auf dem Land auf den öffentlichen Verkehr setzt, ist stark im Nachteil. Mit diesem Fortbewegungsmittel benötigen 95 Prozent der Haushalte weniger als 18 Minuten zum nächsten Bezugspunkt für Noten, gegenüber 5,5 Minuten mit dem Auto.
  4. Die regionalen Unterschiede sind gross. Im Kanton mit dem breitesten Zugang zu Bargeld (Basel-Stadt) benötigen 95 Prozent der Haushalte mit dem Auto weniger als 5,5 Minuten und mit dem öffentlichen Verkehr 9 Minuten zu einem Bezugspunkt für Noten. Im Kanton mit dem schlechtesten Zugang (Jura) dauert die Fahrt 7,5 Minuten bzw. 27 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr.
  5. Geldautomaten sind für Haushalte und Unternehmen schneller erreichbar als Bankfilialen. 95 Prozent der Haushalte benötigen für den Weg an einen Geldautomaten oder zu einer Poststelle weniger als 6 Minuten, bis zu einer Filiale hingegen 11 Minuten. Die SNB betont allerdings, dass besonders für Unternehmen Bargelddienstleistungen am Schalter wie der Bezug von Münzen wichtig sind.

Die SNB weist auf eine mit Juni 2025 datierte hauseigene Studie (Economic Note) zum Zugang zu Bargeldbezug und -einzahlung hin und erwähnt die Swiss Money Map 2024 der Universität St. Gallen. Ein Vergleich über die Jahre sei jedoch aufgrund von Anpassungen bei der Analysemethodik nicht möglich. Aber sie verspricht: «Die SNB und die Universität St. Gallen werden die Entwicklung über die nächsten Jahre in regelmässigen Abständen evaluieren.»