Fifa versus Uefa: Am Finanzmarkt fällt das Verdikt eindeutig aus
Der Weltfussballverband Fifa und der europäische Fussballverband Uefa haben bekanntlich das Heu schon seit einiger Zeit nicht mehr auf der gleichen Bühne, obschon ihre Kürzel auf französische Bezeichnungen zurückgehen (Fédération Internationale de Football Association beziehungsweise Union des Associations Européennes de Football), die Uefa 1954 in Basel nur nach dem Plazet der bereits 1904 gegründeten Fifa aus der Taufe gehoben werde durfte, beide Organisationen ihren Hauptsitz in der Schweiz (Zürich respektive Nyon) haben und sie natürlich über ihr Kerngeschäft auch institutionell eng verbunden sind.
Jüngster Zankapfel waren die Pläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino für den vermehrten Einbezug privater Investoren, die allerdings angesichts der grossen Opposition wenige Tage nach der Lancierung zurückgezogen wurden. Doch die Rücktrittsforderungen an die Adresse des Fifa-Präsidenten sind damit nicht verstummt, wie der am Montag publizierte «offene Brief an die Fussballfamilie» zeigt.
Geführt wird die Uefa vom Slowenen Aleksander Čeferin; ein Name der deutlich weniger bekannt ist als der seines Pendants aus dem Wallis.
Sicherstellung der Liquidität hat Priorität
finews interessiert sich indes wesensgemäss weniger für die durchaus spannende Geschichte der Fussballverbände und die mitunter schillernden Charaktere ihrer Führungspersönlichkeiten, sondern mehr für Zahlen und Fakten auf dem Feld der Finanzen. Anfang August hat sie die Buchhaltung der Fifa unter die Lupe genommen und ist dabei auf Finanzanlagen und Liquidität von fast 7 Milliarden Dollar gestossen. Bei der Anlagestrategie stehen Obligationen im Vordergrund, die Fifa legt hohen Wert darauf, dass sie jederzeit liquid ist.
Wie sehen das Anlageuniversum und die Anlagestrategie der Uefa aus? Hinweise darauf gibt der Finanzbericht 2024/2025 samt dem entsprechenden Anhang, wobei das Uefa-Geschäftsjahr jeweils am 1. Juli beginnt und am 30. Juni endet und die Uefa insgesamt eher umfassender und transparenter informiert als die Fifa.
Die monetären Spuren der letztes Jahr in der Schweiz ausgetragenen Europameisterschaft (EM) der Frauen, zumindest reputationsmässig ein Gewinn für den Sport und unser Land, werden notabene erst im nächsten Finanzbericht zu finden sein.
Etwas weniger zyklisch, Bilanzwährung Euro statt Dollar
Wie bei der Fifa sind die Einnahmen zyklisch, bildet doch die alle vier Jahre stattfindende EM der Männer die Haupteinnahmequelle – die nächste EM wird 2028 in Grossbritannien und Irland durchgeführt. Allerdings hat die Uefa mit den Klubwettbewerben eine Quelle, die jedes Jahr sprudelt und damit die Ausschläge dämpft. Zudem rapportieren die Europäer anders als der Weltfussballverband in Euro.
Per 30. Juni 2025 beliefen sich die Finanzanlagen in der Uefa-Bilanz auf 1,54 Milliarden Euro, 1,1 Milliarden weniger als im Vorjahr (was mit der erwähnten Zyklizität der Einnahmen zusammenhängt). Wie für die Fifa hat auch für die Uefa Priorität, dass sie allzeit liquid ist und damit ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann.
Unternehmensanleihen und Medium Term Notes
55 Prozent der gesamten finanziellen Vermögenswerte sind kurzfristig angelegt. «Der Rest wird in langfristige, kapitalgeschützte Wertpapiere angelegt und in einem deutlich geringeren Ausmass zur Bereitstellung von Darlehen verwendet», wird im Finanzbericht ausgeführt. Insgesamt entfallen 58 Prozent aller Aktiven auf Finanzanlagen.
Aus dem Anhang geht die Asset Allocation noch etwas detaillierter hervor. Neben überwiegend in Euro gehaltenen flüssigen Mitteln über 462 Millionen weist die Uefa «übrige finanzielle Vermögenswerte» von 1'081 Million Euro aus. Davon fallen 392 Millionen in die Kategorie kurzfristig, das heisst Geldmarkt und kurzlaufende Wertpapiere wie Medium Term Notes (MTN, im Rahmen von Emissionsprogrammen vergebene standardisierte Schuldverschreibungen) sowie Unternehmensanleihen. 689 Millionen Euro (meist Wertpapiere) werden als langfristig taxiert.
«Enttäuschende Performance»
Der Bestand der langfristigen Wertpapiere (Total 674 Millionen) setzt sich ebenfalls (etwa hälftig) aus Unternehmensanleihen und aus MTN zusammen. Das Bondportfolio umfasst 69 Unternehmensanleihen mit einem durchschnittlichen Rating von A (Standard & Poor's), wobei die Laufzeit (Duration) im Mittel 3,6 Jahre beträgt.
Zur Performance 2024/2025 spricht die Uefa Klartext. «Das Ergebnis aus der Vermögensverwaltung ist enttäuschend.» Grund dafür war die Dollarschwäche im März 2025, was zu Wechselkursverlusten von 47 Millionen Euro führte. «Diese erheblichen Verluste waren unvermeidbar, da die Uefa eine grosse Position in US-Dollar halten muss, um ausstehende Sicherungsgeschäfte abzusichern», heisst es zur Begründung im Finanzbericht. Immerhin resultierte ein positiver Anlageerfolg, der mit 10,6 Millionen Euro allerdings 66,5 Millionen tiefer lag als im Vorjahr.
Bruchteil des Fifa-Eigenkapitals
In Bezug auf das Eigenkapital bewegt sich die Uefa wie bei den Anlagen ebenfalls in einer tieferen Liga als die Fifa. Sie hat Ende Juni 2025 Reserven von 522 Millionen Euro (Vorperiode 568 Millionen) ausgewiesen, bei der Fifa waren es Ende 2025 2,7 Milliarden Dollar. Im Gegensatz zum Weltfussballverband definieren die Europäer für die Höhe des Eigenkapitals indes eine explizite Zielmarke von 500 Millionen Euro.
Wer will, kann nun aus den Finanzzahlen der beiden rivalisierenden Partner ableiten, wer im laufenden (führungspersonal-)politischen Gerangel die besseren Karten hat. finews verzichtet diesbezüglich gerne auf wohlfeile Prognosen und selbstgefällige Wertungen, hiesse dies doch, das angestammte und einigermassen vertraute Terrain zu verlassen.















